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       # taz.de -- Politische Gefangene in Vietnam: Profilierter Umweltschützer frei
       
       > Đăng Đình Bách war wegen angeblicher Steuerhinterziehung zu einer
       > fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, die er vollständig absitzen
       > musste.
       
   IMG Bild: Fünf Jahre saß Umweltaktivist Đăng Đình Bách in Vietnam in Haft
       
       Am Mittwochabend hat sich für ihn das Gefängnistor geöffnet. Nach fünf
       Jahren kam Đăng Đình Bách, einer der profiliertesten Umwelt- und
       Klimaaktivisten aus Vietnam, frei. Der 48-Jährige durfte zu seiner Familie
       in die Hauptstadt Hanoi zurückkehren, hunderte Kilometer von dem
       berüchtigten Gefangenenlager Nummer 6 im zentralvietnamesischen Nghe An
       entfernt, wo er fünf Jahre unter widrigsten Bedingungen eingesperrt war.
       Seinen kurz vor der Inhaftierung geborenen Sohn hatte er die ganze Zeit
       nicht sehen können. Den Vorwurf der Steuerhinterziehung hatte er stets
       zurückgewiesen.
       
       Die in Hessen ansässige und auf Vietnam spezialisierte
       Menschenrechtsorganisation VETO! hatte in den letzten Jahren mehrfach
       darauf aufmerksam gemacht, dass Bách in der Haft in Lebensgefahr schwebte.
       Der asthmakranke Mann musste eine bis zu 43 Grad heiße schmutzige Zelle mit
       mehreren Mitgefangenen teilen. Die Asthmamedikamente waren ihm zeitweise
       vorenthalten worden.
       
       Bách war ausgemergelt, weil er im Gefängnis nicht ausreichend ernährt
       wurde. VETO! zufolge wurde er in der Haft von Mitgefangenen und Wärtern mit
       Messern angegriffen und hat dadurch drei Schnittwunden am Körper. Ein
       Sprecher von VETO! sagte der taz, er sei froh, dass der gesundheitlich
       angeschlagene Mann endlich frei sei.
       
       Die beschriebenen Haftbedingungen sind in Vietnam keine Ausnahme. Amnesty
       International nennt sie extrem hart. Die Rede ist von unzureichender
       Ernährung, unreinen Lebensmitteln, mangelndem Zugang zu Trinkwasser,
       schlechten sanitären Bedingungen, Zwangsarbeit und medizinischer Versorgung
       nach Willkür. Für die Versorgung mit Kleidung und Medikamenten sind
       Angehörige zuständig, die aber oft gar keinen Zugang zu Gefangenen
       erhalten. Folter und Gewalt durch Mitgefangene seien keine Ausnahme.
       
       ## Juristische Aufklärung über Umweltrechte unerwünscht
       
       Als Jurist und Leiter des „Law and Policy of Sustainable Development
       Research Center“ (LPSD) prangerte Bách Umweltverstöße der Regierung und
       großer Unternehmen öffentlich an und machte krebserregende
       Umweltverschmutzung und illegale Pestizidentsorgung öffentlich. LPSD klärte
       Bürger über ihre Rechte bei Umweltproblemen auf und half juristisch gegen
       Landnahmen. Finanziert wurde seine Arbeit von der UNO, der EU und
       internationalen NGOs. Da Steuergesetze für vietnamesische NGOs absichtlich
       vage formuliert sind, riskieren deren Mitarbeiter stets, unter dem Vorwand
       der Steuerhinterziehung festgenommen zu werden.
       
       [1][Bách zählt zu sechs prominenten Umweltaktivisten und -forschern, denen
       es seit 2021 so erging.] Er war der letzte, der noch in Haft war. Die
       anderen zogen sich nach Verbüßung ihrer Haft alle aus der Öffentlichkeit
       zurück. Hanoi hat so die Umwelt- und Klimabewegung im Land zum Schweigen zu
       bringen.
       
       Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und jetzige Kultusminister von
       Baden-Württemberg, Andreas Jung, hatte 2024 eine parlamentarische
       Patenschaft für Bách übernommen und sich für dessen Freilassung eingesetzt.
       „Für mich steht der Vorwurf im Raum, dass aus politischen Gründen gegen
       Bách vorgegangen wird mit dem Ziel, kritische Stimmen aus der
       Zivilgesellschaft zum Schweigen zu bringen“, hatte Jung damals der taz
       gesagt.
       
       Aus dem Auswärtigen Amt heißt es, die Bundesregierung habe sich auf
       unterschiedlichen Ebenen für die Freilassung von politischen Gefangenen in
       Vietnam eingesetzt, so auch für die Freilassung von Bách. Das Amt schätze
       dessen Engagement im Bereich Klimaschutz und Energiepolitik, „auch vor dem
       Hintergrund der Joint Energy Transition Partnership zwischen den G7 und
       Vietnam“. Das JETP-Abkommen sieht eigentlich die Beteiligung
       zivilgesellschaftlicher Organisationen vor, was aber von Hanoi torpediert
       wird.
       
       25 Jun 2026
       
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