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       # taz.de -- Rentenreform und Auswirkungen: „Kapitalrente“ steht in der Kritik
       
       > Gewerkschaftsnahe Ökonomen rügen die geplante „Kapitalrente“. Auf den
       > Bundeshaushalt kämen dadurch erst einmal Zusatzkosten in Milliardenhöhe
       > zu.
       
   IMG Bild: Für gewerkschaftsnahe Ökonomen ist die „Kapitalrente“ ein Problembär
       
       Berlin taz | Die Pläne der Rentenkommission für die Stabilisierung der
       künftigen Rente könnten Wachstum und Arbeitsplätze kosten. Davor warnten
       gewerkschaftsnahe Ökonomen am Mittwoch. Problematisch sei, das zum Aufbau
       der neuen „Kapitalrente“ der Beitragssatz für die Rente ab 2028 zusätzlich
       um zwei Prozentpunkte steigen soll. Dies entziehe Kaufkraft und dürfte so
       Konsumnachfrage und Wirtschaftswachstum verringern, hieß es in einer Studie
       von IMK und WSI, beides Institute der gewerkschaftsnahen
       Hans-Böckler-Stiftung.
       
       „Der Aufbau des Kapitalstocks macht kurz- und mittelfristig die
       Stabilisierung des Rentenniveaus teurer, nicht billiger“, warnte Sebastian
       Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK.
       
       Die [1][Vorschläge der Rentenkommission], die laut Bundesregierung
       [2][komplett umgesetzt werden sollen], sehen zur Stabilisierung der Renten
       vor, dass künftig verpflichtend zwei Prozent des Bruttolohns in einen
       [3][kapitalgedeckten Rentenanteil] fließen, zusätzlich zu den Beiträgen zur
       bisherigen gesetzlichen Rente. Dieser Beitrag soll hälftig von Arbeitgebern
       und Arbeitnehmern bezahlt werden und damit soll Kapital für die Rente der
       Arbeitnehmer:innen angespart werden. Mit dem Aufbau einer gesetzlichen
       Kapitalrente soll die Alterssicherung eine Ergänzung erhalten zum
       bisherigen umlagefinanzierten Rentensystem.
       
       Mit diesem Kapitalstock und dessen Erträgen soll das ansonsten sinkende
       Rentenniveau ab dem Jahre 2031 aufgestockt werden, sodass die
       Ruheständler:innen künftig weiterhin zumindest das bisherige
       Rentenniveau behalten, wahrscheinlich sogar mehr, verspricht der Bericht
       der Rentenkommission. Die Forscher:innen der Böckler-Institute
       kritisierten allerdings die „auffällig optimistischen Annahmen“ zugunsten
       der Renditen der künftigen Kapitalrenten, die sich in dem Bericht der
       Rentenkommission finden.
       
       Damit die heute schon Älteren auch ein stabiles Rentenniveau bekommen,
       obwohl sie wenig Zeit zum Ansparen der „Kapitalrente“ haben, soll in einer
       Übergangszeit deren Kapitalrente aus Steuermitteln mitfinanziert werden.
       „Damit wird gewährleistet, dass das Rentenniveau inklusive gesetzlicher
       Kapitalrente für die Rentenneuzugänge künftig mindestens so hoch wie heute
       ausfällt“, verspricht die Rentenkommission in ihrem Bericht. Durch diese
       steuerfinanzierte Kompensation für rentennahe Versicherte kämen auf den
       Bundeshaushalt allerdings Zusatzkosten in Milliardenhöhe zu, warnen die
       Forscher:innen von IMK und WSI.
       
       Das Ziel, das Rentenniveau zu stabilisieren, könnte man auch mit einer
       Verlängerung der aktuellen Haltelinie und einem entsprechenden Anstieg der
       Beitragssätze erreichen, heißt es in der Studie. Die Gesamtbelastung würde
       dann geringer ausfallen als mit den zusätzlichen Beiträgen für die
       Kapitalrente.
       
       Als Alternative für den Aufbau eines Rentenkapitals brachte Dullien
       außerdem eine einmalige Vermögenssteuer ins Gespräch. Auch ein
       schuldenfinanziertes Generationenkapital, wie die Ampel-Koalition es
       geplant hatte, sei denkbar.
       
       Der Würzburger Ökonom Peter Bofinger, der Mitglied der Rentenkommission
       war, räumte ein, dass die Vorschläge der Kommission ein Kompromiss gewesen
       seien. Die Kapitalrente sei bei diesem Kompromiss „tatsächlich das
       Hauptproblem“, sagte er. Bofinger schätzte den wirtschaftlich dämpfenden
       Effekt der Kapitalrente auf einen dreiviertel Prozentpunkt des
       Bruttoinlandsprodukts.
       
       Die Berliner Volkswirtschaftlerin Camille Logeay, ebenfalls
       Kommissionsmitglied, sagte: „Wenn man eine Kapitalrente möchte, ist das der
       Preis.“
       
       Bis Ende des Jahres will Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) die
       Rentenreform gesetzgeberisch auf den Weg bringen. Kleine Änderungen seien
       schon noch möglich, aber „ganz anders wird es nicht sein“, so Bas. (mit epd
       und dpa)
       
       24 Jun 2026
       
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