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       # taz.de -- Verbrecher des Assad-Regimes: Folter-General Wassim al-Assad vor Gericht
       
       > In Syrien steht der Cousin von Ex-Machthaber Baschar al-Assad vor
       > Gericht. Es geht um Korruption, Drogengeschäfte, Kidnappings und Folter.
       
   IMG Bild: Cousin des gestürzten syrischen Staatschefs Baschar al-Assad: Wassim al-Assad
       
       Er prahlte mit Reichtum und Gewalt, schamlos ließ er Dissidenten verprügeln
       und foltern, fühlte sich unangreifbar. Nun sitzt er in gestreifter
       Häftlingsrobe auf der Anklagebank. Ein Zeichen, dass die Verbrecher des
       Assad-Regimes nun in Syrien zur Rechenschaft gezogen werden.
       
       Wassim Badia al-Assad ist der Cousin des Ex-Machthabers Baschar al-Assad.
       Die beiden teilen die Liebe für Luxuskarren und den Geburtsort Qardaha,
       etwa 30 Kilometer von Latakia entfernt, in Nordwestsyrien. Dort wurde
       Wassim al-Assad am 18. Juli 1980 geboren. Seinem Cousin erwies er immer
       [1][eiserne Loyalität.] Er organisierte Unterstützungscamps, finanzierte
       regimetreue Sänger, trug bei inszenierten Gefechten Militäruniformen und
       schloss sich später dem von Russland unterstützten „Fünften Korps“ an.
       
       Wassim al-Assad beschrieb sich als Businessmann und prahlte gerne mit
       seinem Nachnamen und seinen Verbindungen. Doch dahinter steckten schmutzige
       Geschäfte. Er selbst postete [2][Fotos von sich auf Facebook] vor teuren
       Autos, goldenen Waffen, Champagnerfeten oder in der Hotellobby mit einem
       libanesischen Drogenboss, unter das er schrieb: „beste Freunde“. All das,
       während das Regime die Menschen folterte, bombardierte und verhungern ließ.
       
       ## Der Captagonhandel war die Lebensader des Regimes
       
       Sein Geld machte Wassim Assad mit der Aufputschdroge Captagon. Ihm gehörte
       die Transport-Firma Assad-al-Sahel, und er war verantwortlich für die
       Zollabfertigung – das ermöglichte ihm den Verkauf von Captagon ins Ausland.
       Der Captagonhandel war nicht nur ein reges Geschäft unter dem alten Regime,
       es war quasi dessen Lebensader.
       
       Die Assad-Regierung und verbündete Milizen wie die Hisbollah im Libanon
       übernahmen die Captagon-Produktion von kleinen kriminellen Gruppen. Das
       milliardenschwere Geschäft wurde zur Haupteinnahmequelle. Die Behörden der
       neuen Übergangsregierung zählten in den ersten zwei Monaten neun riesige
       Produktionsanlagen und Bestände von großen Mengen [3][Captagon]-Tabletten.
       
       Häufig soll Wassim al-Assad sich öffentlich damit gebrüstet haben, Gewalt
       gegen Oppositionelle angewendet zu haben. Sieben Tage vor dem Sturz des
       Assad-Regimes kündigte er auf seiner Facebook-Seite noch an,
       „Spezialeinheiten“ zu gründen, die gegen die Opposition kämpften. Er
       dachte, die Macht der Familie Assad sei unantastbar. Ein Fehler.
       
       Entgegen seinem Cousin Baschar und weiteren Familienmitgliedern floh Wassim
       al-Assad nicht nach Russland – sondern in den Libanon. Dann überzeugte ihn
       ein Kontakt davon, dass ein korrupter Offizier ihm bei der Rückkehr helfen
       würde. Mit gefälschten Dokumenten kam er wieder ins Land. Doch das Fahrzeug
       war mit Peilsendern ausgestattet, sein vertrauter Kontakt war in Wahrheit
       ein Doppelagent. Wassim saß in der Falle.
       
       Am frühen Morgen des 15. Juni – nachdem Wassim al-Assad noch verstecktes
       Gold auf einem verlassenen Bauernhof eingepackt hatte – sperrten Polizei
       und Sicherheitsbeamte die Zufahrtswege und nahmen Wassim Assad fest. Die
       geheime Operation „Angriff schwarzes Gold“ hatten der neue Geheimdienst und
       das Innenministerium monatelang geplant.
       
       Im Justizpalast in Damaskus begann am Mittwoch die erste Anhörung. Wassim
       al-Assad ist nicht nur wegen Korruption und Drogengeschäften angeklagt. Er
       soll auch Kidnappings und Folter zu verantworten haben. Er gründete und
       befehligte Kampfgruppen der vierten Division des Militärs, versorgte sie
       mit Waffen und Geld. Er [4][führte paramilitärische Gruppen], sogenannte
       Schabiha, die friedliche Proteste im Jahr 2011 niederschlugen und so die
       angestrebte Revolution unterdrückten. Er wird für die Tötung von
       Zivilist*innen in Jaramana bei Damaskus verantwortlich gemacht, ebenso
       wie für die Bewaffnung von Milizen im Gebiet Mleiha.
       
       25 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://syrianobserver.com/syrian-actors/wassim-al-assad-the-fall-of-a-regimes-enforcer.html
   DIR [2] https://www.newarab.com/news/syrian-presidents-cousin-posts-photo-wanted-drug-lord
   DIR [3] https://newlinesinstitute.org/project/special-project-on-the-captagon-trade/
   DIR [4] https://www.alestiklal.net/en/article/wassim-al-assad-the-drug-dealer-who-suppressed-the-syrian-revolution-infographic
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Julia Neumann
       
       ## TAGS
       
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