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       # taz.de -- Verbindende Poesie: Ein Lied von Leid und Hoffnung
       
       > Den Fans der bosnischen Mannschaft sind Hassgesänge fremd. Sie feiern
       > deren Weiterkommen auf eine eigene, wehmütige Art.
       
   IMG Bild: Ein starkes Symbol für bosnische Sehnsüchte: Fan feiert den Einzug in die K.-o.-Runde mit der Lilienflagge
       
       Es war das entscheidende Spiel in der Gruppe B. Beide Teams brauchten einen
       Sieg, um weiterzukommen und damit schon den größten Erfolg ihrer Mannschaft
       und ihres Landes bei einer WM zu feiern. Den Kataris saßen ihre ernst
       dreinblickenden Offiziellen im Nacken, die so viele Petrodollars ausgegeben
       hatten, um mit dieser Mannschaft endlich Erfolg zu haben. Aber auch die
       [1][Bosnier wollen ihre zweite WM nicht gleich wieder beenden].
       
       Irritierend für Nichteingeweihte: Die Fans auf bosnischer Seite schwenkten
       statt der blau-gelben Flaggen mit den stilisierten Umrissen des Landes
       weiße Lilienfahnen. Also nicht die unpopulären, die die Ausländer nach dem
       Krieg 1996 eingeführt haben und die bei den serbischen und kroatischen
       Nationalisten abgelehnt werden, die nicht als Bosnier identifiziert werden
       wollen. Sondern die zwar inoffiziellen, aber in Sarajevo als die wirklichen
       Fahnen gesehenen Liljani – die des bosnischen Königreiches aus dem 13.
       Jahrhundert.
       
       Bosnien begann druckvoll. Der 40-jährige Altinternationale Dzeko scheiterte
       zunächst, doch bereits in der 29. Minute fiel dann doch das erste Tor durch
       einen sehenswerten Schuss von Kerim Alajbegovic. Das geschockte Katar
       reagierte nur fünf Minuten später – mit einem Eigentor. 2:0 für Bosnien.
       Und als Czeko dann noch nur am Pfosten scheiterte, wäre den Besuchern des
       Cafés in der Altstadt von Sarajevo beinahe kollektiv das Herz stehen
       geblieben.
       
       Dann schlugen die Kataris zurück. Hassan al-Haydos traf in der 42. Minute
       zum Halbzeitstand. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel wilder. Pfosten
       für Katar. Die Bosnier wackelten. Trainer Barbarez holte Dzeko vom Feld und
       in der 80. Minute erlöste der junge Ermin Mahmic sein Team mit dem Tor zum
       3:1-Endstand. Bosnien sichert Platz 3. Katar ist ausgeschieden.
       
       ## Kein Halten in Sarajevo
       
       Große Freude in Sarajevo. Und die Hoffnung: Das leidgeprüfte und immer
       wieder bedrängte Bosnien und Herzegowina muss jetzt anerkannt werden.
       
       Als dann die bosnischen Fußballanhänger im Stadion im fernen Seattle das
       Lied „Liljani“ von Halid Beslic anstimmten, war es um die Kontenance der
       Cafébesucher in Sarajevo geschehen. Die Lilie ist nicht einfach eine Blume,
       sie bedeutet Schönheit und Verletzlichkeit, das poetische Lied von Leid und
       Hoffnung berührt emotional. So entsteht ein kultureller Zusammenhang, der
       allen bewusst ist. In bosnischen Stadien haben Hassgesänge, wie sie in
       anderen Ländern gang und gäbe sind, keinen Platz. Aber der Sinn für Poesie.
       
       26 Jun 2026
       
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   DIR Erich Rathfelder
       
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