# taz.de -- Mahnmal für verfolgte Zeugen Jehovas: „Verbeugung vor den Opfern des Nationalsozialismus“
> Im Berliner Tiergarten ist das Mahnmal für die im Nationalsozialismus
> verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas eingeweiht worden. Es schließt
> eine Lücke im Gedenken.
IMG Bild: Das Mahnmal für die Zeugen Jehovas, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen, im Berliner Tiergarten
epd/afp/taz | In Berlin ist ein Mahnmal für die im Nationalsozialismus
verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas der Öffentlichkeit übergeben
worden. „Es ist kein Denkmal für eine Institution“, sagte
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch beim Festakt im
Berliner Tiergarten: „Es geht um die Verbeugung vor den Opfern des
Nationalsozialismus.“
Das Mahnmal ist eine fünf Meter hohe Bronzestele, die an einen Baumstamm
erinnert. Es sei „ein Mahnmal für Empathie, ein Mahnmal für Toleranz“,
sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). Für die
Feierlichkeiten im Tiergarten hatten sich nach Angaben der Organisatoren
fast 1.000 Menschen angemeldet.
Der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Uwe
Neumärker, sagte, die Bundesregierung würdige „mit diesem Mahnmal den
unglaublichen Mut, den Widerstand, der auch den Tod in Kauf nahm, und die
große Mitmenschlichkeit der Zeugen Jehovas zwischen 1933 und 1945“. Der
Beschluss für das Mahnmal wurde 2023 einstimmig vom Bundestag getroffen.
Die Stiftung betonte, die Zeugen Jehovas hätten aus religiöser Überzeugung
Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet. Sowohl den Hitlergruß,
den Kriegsdienst als auch die Mitgliedschaft in Parteiorganisationen hätten
sie verweigert.
„Sie wurden als sogenannte Kriegsdienstverweigerer hingerichtet. Oder sie
kamen unter unmenschlichen Bedingungen in Haft ums Leben“, sagte
Bundestagspräsidentin Klöckner in ihrer Rede. Sie erinnerte daran, dass das
Grundgesetz in der Bundesrepublik die Glaubensfreiheit schützt. „Es schützt
religiöse Minderheiten, gerade auch Minderheiten, deren Überzeugungen
vielen auch fremd sind“, sagte Klöckner. „Und es schützt ebenso die
Freiheit, einer Religionsgemeinschaft nicht anzugehören.“
Insgesamt waren den Angaben zufolge mehr als 15.000 Frauen und Männer der
Glaubensgemeinschaft in der NS-Zeit inhaftiert. 4.500 kamen in
Konzentrationslager und wurden dort mit einem „lila Winkel“ stigmatisiert.
Mehr als 1.800 von ihnen wurden ermordet.
## Ergänzung der bestehenden Mahnmale
Kulturstaatsminister Weimer erklärte, mit dem Mahnmal werde eine Lücke in
der deutschen Erinnerungskultur geschlossen.
Das Denkmal ergänzt die bereits bestehenden Holocaust-Mahnmale am und im
Berliner Tiergarten. Neben dem im Jahr 2005 eingeweihten Stelenfeld des
[1][Denkmals für die ermordeten Juden Europas] gibt es im Park auch das
[2][Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen], das
2008 eingeweiht wurde und aus einer einzelnen Stele besteht.
Im Jahr 2012 wurde zudem südlich des Reichstags das [3][Denkmal für die im
Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas] eingeweiht. Es zeigt
eine Rose in einem Teich und wurde von dem Architekten Dani Karavan
entworfen. Dieser Gedenkort ist [4][durch den geplanten Bau eines
S-Bahn-Tunnels gefährdet].
In Planung ist ein weiteres Denkmal, das [5][an die deutschen Verbrechen an
Polinnen und Polen] erinnern soll. Den Bau hatte der Bundestag 2025
beschlossen. Bis Anfang Oktober sollen über die Entwürfe der ausgewählten
25 Bewerber entschieden werden.
24 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.stiftung-denkmal.de/denkmaeler/denkmal-fuer-die-ermordeten-juden-europas-mit-ausstellung-im-ort-der-information/
DIR [2] https://www.stiftung-denkmal.de/denkmaeler/denkmal-fuer-die-im-nationalsozialismus-verfolgten-homosexuellen/
DIR [3] https://www.stiftung-denkmal.de/denkmaeler/denkmal-fuer-die-im-nationalsozialismus-ermordeten-sinti-und-roma-europas/
DIR [4] /Neue-S-Bahn-Strecke-fuer-Berlin/!6184417
DIR [5] /Denkmal-fuer-ermordete-Polen-in-Berlin/!6175455
## TAGS
DIR Denkmal der im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti
DIR Sinti und Roma
DIR Holocaust-Mahnmal
DIR Holocaust
DIR Antisemitismus
DIR Gedenkpolitik
DIR Verband Deutscher Sinti und Roma
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Antisemitischer Messerangriff in Berlin: 13 Jahre Haft für Attacke am Holocaust-Mahnmal
Weil er ihn für einen Juden hielt, brachte Wassim Al M. einen spanischen
Touristen in Berlin fast um. Für die Tat muss er jetzt lange ins Gefängnis.
DIR Verteidigung der Erinnerungskultur: Aufarbeitung von unten
Zwischen herausgerissenen Stolpersteinen einerseits und
Vereinnahmungstendenzen andererseits: Warum es ein Weiter-so in der
Erinnerungskultur braucht.
DIR Porajmos-Gedenktag in Bremerhaven: „Auch Sinti und Roma wurden erfasst, entrechtet und verfolgt“
Die Aufarbeitung der NS-Verfolgung der Sinti und Roma begann 35 Jahre nach
Kriegsende. Am 16.12. wird in Bremerhaven der Gedenktag begangen.