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       # taz.de -- Bundesjugendspiele und Wehrhaftigkeit: Leistungsprinzip Reloaded
       
       > Wehrhafter Pazifismus beim Schulsport? Ist der staatlich verordnete
       > Leistungsdruck auf dem Sportplatz zum psychologischen Auslaufmodell
       > verkommen?
       
   IMG Bild: Seitenstechen mit Lerneffekt? Schüler*innen bei den Bundesjugendspielen
       
       Was ist denn das da jetzt für 'ne Regierungsinitiative, [1][dass die
       Bundesjugendspiele erneut stark leistungsorientiert aufgeladen werden
       sollen]!?“, fragt die Freundin beim Gartenchill und nippt am Rosé.
       
       „Die CDU will [2][den Wettkampfgedanken stärken], Nachtigall, ick hör dir
       rekrutieren“, sagt die andere Freundin und spuckt einen Kirschkern über den
       Tisch.
       
       „Die Jugend soll kriegsfit gemacht werden!“
       
       „Das bisschen missglückter Weitsprung und hecheln auf Zeit soll
       militärisches Vorglühen sein?“
       
       „Logo! Damit das Land notfalls wieder den Bach raufmarschieren kann.“
       
       „Wehrhaftigkeit als gesamt-gesellschaftliche Selbstwirksamkeitsexperience
       ist eben ein Thema der Stunde.“
       
       „Bei all meinem grundgütigen inneren Pazifismus, Abschreckung is' jetzt im
       Kern noch kein Verbrechen.“
       
       „Aber wer garantiert, dass es beim kleinen Gespenst bleibt?“
       
       „Wehrhafter Pazifismus ist militanter Pazifismus.“
       
       „Die binären Zeiten sind vorbei, Leute, alles wird aufgebrochen, nicht nur
       bei Genderthemen.“
       
       „Ambivalenz in allen Ecken ist also bloß schnöder Realismus?“
       
       „Bundesjugendspiele haben es nicht so mit Ambivalenz, da wurde immer schon
       knallhart und ohne Fantasie gesiebt in fit und unfit.“
       
       „[3][Nichts daran ist spielerisch], die Kinder werden quasi aus dem Stand
       gezwungen, Bälle in die Ferne zu schleudern und zu rennen, als wäre der
       Feind hinter ihnen her.“
       
       „Politisch Verantwortliche argumentieren da neuerdings psychologisch: Die
       jungen Leute müssten lernen, dass Anstrengung sich immer lohne!“
       
       „Lieblingslüge des Kapitalismus.“
       
       „Es siegen da ja auch immer dieselben Sportskanonen, wo ist der
       Lerneffekt?“
       
       „Dass du dich devot an die Stelle des Systems einsortierst, wo du
       hingehörst.“
       
       „Bei dem Horrorevent war immer vorher klar, wer gewinnt.“
       
       „Aber das hatte sich Putin eben auch gedacht.“
       
       „Der hat [4][nicht mit Wehrhaftigkeit gerechnet].“
       
       „Und deshalb sollen Pubertierende mit Seitenstechen zusammenbrechen?“
       
       „Da werden die meisten ja doch nur mit ihrer Selbstunwirksamkeit
       konfrontiert.“
       
       „Frust or Freedom!“
       
       „Ich hab beim Weitwurf mal versehentlich den Ball bei vollem
       Armkreisschwung nach hinten losgelassen, mein fieser Lateinlehrer rief laut
       meinen Namen und dann: Rekord: minus 9 Meter!“
       
       „Immerhin wurden die Ehrenurkunden von Richard von Weizsäcker
       unterschrieben.“
       
       ## Demütigungen auf der großen Bühne
       
       „Und was sollte das aussagen?“
       
       „Dein Präsident sieht dich!“
       
       „Das war nur ein Vordruck.“
       
       „Nein!“
       
       „Doch!“
       
       „Unterm Strich für die meisten Demütigungen auf der großen Bühne des
       Jugendmikrokosmos, und es gab immer diese Mädchen, die alles mit links
       hinbekommen haben!“
       
       „Und in die waren alle Jungs verliebt.“
       
       „Heißt das, am Anfang standen die Typen auf die leistungsstärksten
       Mädchen?“
       
       „Das waren optisch die Trainiertesten.“
       
       „Alles öde platt und wie immer.“
       
       „Der schwitzige Dauerlauf bei instabiler Stimmung mit letzter Kraft,
       weitermachen für nix als Krämpfe und vielleicht ein bisschen Ego.“
       
       „Kapitalismus für Newcomer.“
       
       „Hinter der Hecke hingen die Abweichler ab und rauchten
       Menthol-Zigaretten.“
       
       „Da durfte man einfach sein und sich so wenig bewegen, wie man wollte.“
       
       „Wenn der Leistungsgedanke wieder eingeführt wird, dann sollte auch mal
       demokratisch der Chill-Gedanke eingeführt werden.“
       
       „Neues Zeitgeist Schulfach: Abschalten und Runterfahren.“
       
       „Aber gibt es dafür nicht die Pausen?“
       
       „Purer Stress.“
       
       „Hauen, mustern, vergleichen, vergraulen und Bälle an den Kopf bekommen in
       unter 'ner halben Stunde.“
       
       26 Jun 2026
       
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