# taz.de -- Gemeinderatswahl in Graz: Eine, die weiß, wie man die Rechten besiegt
> Elke Kahr ist die erste kommunistische Bürgermeisterin in Graz. Sie
> tröstet, gibt Ratschläge und ihr Geld. Am Sonntag will sie wiedergewählt
> werden.
IMG Bild: Elke Kahr empfängt zur Bürgersprechstunde
Bis halb eins in der Nacht war sie gestern unterwegs. Wahlkampf. Und jetzt
sitzen schon wieder ein halbes Dutzend Leute auf den Bänken im Hof vor dem
Volkshaus, einem ehemaligen Fabrikgelände und dem Hauptsitz der
Kommunistischen Partei Österreichs in Graz. Sie alle warten darauf, der
Frau Bürgermeisterin in der Sprechstunde ihr Anliegen vorzubringen.
Erschöpft sieht [1][Elke Kahr] an diesem Samstagmorgen aus.
Sie bittet die ersten zwei Besucher herein. „Sie sind der Sohn? Der Papa
hat so oft von Ihnen gesprochen! Ham Sie an Durscht, möchten Sie was
trinken?“ Kahr macht sich ans Kaffeekochen.
Der Raum ist groß und spärlich eingerichtet: Eine Kaffeeküche und ein paar
Holztische in der Mitte, rot gestrichene Wände. Auf der Toilette fehlt die
Seife. Ein Poster wirbt für „YUGO FEŠTA“, Kultur aus dem ehemaligen
Jugoslawien. Der schwarze Kater Leni streift zwischen den Beinen umher.
„Unser Chef!“, stellt Kahr ihn vor.
„Wie geht es Ihnen?“ fragt der Mann die Bürgermeisterin in gebrochenem
Deutsch. „Ich geh ja nie zum Arzt. Da weiß man net, wie's einem geht.“ Sie
lacht laut auf, dann zündet sie sich eine „Parisienne Jaune“ an, vom
Handgelenk baumelt ihr ein türkisfarbenes Glasperlenarmband. „Na, passt
ois. Muss. Bald is a Wahl, da wird ma sehen, wies ausgeht. Viele politische
Mitbewerber, wie des heißt, würden gern sehn, dass wir net mehr da sind.
Aber wir lassen uns net beirren.“
## Umgeben von Blau
In den kommenden Stunden wird es das einzige Mal bleiben, dass Kahr die
Gemeinderatswahl erwähnt. Dabei steht am kommenden Sonntag viel auf dem
Spiel. Das kommunistisch regierte Graz ist ein einsamer dunkelroter Fleck
auf den Wahlkarten der Steiermark. 2024 wählte das Bundesland zum ersten
Mal einen FPÖ-Politiker an die Spitze: Mario Kunasek.
Zum zweiten Mal überhaupt führt damit ein FPÖ-Politiker eine
Landesregierung in Österreich an – der erste war Jörg Haider in Kärnten
gewesen. Damit ist die Steiermark das einzige Bundesland mit einem blauen
Landeshauptmann. Und mittendrin, in der Landeshauptstadt: eine
kommunistische Bürgermeisterin.
„Die Steiermark als Hochburg der Kommunisten wie der Rechtsnationalen: Wie
passt das zusammen?“, titelte die Wochenzeitung Der Falter vergangene
Woche, und schob nach: „Haben die Dunkelroten und die Tiefblauen etwa mehr
gemein, als man denkt?“
Fragen wie diese wirken im Grazer Volkshaus wie aus einem Parallelkosmos
gegriffen. Ganz andere, dringendere Dinge haben Vorrang. Zuerst erzählen
der Vater und sein 21-jähriger Sohn Elke Kahr von der Feuchtigkeit in ihrer
Sozialwohnung. Dann berichtet der Jüngere von seiner Ausbildung und fragt
die Bürgermeisterin nach freien Stellen in der Grazer Stadtverwaltung.
## „Eine nette Dame“
Zum Schluss scherzen sie über die 100-jährige Großmutter im ukrainischen
Dorf. Kahr hakt nach und macht Notizen in ihrem karierten
DIN-A4-Notizblock, heftet dann alle Seiten ordentlich mit einer Klammer ab.
Man werde der Familie auf der Suche nach einer neuen Wohnung helfen. Und
der Sohn solle ihr bitte seinen Lebenslauf schicken. Vielleicht lässt sich
etwas tun, er muss sich aber auf eine Stelle bewerben.
Die beiden verabschieden sich. Zum Schluss drückt der Vater seine beiden
Daumen nach oben: „Elke Kahr so! Eine nette Dame! Hat mir geholfen schon
viele Male! Tausend Mal Danke!“
So läuft es bis zum späten Nachmittag. Ein bisschen hat man das Gefühl, bei
der Beratungsstelle der Caritas gelandet zu sein: Da ist der verzweifelte
Fabrikarbeiter, den die Ehefrau betrogen hat und dem das Geld für die
Alimente seiner fünf Kinder fehlt. Die Bürgermeisterin empört sich mit ihm
über die Ungerechtigkeit („Ja sapperlot! Des gibt's ja net!“). Die Witwe im
Hijab, die nicht genug für die Klassenfahrt ihrer Söhne hat. Sie hat
Bananenbrot für Elke Kahr gebacken.
Und der Kontrabass-Student aus Sibirien, der weder Monatsmiete noch
Heiznachzahlung begleichen kann und seit einem Jahr keinen Nebenjob findet.
Für den nächsten Monat will Kahr ihm mit Geld von ihrem eigenen Konto
helfen und verspricht, in ihrem Netzwerk herumzutelefonieren. Er druckst
herum. Ihm ist es sichtlich unangenehm, sich Geld schenken zu lassen. Zum
Schluss fragt er sie nach einer Zigarette. Sie drückt ihm drei in die Hand.
## Sie gibt ihr Geld
Elke Kahr tröstet, gibt Ratschläge und oft auch unbürokratisch ihr eigenes
Geld. Kahr ist seit 1983 Mitglied der KPÖ. Seit sie 2005 Stadträtin wurde,
hat sie nach eigenen Angaben insgesamt 1,3 Millionen Euro abgegeben. Ihr
monatliches Nettogehalt beträgt 9300 Euro, 2300 davon behält sie. Auch zwei
weitere Stadträte der KPÖ verzichten jeden Monat auf Teile ihres Gehaltes.
Die Idee hatte ihr Vorgänger Ernest Kaltenegger, nachdem er 1998 als erster
Kommunist in den Stadtrat einzog. Am „Tag der offenen Konten“ legt die
Partei Rechenschaft über die Verwendung der gespendeten Gelder ab. Wer
will, kann sie einsehen. Politische Gegner werfen Kahr deshalb
„Stimmenkauf“ vor.
Doch in der zweitgrößten Stadt Österreichs leben knapp 350.000 Menschen –
jeder sechste von ihnen, rund 48.000, haben weder einen österreichischen
noch einen EU-Pass. Sie können bei der Gemeinderatswahl gar nicht für Elke
Kahr stimmen. Trotzdem hilft die Bürgermeisterin ihnen. Nie fragt sie, wo
jemand herkommt.
Elke Kahr wuchs in einer Grazer Arbeitersiedlung auf. Von klein auf,
erzählt sie häufig in Interviews, habe sie mitbekommen, wie ärmere Kinder
in ihrem Umfeld behandelt wurden. Kahr protestierte. Schon früh warfen
Lehrer ihr vor, „wie eine Kommunistin“ zu reden. So erst wurde sie
tatsächlich zu einer.
## Kernthemen: Wohnen und Soziales
Entsprechend glaubwürdig wirkt die Rolle der KPÖ als „Anwältin der kleinen
Leute“ mit den Kernthemen Wohnen und Soziales. Sie haben die Grazer
Kommunisten über die Jahrzehnte groß gemacht. Auch die FPÖ stürzt sich auf
die „Eliten“ als Feindbild, nur eben mit einem diametral anderen Programm.
2021 [2][gewann die KPÖ] mit knapp 29 Prozent die Gemeinderatswahl und
fegte nach 18 Jahren die konservative ÖVP aus dem Amt. Niemand hatte mit
diesem Ergebnis gerechnet. Drei Wochen vor der Wahl lag die ÖVP in Umfragen
noch auf Platz eins. Mit Elke Kahr wurde erstmals eine kommunistische
Bürgermeisterin ins Grazer Rathaus gewählt. Journalisten aus der ganzen
Welt reisten ins gemächliche und gutbürgerliche Graz an. „Wie im Zoo“,
fühlte Kahr sich später. 2023 zeichnete die City Mayors Foundation in
London sie als „Weltbürgermeisterin“ aus.
Dabei ist Graz keine typische linke Hochburg. Das Leben im Kommunismus
verläuft oft spießiger, als man meinen mag. Sowohl bei der Nationalratswahl
als auch bei der Landtagswahl 2024 wählte rund ein Fünftel der Grazer die
FPÖ. Bereits 2021 hatten 12 Prozent der früheren FPÖ-Wähler ihre Stimme den
Kommunisten gegeben. Laut dem Meinungsforscher Peter Hajek könnte nun
erneut ein beträchtlicher Teil der freiheitlichen Wählerschaft [3][zu Kahr
wechseln]. Sie erreiche Menschen „querbeet in alle Schichten hinein“.
Auf die Frage nach den Überschneidungen dieser Wählergruppen winkt Kahr ab.
„Mei Papa hat immer gsogt, des ist wurscht, wer wer ist. Ma muss Mensch
sein, ma muss respektvoll umgehn. Es gibt kan Unterschied zwischen den
Kulturen. Nur einen zwischen oben und unten.“
## Eine pragmatische Koalition
Fern der Ehrungen regiert die KPÖ seit fünf Jahren ziemlich pragmatisch in
einer Koalition mit den Sozialdemokraten und Grünen. „Verlässlich und ohne
Streit, in einem menschlich ausnehmend guten Umgang“, wie die
Bürgermeisterin diese Woche im Interview mit dem Standard sagte.
Mit Graz als Vorbild ist der [4][Zuspruch für die KPÖ] auch in anderen
Städten wie St. Pölten und Innsbruck gewachsen – in [5][Salzburg] stellt
sie sogar den Vizebürgermeister. Selbst im traditionell
sozialdemokratischen Wien ist sie erstmals in allen Bezirksräten vertreten.
Nur bei den [6][Nationalratswahlen] 2024 kam sie auf enttäuschende 2,4
Prozent.
Seit Amtsantritt hat die Stadtregierung in Graz fast 4.000 Bäume gepflanzt,
um die Hitzesommer abzumildern. In jedem Bezirk sollen „Grüne Meilen“
entstehen. Neue Straßenbahnen wurden mit Brezen und Apfelschorle festlich
eingeweiht, 420 Gemeindewohnungen errichtet und eine Mietzinszuzahlung für
einkommensschwache Familien eingeführt.
Um sich jetzt auf eine Sozialwohnung zu bewerben, muss man nur ein Jahr
statt fünf in der Stadt wohnen – eine Lockerung gegenüber der
Vorgängerregierung. Gleichzeitig ist damit das Budgetdefizit der Stadt
weiter angestiegen, was Kahrs Gegner als geliebten Talking Point gegen sie
ausschlachten.
## FPÖ startet Gegenprogramm
Parallel gab die Landesregierung unter der FPÖ vor einem Jahr ihre
Entscheidung bekannt, 2,5 Millionen Euro im Sozialbereich zu streichen.
Betroffen waren Organisationen wie die Caritas, die
Antidiskriminierungsstelle, die AIDS-Hilfe und Bereiche wie
Gewaltprävention, Integration oder psychosozialer Beratung. Die Stadt
musste mit Überbrückungshilfen einspringen, um den Notbetrieb zu sichern.
In progressiven Kreisen der Stadt scheint Kahrs Wiederwahl so
selbstverständlich wie der Sonnenaufgang am Morgen. Entfernt man sich aus
diesen Kreisen, verschiebt sich das Bild ein Stück weit.
Auf der Wiese vor der Mathematischen Fakultät der Technischen Universität
Graz versammeln sich jeden Abend um Punkt sieben auf einer Bank
unterschiedliche Leute, um ihre Hunde miteinander spielen zu lassen. Alle
hier kennen sich seit Jahren. Man redet gerne, um zu reden. Fast immer geht
es um die Befindlichkeiten und Probleme der Tiere, Politik wird selten
diskutiert. Doch jetzt, so kurz vor der Wahl, will jeder seinen Senf
dazugeben.
## Politische Diskussionen auf der Hundewiese
Die Arzthelferin mit Topfschnitt zum Beispiel, die Kahr schon lange
persönlich kennt, weil sie zwei Jahrzehnte lang als Ehrenamtliche in einem
Jugendzentrum aushalf. 2021 hat sie der KPÖ ihre Stimme gegeben, weil: Wenn
Elke Kahr etwas verspricht, sie ihr Versprechen auch hält und das eine
große Sache ist, sagt die Arzthelferin.
„Menschlich ist die schwer in Ordnung!“ Aber den Koalitionspartner der KPÖ,
den Grünen, findet sie „autofeindlich“. Überhaupt ist der Stadtverkehr
eines der emotionalsten Wahlkampfthemen. In der Innenstadt gäbe es kaum
noch Parkplätze, die Besessenheit der Grünen mit dem Klima gehe an der
Realität vieler Grazerinnen und Grazer vorbei.
Wen wundert da der Leerstand in den Läden, wo sollen die Kunden auch
parken? Die Arzthelferin glaubt nicht, dass Kahr noch einmal zur
Bürgermeisterin gewählt wird. Dieses Mal wolle sie auch für den
ÖVP-Kandidaten stimmen, sagt sie zögerlich. Der sei auch ein Anständiger.
Auf seinem Instagram-Kanal hetzt er gegen Kahr und die Grünen und will
stattdessen „eine Verkehrspolitik der Vernunft!“
„Der hat einen Plan für die Wirtschaft“, stimmt die 20-jährige Tochter der
Mutter zu. Sie verteilt getrocknete Lungenstangen an alle Hunde, die sich
wie hungrige Bettelnde vor ihr aufreihen.
„Sagt die ÖVP das nicht schon immer, ohne dass was passiert?“ Die
Pharmazeutin sitzt daneben und verdreht die Augen. Sie wählt Grün, behält
das aber in dieser Runde für sich.
## Respekt von der Bauingenieurin
Die Bauingenieurin mit ihrer älteren, gefräßigen Labradordame stimmt für
die wirtschaftsliberalen NEOS. Aber sie respektiert Kahr, weil die jeden
Monat ihr Gehalt abgibt.
Auch der pensionierte Briefträger, der seinen Mischlingshund aus Bosnien
adoptiert hat, findet Gefallen an der Person Elke Kahr. Nur eben nicht an
ihren Kumpanen, den Kommunisten. Die will er nicht in einer
Regierungsfunktion sehen. Er wird den „Korruptionsfreien Gemeinderatsclub“,
eine neu formierte Splitterpartei der FPÖ wählen – weil endlich „jemand das
ganze kriminelle Migrantengesindel aus dem Grazer Volkspark in Busse packen
und abschieben“ sollte.
„Damit meinst du auch mich!“, schreit die Bauingenieurin ihn an. Sie stammt
ursprünglich aus Kroatien.
„Sitzt du den ganzen Tag im Volkspark oder was?“, schießt der pampig
zurück. Dann beruhigen alle sich wieder. Man wechselt das Thema.
## Skandale um die FPÖ
Eigentlich würden die Positionen des pensionierten Briefträgers zur FPÖ
passen, die von 11 auf 15 Prozent wachsen und wohl drittstärkste Kraft
werden könnte. Aber nicht wenigen gilt die FPÖ in Graz mit ihren
permanenten Skandalen als unwählbar – davon profitiert auch die KPÖ. Erst
diese Woche mussten zwei Kandidaten für den Grazer Gemeinderat
zurücktreten.
Ihre Facebook-Posts zeigten antisemitische Karikaturen im NS-Stil, die
Juden für Weltkriege und den 11. September verantwortlich machen. Ein Video
zeigte den jüdischstämmigen ukrainischen Präsidenten Selenskyj in einer
dehumanisierenden, sexualisierten Darstellung. Der FPÖ war das alles
angeblich nicht aufgefallen.
Vor allem aber zerreißt seit fünf Jahren ein Finanzdrama die Partei.
Ermittelt wird gegen neun Abgeordnete. Klubgelder sind aus Steuergeldern
mysteriös „verschwunden“. Was mit dem Geld passiert ist, ist bis heute
unklar, die Buchhaltung wurde zerstört. Auch FPÖ-Landesparteiobmann Mario
Kunasek ist wegen „Beitragstäterschaft zu den Straftaten der Grazer Partei-
und Klubführung durch Unterlassen“ angeklagt. Er soll von den
Machenschaften in Graz gewusst haben.
Vergangenen Montag bedeckten 90.000 Spielgeldscheine den Grazer Hauptplatz
in der Innenstadt, die zusammen 1,8 Millionen ergaben: Laut
Staatsanwaltschaft genau die verschwundene Summe. Initiiert hatte die
Aktion das Kunstkollektiv „Blütenzauber“. Die falschen Zwanziger gibt es
jetzt zu kaufen. Die Hälfte des Erlöses geht ans Dokumentationsarchiv des
österreichischen Widerstandes.
## Das andere Graz
Wenige Gehminuten vom Hauptplatz sitzt einer, dem Geld nie gefehlt hat: Der
Multimillionär Helmut Marko. 83 Jahre alt, ehemaliger Autorennfahrer,
Rennstallbesitzer, Kunstsammler und Hotelier – einige der elegantesten
Hotels der Stadt gehören ihm. Für Red Bull hat er Formel-1-Stars wie
Sebastian Vettel und Max Verstappen entdeckt, bis er Ende vergangenen
Jahres als Motorsportberater aufhörte.
Marko ist Ehrenbürger der Stadt Graz, „[7][Herzbotschafter]“ der
Steiermark. Wie Elke Kahr liebt er seine Heimatstadt innig. Nie hat er sie
für längere Zeit verlassen, auch wenn es genug Gelegenheiten gegeben hätte.
Und doch könnten die beiden nicht unterschiedlicher auf Graz blicken. Kahr
verspricht, „keinen Menschen zu vergessen.“ Markos Credo lautet: Im
Vordergrund steht die Leistung.
Er empfängt in seinem Büro im 4. Stock. Im Rücken sieht man durch riesige
Fenster von oben die Altstadt und den Grazer Schlossberg mit seinem
wuchtigen Fels aus Dolomitgestein. Drinnen viel Kunst und
Formel-1-Memorabilia: Bilder von Red-Bull-Siegen, Rennhelme, Ehrungen. Aber
für einen, der aus der Glitzerwelt kommt, wirkt Marko mit seinem
steirischen Dialekt erstaunlich nahbar.
## Er wünscht sich den Glamour zurück
Vergangenes Jahr attestierte er Graz im Interview mit einer
Regionalzeitung, „international keine Bedeutung“ zu haben. Doch wenn er vom
Graz der 1970er Jahre spricht, leuchten seine Augen. Er schwelgt in
Erinnerungen an eine Stadt mit künstlerischer und intellektueller
Strahlkraft. Heute habe Graz diese Strahlkraft verloren. Zwar gibt es immer
noch das Filmfestival „Diagonale“ und den „Steirischen Herbst“, das
Festival für zeitgenössische Kunst. Aber von der alten Blüte sei wenig
geblieben. Stattdessen gäbe es zu viele Hotelzimmer und zu wenige
Veranstaltungen und Kongresse.
Er wünscht sich eine wirtschaftsfreundliche Regierung, die die
Verkehrsprobleme, allein voran die Parkplatzsituation, ideologiefrei in
Angriff nehmen würde. Er selbst hat einen guten Parkplatz in der
Innenstadt. Hier kehrt er öfters ein. Sein Lieblingsrestaurant: „Der
Mohrenwirt“.
## Letzte Amtszeit
Und Elke Kahr? Die schwirrt zwischen Yugo-Fest, Tag der Nachbarschaft und
Infoständen umher und plaudert mit den unterschiedlichsten Leuten. Auf dem
Gelände des Volkshauses feiert die KPÖ tagein tagaus ihre Feste.
„Kultstatus“ hätten die.
„Es ist ein Privileg, dass ich diesen Job machen kann. Aber wenn ich nicht
mehr Bürgermeisterin bin, dann kriege ich davon keine Depression. Und das
sage ich oft genug, aber diese ganze Falschheit und Verlogenheit des
Politikbetriebs, das halt ich immer weniger aus.“
Lange hat sie sich überlegt, ob sie noch einmal für den Job kandidieren
soll. Ihr Mann, ebenfalls ein Parteigenosse, ist 14 Jahre älter als sie.
Sollte sie wiedergewählt werden, wird es ihre letzte Amtszeit werden. „Wir
ham uns gern. Wir ham Freud miteinand. Und das Glück, dass ma einigermaßen
gesund sind. Ich wünsch mir, dass ma einfach no a paar gute Jahre gemeinsam
ham.“ Erleichterung bei dem Gedanken, nicht mehr Bürgermeisterin zu sein,
spürt sie trotzdem keine. Viele von denen, die heute in der
Bürgersprechstunde sitzen, hätten dann niemanden mehr, an den sie sich
wenden können.
27 Jun 2026
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DIR Marina Klimchuk
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österreichischen Graz. Sie hat ein Faible für unkonventionelle Lösungen.