# taz.de -- Reform der Entwicklungszusammenarbeit: Hilfsorganisationen kritisieren fehlende Strategie
> Die NGOs Terre des Hommes und Welthungerhilfe empfehlen, Akteure aus dem
> Globalen Süden in der Neugestaltung der Entwicklungspolitik einzubinden.
IMG Bild: Dürre in Simbabwe: Die Entwicklungspolitik steht unter Druck, während Krisen, Krieg und die Auswirkungen des Klimawandels sich verschlimmern
Die Vorstände Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von
Terre des Hommes wissen, dass sie sich wiederholen. Die Entwicklungspolitik
steht unter Druck, während Krisen, Krieg und die Auswirkungen des
Klimawandels schlimmer werden. Bei der Vorstellung ihrer jährlichen Bilanz
der deutschen Entwicklungspolitik am Mittwoch betonen sie dennoch einmal
mehr: „Wer international Verantwortung übernehmen will, kann bei steigendem
Bedarf keinen Rückwärtsgang einlegen“, so Mogge.
Er legte den Fokus auf die humanitäre Hilfe: Statt wie aktuell 1 Milliarde
Euro fordern die Organisationen 2,8 Milliarden im nächsten Bundeshaushalt.
Statt kurzfristig auf Krisen zu reagieren, müsse auch Geld für die
Prävention bereitgestellt werden, sagte Mogge.
Während das humanitäre Völkerrecht weltweit mehr missachtet werde,
untergrabe eine zunehmende Politisierung der humanitären Hilfe deren
Grundsätze: Sie soll bedarfsorientiert, neutral und unabhängig sein. Sie
dürfe nicht sicherheits-, migrations- oder geopolitischen Interessen
untergeordnet werden, [1][betont auch der Bericht] beider Organisationen.
Eine Neuausrichtung der Entwicklungspolitik begrüßten die Organisationen
grundsätzlich. Den [2][Reformplänen, die Bundesentwicklungsministerin Reem
Alabali Radovan (SPD) Anfang des Jahres vorgestellt] hatte, fehle aber eine
kohärente Strategie, so die Hilfswerke. Für die Ausarbeitung der Reform
müsse das Entwicklungsministerium (BMZ) die Zivilgesellschaft aus NGOs und
Wissenschaft in Deutschland, vor allem aber in den Partnerländern
einbeziehen.
## Reform darf nicht zu einem Berliner Verwaltungsakt werden
„Es geht nicht um die Quantität, sondern die Qualität der Hilfen“, sagte
Mogge. Zur besseren Einbindung der Akteure vor Ort, gehöre auch weniger
Bürokratie, vereinfachte Verfahren, mehr Gestaltungsraum der
Zivilorganisationen.
Joschua Hofert von Terre des Hommes pflichtete bei: „Die Reform der
Entwicklungszusammenarbeit darf nicht zu einem Berliner Verwaltungsprojekt
werden.“ Um die Wirksamkeit knapper deutscher Entwicklungsgelder zu
erhöhen, müssten Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen
„frühzeitig und verbindlich“ eingebunden werden.
Auch wirtschaftliche Zusammenarbeit könne nur gelingen, wenn sie mit
Akteuren vor Ort abgestimmt sei. Die Bundesregierung dürfe außerdem nicht
so tun, als gäbe es keine Widersprüche darin, inwiefern
Entwicklungszusammenarbeit deutschen Interessen und denen vor Ort diente.
Die Bundesregierung hat seit 2022 den Etat für Entwicklungszusammenarbeit
um ein Drittel gekürzt. Für den Bundeshaushalt 2027 sind [3][weitere
Kürzungen geplant].
25 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/pictures/publications/de/studies-analysis/2026-kompass.pdf
DIR [2] /Deutsche-Entwicklungspolitik/!6144929
DIR [3] /Bundeshaushalt-2027/!6174995
## AUTOREN
DIR Leila van Rinsum
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