# taz.de -- Yeboah-U-Ausschuss: Eine späte Suche nach Antworten
> Der saarländische Landtag hat über den Abschlussbericht des U-Ausschusses
> zu Brandanschlägen in den 1990ern diskutiert. Nicht alle sehen Fehler
> ein.
IMG Bild: Protest vor dem Gericht in Koblenz: Samuel Kofi Yeboah wurde bei einem Brandanschlag in Saarlouis ermordet
Nach über 35 Jahren sind noch immer nicht alle Fragen geklärt. Zu dem
Ergebnis kommt der Untersuchungsausschuss (UA) in seinem Abschlussbericht,
über den am Mittwoch der Landtag in Saarbrücken diskutierte. Der UA sollte
die rassistischen Brandanschläge im Saarland in den 1990ern aufarbeiten. Im
Zentrum stand der Anschlag auf eine Asylunterkunft vom 19. September 1991
in Saarlouis-Fraulautern, bei dem der Ghanaer Samuel Kofi Yeboah ermordet
worden war.
Damals hatten die Behörden das Verfahren nach elf Monaten eingestellt. Luan
Gavrani war einer der Überlebenden des Brandanschlags. Im UA sagte er, man
habe sie damals „nicht als Mensch behandelt“.
Dass die Generalstaatsanwaltschaft den Fall überhaupt wieder aufnahm, lag
daran, dass eine Frau 2019 den Ex-Skinhead Peter S. anzeigte. Dieser habe
Jahre zuvor damit geprahlt, in der Saarlouiser Asylunterkunft Feuer gelegt
zu haben. Das OLG Koblenz [1][verurteilte Peter S. 2025 rechtskräftig]
wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten. Den
[2][örtlichen Anführer der rechtsextremistischen Skinheads, Peter St].,
sprach das OLG Koblenz frei. Die Bundesanwaltschaft hatte ihn wegen
Beihilfe angeklagt.
Parallel zu dem Prozess in Koblenz setzten im Saarland die allein
regierende SPD und die CDU den UA „Rassistische Anschlagsserie“ ein. Das
Ergebnis ist ein knapp 350-seitiger Abschlussbericht. Er liegt der taz vor.
„Es ist zwar spät, aber richtig“, findet Hans Wolf von der Organisation
Aktion 3. Welt Saar. Gemeinsam mit der Antifa Saar und dem Saarländischen
Flüchtlingsrat setzten sie sich lange dafür ein, den Mord an Yeboah
aufzuarbeiten.
## Der Umgang mit den Betroffenen
Als Zeug:innen lud der UA auch die Bewohner:innen der Unterkunft ein.
Viele von ihnen waren 1991 noch minderjährig. Die Polizei vernahm sie
damals ohne Vertrauensperson oder Dolmetscher – teils direkt, nachdem sie
sich aus dem brennenden Gebäude retten konnten. Sowohl die Polizei als auch
das Sozialamt seien dabei „einzig der Frage nachgegangen, welcher der
Bewohner für die Tat verantwortlich sei“. Auf Anfrage der taz wollte sich
keiner der damaligen Bewohner:innen äußern. Ursula Quack vom
Saarländischen Flüchtlingsrat hatte die Betroffenen während des Prozesses
und dem UA begleitet. Sie berichtet, dass die Verurteilung für viele nach
30 Jahren zwar etwas Befreiendes hatte, für andere hingegen sei es teils
retraumatisierend gewesen.
Aus der damaligen saarländischen SPD-Alleinregierung war unter anderem der
Ministerpräsident Oskar Lafontaine als Zeuge geladen. Im Ausschuss sagte
er, er sei „nicht mit der Angelegenheit befasst gewesen“. Mit dem Thema
Asyl habe er sich aber beschäftigt – in Form des damaligen
[3][„Asylkompromisses“]. Dieser schaffte 1993 das Recht auf Asyl faktisch
ab. Auch der Rechtsextremismus sei thematisiert worden. Der damalige
SPD-Innenminister Friedel Läpple sagte im UA: „Die Polizei hat
hervorragende Arbeit geleistet.“
In der saarländischen Polizei findet derweil eine interne Aufarbeitung
statt. Der ehemalige Landespolizeipräsident Norbert Rupp entschuldigte sich
2022 öffentlich für die Versäumnisse. UA-Vorsitzende Sevim Kaya-Karadağ
(SPD) sagte zur taz: „Je höher die Funktion, desto weniger hatten sich die
Zeugen erinnert.“ Insbesondere im Fall von Lafontaine „hätte ich mir mehr
Demut und Erinnerungsvermögen gewünscht“.
## Nicht alle Fragen geklärt
Hans Wolf von der Aktion 3. Welt Saar kritisierte im Gespräch mit der taz,
dass viele Befragungen von Polizei und Verfassungsschutz (VS) nicht
öffentlich waren. Für Wolf bleibt offen, warum man die Täter damals mit
„Samthandschuhen angefasst hat“. So habe ein Skinhead bei der Befragung
1991 ein Bier von der Polizei hingestellt bekommen. Ein ehemaliger Chef des
saarländischen VS, Helmut Albert, räumte ein, es sei zu spät erkannt
worden, dass es sich bei den Skins um rechtsextremistische Gewalttäter
handelte.
In der Debatte im Landtag am Mittwoch bedauerten SPD und CDU, dass der UA
keine weiteren Zusammenhänge zu den Anschlägen feststellen konnte – es
fehlten Akten, zu viel Zeit sei vergangen. Patrick Waldraff (CDU) sagte im
Landtag, es habe keine Belege für ein bewusstes Wegsehen staatlicher
Stellen gegeben. Sehr wohl aber schwere Fehleinschätzungen und strukturelle
Schwächen.
2023 hat der Landtag einen Entschädigungsfonds für Opfer rassistischer
Gewalt beschlossen. Laut Quack vom Flüchtlingsbeirat ist davon allerdings
noch nichts bei den Betroffenen angekommen. Auf Anfrage der taz teilte der
Landtag mit, dass sich der zuständige Beirat noch gründen müsse. Ob und wie
viel Entschädigung die Bewohner:innen dann erhalten, prüfe dann der
Beirat.
24 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Jana Laborenz
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hatte.