# taz.de -- März-Verlag feiert Jubiläum: Herbst im März
> Der Berliner Kultverlag März feiert Geburtstag. Die Aktionswoche samt
> Tombola und Blick ins Herbstprogramm ist auch ein Hinweis auf die knappe
> Kassenlage.
IMG Bild: „Immer radikal, niemals konsequent“ auch beim Merch in Verlags-typischen Pommes -Farben
Verstreut auf einem der schönsten Trottoirs der Stadt steht am
Dienstagabend eine kleine Menschentraube vor dem Ladenlokal der Hausnummer
150. Im kühlen kleineren Geschäft neben der Traditionsbuchhandlung für
Natur und Kultur Zabriskie, wohnt seit wenigen Wochen März. Hohe Regale mit
zahlreichen neuen und alten Programmtiteln, ein bisschen dunkles Holz, viel
Logo – rot auf gelb.
Der Kultverlag hat zur Vorstellung des Herbstprogramms mit Tombola geladen,
der Auftakt einer sogenannten Aktionswoche. Der Anlass: 57 Jahre März und
knappe Kassen. Büchermachen ist teurer denn je, und wer so viele – und auch
so schöne – veröffentlicht, wie der [1][Kleinverlag für Gegenkultur], dem
helfen auch große und kleine Verlagspreise nur bedingt.
Zwar kann die 1969 von Jörg Schröder gegründete [2][literarische
Provokationsunternehmung] auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, in
deren Verlauf neben ikonischen Titeln (von Victor Klemperer, Leonard Cohen,
Valerie Solanas, Robert Crumb, Kathy Acker, die Liste könnte spaltenfüllend
zu Ende geführt werden) auch gefälschte Lenin-Briefmarken, Pornos und die
CIA eine Rolle spielen. Doch ist aufgrund traditionell kleiner Auflagen und
einer juristischen Neugründung inklusive Verlagsrechtsbürokratie das
Konglomerat bestellbarer Bestandstitel, durch die die großen Häuser ihre
Engpässe überbrücken, eher schmal.
Wer an diesem Dienstagabend also ein Buch aus dem Herbstprogramm
vorbestellt oder eins aus dem Bestand erwirbt, bekommt ein Los dazu.
Gewonnen werden Gästelistenplätze zur anstehenden Lesung des Autors
Christoph Narholz, ziemlich coole Logo-Basecaps (ein direkter Gruß an den
Suhrkamp-Trend des letzten Sommers?) und anderes. Trotz klammer Ansagen ist
die Stimmung wagemutig, gekauft wird fleißig und das Programm wird durch
Zwischenrufe kommentiert.
In den nächsten Tagen soll es weitergehen. Am Mittwochabend gibt es ein
offenes Haus zum Verlagsgeburtstag, am Donnerstag, zum Auftakt des
[3][Branchentreffens am Wörthersee], veranstaltet März in den neuen Räumen
gleich sein eigenes „Klagenfurt 3000“: Geheimnisvolle „vier bis fünf“ der
Hausautoren lesen aus bisher unveröffentlichten Texten, die Verleger sind
die Jury. Ob auch die Praktikantin mitdiskutieren darf und die
Autor:innen des kürzlich im März aufgegangenen Korbinian-Verlags mit
dabei sind, ist unklar.
Am Freitag gibt es Lieblingsdrinks aus Lieblingsbüchern des Programms,
gemixt und vorgelesen von Richard Stoiber und Barbara Kalender, der
Doppelspitze des März-Verlags. Am Wochenende präsentieren die beiden sich
und das neue Programm beim Bücherfest auf dem Bebelplatz. Ein passender
Ort, wie Stoiber betont. In März-typischer Lakonie folgt natürlich auch ein
Witz zur Wiederholbarkeit der Geschichte, diesmal jedoch in Anbetracht der
erwarteten Hitze.
Neben Diana Weis' neuem Modebuch „Darunter nackt“ und Friedeman Sittigs
autofiktionaler Vatererzählung „Nebenher Verloren“ findet sich unter den
Herbsttiteln auch „Nr. 1“ des Autors Michel Decar. Im Heft daneben
folgender knapper Satz: „Michel Decar war nie weg und ist trotzdem zurück.“
Also so wie der März-Verlag.
24 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Hilka Dirks
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