URI: 
       # taz.de -- Fragwürdiger japanischer Geldgeber: Rechter Müll
       
       > Ein Sponsor des japanischen Teams verteilt bei der WM für die Fans
       > Mülltüten. Sonst verbreitet das Unternehmen gern auch nationalistisches
       > Gedankengut.
       
   IMG Bild: Japanische Fans punkten bei der WM, der Mülltütensponsor eher nicht
       
       Seit der Weltmeisterschaft 1998 ernten japanische Fußballfans
       internationale Bewunderung, weil sie nach dem Abpfiff ihren Müll in
       mitgebrachten blauen Plastiktüten einsammeln und saubere Ränge
       hinterlassen. Diese Tüten sind mehr als nur Müllbeutel: Während des Spiels
       blasen die Fans sie auf und halten sie hoch, um einen einheitlich blauen
       Unterstützerblock zu bilden. Die Farbe verweist auf den Teamnamen Samurai
       Blue. Bei Abendspielen leuchten die Tüten blau, wenn Fans das Licht ihrer
       Smartphones dahinter halten.
       
       Bei dieser WM unterscheidet sich das Ritual in einer Kleinigkeit von den
       vorherigen: Diesmal kommen die blauen Plastiktüten überwiegend aus einer
       Quelle. Das japanische Unternehmen APA, Betreiber einer Hotelkette,
       produzierte 15.000 Tüten [1][mit dem Aufdruck] „Japan Pride. Japan kann
       noch stärker werden“. Unterstützergruppen verteilen sie dann am
       Stadioneingang an die Fans. Die APA-Gruppe sponsert Japans
       Fußballnationalmannschaft. Ihre 347 Hotels mit 84.000 Zimmern sind wegen
       niedriger Preise und gutem Service bei ausländischen Touristen und
       Einheimischen beliebt.
       
       Doch der Gründer und Chef von APA, Toshio Motoya, fiel in der Vergangenheit
       durch offen revisionistische und antisemitische Aussagen auf. Seine
       Firmengruppe verfolgt über ihre [2][Stiftung] „Japan Revival Foundation“
       das Ziel, Japan „von einer selbstkritischen Geschichtsauffassung zu
       befreien und den Stolz auf unser Land zurückzugewinnen“. Sie vergibt einen
       Essaypreis für eine „wahre Sicht auf die moderne und historische
       Geschichte“. Das Engagement von APA für einen positiven Nationalismus, der
       durch Stolz auf sportliche Erfolge gestärkt werden soll, erhält dadurch
       einen unangenehmen Beigeschmack.
       
       Auf der Plattform X gab es entsprechende Kritik. „Die Fans werden benutzt“,
       [3][schrieb] ein User. „Durch die Werbung für APA vergeht mir die Lust am
       Zuschauen“, bemerkte [4][ein anderer]. Eine Nutzer:in [5][verteidigte]
       das Sponsoring: „Wer sagt, APA unterstütze die blauen Mülltüten nur aus
       Profitinteresse – beschwert ihr euch auch über die (kostenlos verteilten)
       Fächer beim lokalen Sommerfest, auf denen die örtliche Bank steht?“
       
       ## Mit dem Markenspruch des Sponsors
       
       Ebenso problematisch scheint zu sein, dass APA den Slogan „Japan Pride“ im
       März 2023 als identische Markenbotschaft für Unternehmen und
       Nationalmannschaft einführte. Beim Abschluss des Sponsorvertrags [6][sagte]
       CEO Kazushi Motoya, er teile den Gedanken, dass Japan noch stärker werden
       kann. APA wolle mit dem Slogan international auftreten. Der damalige
       Präsident des Fußballverbandes JFA machte sich den Markenspruch des
       Sponsors [7][zu eigen]: APA und JFA würden ihre Ressourcen verbinden und
       „neue Werte“ schaffen, erklärte Kozo Toshiba.
       
       Das Unternehmen betreibt bis heute [8][eine Website] mit „Japan Pride“ als
       Markenkonzept. Der Begleittext zu einem Foto mit Nationaltrainer Hajime
       Moriyasu und einigen Spielern strahlt Patriotismus aus: APA wolle mit der
       Nationalmannschaft und mit Menschen, die an Japan glauben, ein „starkes
       Japan“ unterstützen. Seit Oktober können sich Besucher und Gäste in 46
       Hotels vor einer Leinwand mit einigen bekannten Spielern unter dem Slogan
       [9][fotografieren lassen]. Anfang Juni verlängerten APA und JFA die
       Partnerschaft bis 2030. JFA-Präsident Tsuneyasu Miyamoto [10][dankte] APA
       dafür, mit dem Motto „Japan Pride“ die Stimmung zur Unterstützung der
       Nationalmannschaft zu fördern.
       
       Motoya, der im Februar mit 82 Jahren verstarb, veröffentlichte in der
       konzerneigenen Zeitschrift Apple Town unter dem Pseudonym Seiji Fuji
       politische Essays mit rechten Thesen. Er behauptete, Japans Eintritt in den
       Zweiten Weltkrieg sei gerecht gewesen, da man auf Provokationen reagiert
       habe. Japanische Kriegsverbrechen wie das Massaker von Nanking seien
       chinesische und koreanische Propaganda. Eine mehrsprachige Sammlung dieser
       Essays liegt in jedem APA-Hotelzimmer aus. Auf Kritik reagierte das
       Unternehmen [11][mit dem Hinweis] auf Motoyas Recht auf freie
       Meinungsäußerung. Für seine Behauptung, „jüdisches Kapital“ stecke hinter
       allen US-Kriegen, entschuldigte er sich jedoch.
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://pbs.twimg.com/media/HK6dFofbIAAXFv9.png
   DIR [2] https://ajrf.jp/index.html
   DIR [3] https://x.com/orientis312/status/2066794636912611708
   DIR [4] https://x.com/kbou55/status/2066761973703032885?utm_source=chatgpt.com
   DIR [5] https://x.com/Tomoejp1236/status/2068135274115481634
   DIR [6] https://www.jfa.jp/about_jfa/news/00031705/
   DIR [7] https://www.jfa.jp/about_jfa/news/00031705/
   DIR [8] https://www.apahotel.com/samurai_blue/
   DIR [9] https://www.apahotel.com/samurai_blue/room/
   DIR [10] https://www.jfa.jp/samuraiblue/news/00036400/
   DIR [11] https://www.apa.co.jp/newsrelease/8467
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Martin Fritz
       
       ## TAGS
       
   DIR Fußball-WM
   DIR Japan
   DIR Nationalismus
   DIR Reden wir darüber
   DIR Social-Auswahl
   DIR Fußball-WM
   DIR Kolumne Giannis Welt
   DIR Japan
   DIR Alice Weidel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Trainer Ancelotti mit Impact: Geduld ist Brasiliens neue Superkraft
       
       Ruhe statt Unruhe, Kollektiv statt Neymar – die Wende der Seleção im
       Nervenspiel gegen Japan trägt die Handschrift von Carlo Ancelotti.
       
   DIR Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Liebling der Allergrößten
       
       Neben Gianni Infantino wollen alle sitzen, die Rang und Namen haben.
       Könige, Prinzessinnen und viele andere. Die Liste ist lang.
       
   DIR Wahlen in Japan: Sehnsucht nach starker Führung
       
       In Japan hat die Dauerregierungspartei LDP es wieder mal geschafft, sich an
       der Macht zu halten – mit einfachen Botschaften und autoritären Tendenzen.
       
   DIR Frauen an der Staatsspitze: Rechtspopulistische Politikerinnen lösen Männer ab
       
       Immer mehr Frauen lenken die Geschicke ihrer Länder. Für den Feminismus ist
       das allerdings kein Erfolg – im Gegenteil.