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       # taz.de -- Angriff auf Klimapolitik: Schwarz-Rot schwächt Effizienzregeln für die Wirtschaft ab
       
       > Den Energieverbrauch zu senken, ist für den Klimaschutz zentral. Die
       > Bundesregierung will trotzdem vor allem für Rechenzentren Vorgaben
       > lockern.
       
   IMG Bild: Hauptsache effizient: Für Rechenzentren zum Beispiel sollen die Umwelt-Auflagen gelockert werden
       
       Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine umfassende Aufweichung des
       Energieeffizienzgesetzes beschlossen. Das erst seit Ende 2023 geltende
       Gesetz der Ampelregierung verpflichtet Staat und Unternehmen dazu, ihren
       Energieverbrauch zu senken und Energieverluste zu vermeiden. Im Fokus
       stehen vor allem die Betreiber von Rechenzentren mit ihrem enormen
       Stromverbrauch und großen Mengen an meist ungenutzter Abwärme.
       
       Den Energieverbrauch zu senken gilt als zentral für den Klimaschutz, weil
       die erneuerbaren Energien den gigantischen Energiehunger der Welt nicht
       decken können. In Deutschland hat es seit 1990 aber kaum Fortschritte dabei
       gegeben. Bis zu den Einschnitten durch die Coronapandemie [1][sank der
       Energieverbrauch laut Umweltbundesamt nur ganz wenig, stagnierte fast].
       
       Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium begründet die Reform mit
       ⁠Bürokratieabbau und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, die Regierung
       setze nun auf „zielgerichtete statt auf pauschale Vorgaben“.
       
       Das heißt zum Beispiel, dass die Pflicht, Energie- oder
       Umweltmanagementsystemen einzuführen, in Zukunft erst für Unternehmen ab
       einem Jahresenergieverbrauch von 23,6 Gigawattstunden gelten soll. Das
       entspricht dem gehobenen Mittelstand. Das Pharmaunternehmen Medice Health
       Family aus dem sauerländischen Iserlohn mit rund 1.200 Mitarbeitenden
       beispielsweise hat laut dem eigenen [2][Nachhaltigkeitsbericht] 2024 rund
       23,5 Gigawattstunden verbraucht. Die Marke stammt aus dem europäischen
       Recht, die bisherige Regelung war ambitionierter.
       
       ## Lockerungen für Rechenzentren
       
       Für die Betreiber von Rechenzentren sind mehrere Lockerungen vorgesehen.
       Entfallen soll etwa die Pflicht zur Abwärmenutzung. Rechenzentren sollen
       die Wärmeenergie, die bei ihrem Betrieb entsteht und in die Umgebung
       entweicht, nur nutzen müssen, wenn vor Ort ein Wärmenetz vorhanden ist.
       
       Sie müssen zudem schwächere Grenzwerte einhalten und diese später erreichen
       – sie bekommen dafür künftig vier statt zwei Jahre Zeit. Um drei Jahre bis
       2030 verschoben wird auch die Frist, bis zu der ⁠sie ihren Stromverbrauch
       bilanziell vollständig mit Ökostrom decken müssen. Reiche spricht von
       „praxisnahen Regeln für Rechenzentren“.
       
       Kilian Vieth-Ditlmann von der Nichtregierungsorganisation Algorithmwatch
       hingegen nennt das einen „Kniefall vor Big Tech“. Der prognostizierte Zubau
       von immer größeren Rechenzentren sei gigantisch. „Genau jetzt die
       grundlegenden Regeln für Effizienz und Transparenz auszuhöhlen, ist nicht
       nur widersinnig, sondern auch politisch kurzsichtig und verantwortungslos“,
       sagt er. Das schade sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft. Sein
       Argument: Der hohe Stromverbrauch führt auch zu hohen Stromkosten. Und die
       müssen am Ende diejenigen bezahlen, die Kapazitäten der Rechenzentren
       buchen – also sehr viele Unternehmen.
       
       Die Reaktionen der Wirtschaft sind entsprechend gemischt. Der Chef der
       Deutschen Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, nannte die
       Reformpläne eine „erhebliche Erleichterung“.
       
       Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige
       Wirtschaft, hingegen gibt der Regierung Kontra. Die Entwürfe zeigten
       „einmal mehr, dass es Schwarz-Rot nicht gelingt, Klimaschutz und Wettbewerb
       zu verzahnen“, sagt sie.
       
       Auch von Umweltschützer*innen kommt Kritik. „Anstatt starke
       Leitplanken für den Bau sauberer Rechenzentren zu setzen, schafft das
       Kabinett mit der Überarbeitung des Energieeffizienzgesetzes neue
       Schlupflöcher für Tech-Konzerne“, meint Linda Klapdor, Tech-Expertin bei
       Greenpeace. „[3][In den USA sehen wir bereits], wie der rasante Ausbau von
       mit fossilen Energien betriebenen Rechenzentren die Emissionen explodieren
       lässt. Dieses System dürfen wir in Deutschland nicht kopieren.“
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energiesparen/energieverbrauch-energieeffizienz-in-deutschland-in#klimaschutz-
   DIR [2] https://a.storyblok.com/f/276854/x/7cb719099d/nachhaltigkeitsbericht-2024.pdf
   DIR [3] /Oekobilanz-von-Rechenzentren/!6188265
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Susanne Schwarz
       
       ## TAGS
       
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