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       # taz.de -- Spanischer Fußball und Kulturkampf: Der Fußball, die Religion und der Hass
       
       > Lamine Yamal ist Spaniens bester Fußballer. Weil er aber auch Muslim ist,
       > würden ihn Rechtsextreme und -populisten am liebsten ausweisen.
       
   IMG Bild: Ist das noch spanisch? Lamine Yamals Geste nach seinem Treffer zum 1:0 gegen Saudi-Arabien
       
       Spaniens Ultrarechte hat den Fußball für ihren Kulturkampf entdeckt.
       Spaniens teuerster und bester Spieler, Lamine Yamal, ist ihr ein Dorn im
       Auge. „Ein Tor kann nicht über einer Nation stehen“, heißt es auf einem
       Post den die VOX-Jugend Revuelta kurz nach dem Spiel gegen Saudi-Arabien
       vergangenen Sonntag veröffentlichte.
       
       Dort hatte der 18-jährige Stürmer des FC Barcelona, der Sohn eines
       marokkanischen Vaters und einer Mutter aus Äquatorialguinea ist, Geschichte
       geschrieben. Er schoss das 1:0 und wurde damit nach Pelé der zweite Spieler
       der mit nur 18 oder weniger Jahren sein erstes WM-Tor erzielte. Und mehr
       noch: Nach dem dürftigen Auftritt gegen Kap Verde, bei dem die Spanier mit
       einem torlosen Unentschieden vom Platz gingen, gab der Treffer Yamals dem
       amtierenden Europameister das Selbstvertrauen zurück.
       
       Alles prima. Nein, eben nicht. Denn Yamal feierte das Tor mit einer der im
       Islam üblichen knienden Verbeugung vor Gott. Eine Geste, die so mancher
       christliche Spieler in Form einer Bekreuzigung auch im Repertoire hat. Doch
       im Fall Yamal stört dies. „Spanien ist christlich und nicht muslimisch“,
       hieß es prompt in so manchem Post in den Netzwerken.
       
       Eine Vereinigung christlicher Universitätsstudenten ging noch einen Schritt
       weiter: „Beten wir für die Konversion Yamals zum Christentum“, twitterte
       sie. Andere veröffentlichten Fotomontagen, in denen sich Yamal vor einem
       Schweineschinken oder einen christlichen Altar verbeugt.
       
       ## Yamal stört die Rechtsextreme
       
       Bereits vor der WM tauchten mit künstlicher Intelligenz erzeugte Videos in
       den Netzwerken auf. Dort verkündete der Nachrichtensprecher des staatlichen
       Senders TVE, dass Yamal nicht in die USA einreisen dürfe, da er von
       Washington des „radikalen Islamismus“ beschuldigt würde.
       
       In Zeiten, in denen sich die rechtsextreme VOX die „prioridad nacional“ –
       frei übersetzt so viel wie „Spanier zuerst“ – auf die Fahne geschrieben hat
       und dies in den Regionen, in denen sie gemeinsam mit der konservativen
       Partido Popular regiert, gar [1][in den Koalitionsvertrag hat aufnehmen
       lassen], stören Yamal und der Fankult rund um ihn.
       
       Denn der 18-Jährige gehört für VOX zu den acht Millionen nicht von
       spanischen Eltern stammenden Menschen, die „remigriert“ werden müssen.
       Egal, ob sie einen spanischen Pass besitzen oder nicht. Während viele Fans
       darauf warten, dass der nach einer schweren Verletzung noch immer nicht 100
       Prozent einsetzbare Barcelona-Star wieder voll auf die Beine kommt, um
       Spanien zum Erfolg zu führen, wäre für die Rechte genau dies der Horror.
       
       ## Mehrfach im Visier
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass Yamal heftigen Angriffen ausgesetzt ist.
       Nach dem Freundschaftsspiel gegen Ägypten, Ende März 2026, [2][kritisierte
       der junge Fußballer die islamfeindlichen Gesänge], die im Stadion in
       Cornellà zu hören waren. „Wer nicht hüpft, ist ein Muslim“, skandierten
       unzählige Fans, die auch die ägyptische Nationalhymne ausbuhten.
       
       Yamal reagierte auf Instagram: „Ich bin Moslem, und sich im Stadion über
       eine Religion lustig zu machen, zeugt von Ignoranz und Rassismus.“ Doch
       damit nicht genug. „Lamine Allah Yamal“ – wie er von vielen in den
       Netzwerken seither genannt wird – zeigt, wo immer er kann, seine
       [3][Solidarität mit Palästina]. Bei der Meisterschaftsfeier des FC
       Barcelona führte er eine Palästinafahne mit. Spaniens Rechte steht stramm
       hinter Israel.
       
       Doch Yamal ist nicht nur Spanier, er ist auch Katalane. Er wuchs im
       einfachen Arbeiterviertel Rocafonda der Industriestadt Mataró, 30 Kilometer
       nordwestlich von Barcelona auf. Seine Geste, die er mit den beiden Händen
       nach jedem Tor zeigt, steht für 304, die Postleitzahl seines Viertels, das
       zu einem Großteil von Immigranten bewohnt wird.
       
       Als Immigrantensohn steht Yamal unter intensiver Beobachtung der
       „waschechten“ Katalanen, die für die Unabhängigkeit eintreten. Da genügt es
       nicht, dass er der Landessprache mächtig ist – auch wenn er sich auf
       Spanisch wohler fühlt. Ein „Viva España“ nach dem Sieg gegen Saudi-Arabien
       galt vielen als so etwas wie ein Landesverrat des FC-Barcelona Stürmers.
       
       Yamal nahm es sportlich und postete auf Instagram, wo ihm 44,5 Millionen
       folgen: „Hier bin ich. Auf geht’s Spanien. Danke an alle für die
       Unterstützung. Immer mit Gott.“ Er erhielt 9,5 Millionen „likes“.
       
       25 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Regionalwahlen-in-Andalusien/!6179588
   DIR [2] https://www.sportschau.de/fussball/fifa-wm-2026/yamal-verurteilt-antimuslimische-gesaenge-spanischer-fans,yamal-spanien-antimuslimische-gesaenge-100.html
   DIR [3] https://www.youtube.com/shorts/riK-b-0pWes?cbrd=1
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
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