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       # taz.de -- Social-Media-Verbot für Kinder: Australien war der Trendsetter
       
       > Bildungsministerin Karin Prien will für Social Media eine Altersgrenze
       > einführen und fragt Experten. Viele Länder gehen schon weiter als
       > Deutschland.
       
   IMG Bild: Risikogruppe beim bevorzugten Zeitvertreib: Jugendliche liegt mit ihrem Smartphone auf dem Bett und scrollt sich durch Tiktok
       
       afp | Nach monatelanger Arbeit hat eine Expertenkommission am Mittwoch in
       Berlin ihre [1][Handlungsempfehlungen für den Kinder- und Jugendschutz in
       der digitalen Welt] vorgestellt. In der Handreichung für
       Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) geht es auch um die Frage, ob
       ein Social-Media-Verbot für Heranwachsende sinnvoll ist.
       
       Das Gremium wendet sich gegen ein „pauschal hohes Mindestalter“ von 15 oder
       16 Jahren für die Social-Media-Nutzung und stellte stattdessen zwei
       alternative Ansätze zur Diskussion: entweder eine gesetzliche
       Mindestaltersgrenze von 13 Jahren für Social-Media-Accounts oder eine
       Beschränkung für einzelne Dienste je nach Risiko der Angebote. Einige
       andere Länder sind bei der Einschränkung der Nutzung von Online-Netzwerken
       wie Instagram oder Tiktok schon viel weiter. Ein Überblick:
       
       ## Wo gibt es bereits Verbote?
       
       [2][Vorreiter ist Australien.] Dort trat Ende vergangenen Jahres [3][ein
       Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren] in Kraft.
       
       In Brasilien gilt seit März ein weniger strenges Gesetz zur Einschränkung
       der Social-Media-Nutzung durch Heranwachsende. Es verpflichtet
       Onlineplattformen, die Nutzerkonten von Kindern unter 16 Jahren mit denen
       ihrer Eltern zu verknüpfen und das Alter der Nutzer zu verifizieren. In
       Lateinamerika sind die sozialen Medien allgegenwärtig. Aber [4][nur in
       Brasilien setzt man der Macht der Tech-Konzerne ernsthaft Grenzen].
       
       In China, wo der Internetzugang generell streng vom Staat reguliert wird,
       wurde der Zugang von Minderjährigen zu Onlinenetzwerken seit 2019
       schrittweise eingeschränkt. Die Nutzungsdauer ist beschränkt und es wurde
       eine nächtliche Sperre für Heranwachsende eingeführt, zunächst für
       Onlinespiele und 2023 dann auch für Onlinenetzwerke und
       Streamingplattformen.
       
       In Indonesien gilt seit Ende März ein Onlinenetzwerke-Verbot für Kinder
       unter 16 Jahren. In Malaysia trat ein Verbot der wichtigsten
       Onlinenetzwerke für Unter-16-Jährige Anfang Juni in Kraft.
       
       In der Türkei steht die Einführung eines Social-Media-Verbots für Kinder
       unter 15 Jahren zumindest bereits fest. Ein entsprechendes Gesetz wurde im
       April verabschiedet und soll nach sechs Monaten in Kraft treten.
       
       ## Wo sind Verbote angekündigt?
       
       Der scheidende Premierminister von Großbritannien, Keir Starmer, kündigte
       vergangene Woche ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren an. Die
       Regelung soll [5][Ende des Jahres verabschiedet werden und Anfang 2027 in
       Kraft treten]. Kanada will ebenfalls per Gesetz ein Mindestalter von 16
       Jahren für Onlinenetzwerke wie Instagram und Tiktok einführen.
       
       In Österreich gibt es Pläne, diesen Sommer ein Gesetz über ein
       Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren vorzulegen. Slowenien
       arbeitet an einer ähnlichen Regelung für Kinder unter 15.
       
       In Norwegen kündigte die Regierung im April an, bis Jahresende ein Gesetz
       für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren vorzulegen. In
       Schweden hat eine Regierungskommission vorgeschlagen, bis 2028 ein Verbot
       für Kinder unter 15 Jahren einzuführen. In Dänemark kündigte die Regierung
       im Oktober an, ein Verbot „mehrerer sozialer Netzwerke“ für Heranwachsende
       unter 15 Jahren vorzuschlagen.
       
       Im riesigen Indien prüfen mehrere Bundesstaaten Verbote für Minderjährige.
       Die Regierung in Neu Delhi sprach im Februar davon, mit den
       Onlineplattformen über künftige Beschränkungen für den Jugendschutz zu
       sprechen.
       
       ## Wo gibt es parlamentarische Verfahren?
       
       In Frankreich beschloss die Nationalversammlung im Januar in erster Lesung
       ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren. Der Senat schwächte die
       Gesetzesvorlage ab, [6][die endgültige Fassung soll in den kommenden Wochen
       vorliegen]. Die Regierung hofft, dass die Reform schließlich im September
       nach den Sommerferien in Kraft treten kann.
       
       In Portugal wurde in erster Lesung ein im Februar vorgelegter Gesetzentwurf
       gebilligt, der ein Mindestalter für Onlinenetzwerke sowie Onlinespiele und
       Apps festlegt. Derzeit wird die Vorlage von einer Kommission geprüft, ein
       Termin für die endgültige Abstimmung steht noch nicht fest.
       
       In Spanien stellte Ministerpräsident Pedro Sánchez im März einen [7][Plan
       vor, Onlinenetzwerke für Kinder unter 16 Jahren zu verbieten]. Über einen
       entsprechenden Gesetzesentwurf ließ seine Minderheitsregierung aber bislang
       nicht abstimmen.
       
       In Italien wurde bereits 2024 ein Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem
       Onlinenetzwerke für Kinder unter 15 Jahren verboten werden sollen.
       Jugendliche von 15 bis 18 Jahre müssen demnach eine Erlaubnis der Eltern
       nachweisen. Bis heute blockiert der italienische Senat den Entwurf.
       Regierungschefin Giorgia Meloni machte in der Kontroverse jüngst beim
       G7-Gipfel deutlich, dass sie sich ein Social-Media-Verbot für
       Heranwachsende vorstellen kann – allerdings nur wenn die Onlineplattformen
       in die Pflicht genommen werden und eine effiziente Umsetzung des Verbots
       gewährleistet ist.
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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