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       # taz.de -- Vor dem Nato-Gipfel in der Türkei: Ignorante Wertegemeinschaft
       
       > Bereits vor dem Nato-Treffen lässt der türkische Präsident Oppositionelle
       > verhaften. Er will kritische Proteste mit allen Mitteln verhindern.
       
   IMG Bild: Recep Tayyip Erdogan lässt vor dem Nato-Treffen Oppositionelle verhaften, die Nato interessiert das nicht
       
       Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, im Falle des Nato-Gipfels in
       der Türkei sind es dunkle Schatten. Mehr als zwei Wochen vor dem
       Nato-Gipfel hat die Polizei mehr als 200 vermeintliche Gefährder
       festgenommen. Nach außen wird so getan, als handele es sich bei ihnen um
       IS-Anhänger, doch die Razzien in Ankara und Istanbul zeigen, worum es
       eigentlich geht. Durchsucht wurden Gewerkschaftsbüros, linke
       Anwaltskanzleien, Wohnungen bekannter linker Aktivisten. Öffentliche Kritik
       an der Nato soll komplett unterbunden werden, noch existierende kritische
       Medien sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.
       
       Dass Kritiker der Nato vorsorglich schon mal in den Knast gesteckt werden,
       ist noch kein Alleinstellungsmerkmal des Langzeitpräsidenten Recep Tayyip
       Erdoğan, die [1][Kriminalisierung der Opposition] dagegen schon. Wie
       Erdoğan seine politische Konkurrenz ausschaltet, passt eher zu Russland und
       China als zu der Gemeinschaft liberaler Demokratien, als die sich die Nato
       begreift.
       
       Doch der Verteidigungsgemeinschaft westlicher Werte ist das egal. Die
       Europäer beschäftigen sich vor allem damit, wie sie US-Präsident Donald
       Trump davon abhalten können, die Nato zu sprengen. Trump ist die Repression
       Erdoğans egal, die USA erwägen nun doch, Erdoğan [2][F-35 Kampfflugzeuge]
       zu liefern. Schließlich sei die Türkei der letzte Pfeiler der Stabilität im
       Nahen Osten. Erdoğan greift diese Behauptung auf, fast jeden Tag hämmert er
       seinen WählerInnen ein, wie sehr die Türkei unter seiner Führung zu einer
       diplomatischen Großmacht geworden sei.
       
       An den Menschen geht das völlig vorbei, sie haben mit einer Inflation von
       um die 50 Prozent zu kämpfen. Der Westen setzt dennoch auf [3][Erdoğan und
       ignoriert, wie hohl die Macht des Autokraten geworden] ist. Würden der
       Westen sich selbst ernst nehmen, müsste er für die Demokraten in der Türkei
       einstehen. Langfristig wäre das der einzige Weg für eine Stabilität in der
       Region. Die Bedrohung „unserer Lebensweise“ durch innere Zersetzung und
       Mangel an Glaubwürdigkeit ist längst viel größer als die Bedrohung durch
       Russland.
       
       25 Jun 2026
       
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