# taz.de -- Kultur verteidigen: Gegen den Kulturkampf kämpfen
> Kulturabbau ist Teil von Demokratieabbau – das haben Rechte verstanden.
> Deshalb ist es Zeit, dass Linke dem was entgegensetzen.
IMG Bild: Protest gegen geplante Kürzungen im Berliner Kulturbereich durch den Senat an der Schaubühne in Berlin
Es ist unangenehm, das zuzugeben. Aber wir kommen wohl nicht drum rum:
Konservative und Rechte haben besser erkannt, wie wichtig Kultur für eine
offene, plurale Gesellschaft ist. Sonst würden sie sie nicht so vehement
bekämpfen, und dabei auf nur geringe Gegenwehr stoßen. [1][Für die neue
Rechte ist die Kultur ein wichtiges Kampffeld]. Einer der Schlüssel zum
Umbau der Gesellschaft.
Spätestens das Programm der AfD Sachsen-Anhalts sollte alle aufschrecken
lassen: Da wird eine patriotische Kulturpolitik gefordert und
Kulturförderung soll an nationale Identität geknüpft werden. Wenn der
Kulturkampf von rechts so massiv geführt wird, dann müssen die Künste wohl
eine große Gefahr darstellen. Und das ergibt durchaus Sinn:
Kulturveranstaltungen bringen Leute zusammen und helfen den Menschen einer
Region, sich miteinander auszutauschen und zu verbinden. Kultur hilft uns,
uns gegenseitig besser zu verstehen. Wer von Argwohn, Spaltung und Hass
profitiert, der kann Kunst nur hassen. Kunst weitet unseren Blick und weckt
Hoffnung und Lust. Das ist das Gegenteil von der Angst und Verzweiflung,
die es braucht, um Menschen kleinzuhalten.
Viele politische Diskurse – seien es erinnerungspolitische Themen mit Bezug
zu Nationalsozialismus und deutschem Kolonialismus, Gentrifizierung und
Stadtpolitik oder Flucht und Migration – haben durch Theater oder
Aktionskunst mehr Aufmerksamkeit bekommen. Trotz aller Ausschlüsse, die wir
immer noch auflösen müssen, haben besonders in Literatur, Theater und Film
postmigrantische, Schwarze und queere Geschichten und die Perspektiven von
behinderten Menschen mehr Sichtbarkeit gewonnen.
## Kürzungen sind dem Kulturkampf verschuldet
Doch aus aktivistischen Kreisen wird die künstlerische Auseinandersetzung
mit politischen Inhalten häufig kritisch beäugt. Man fragt eher, ob das
irgendeine Aneignung aktivistischer Arbeit durch die Kunst sei, als sich
mit den Möglichkeiten zu beschäftigen, die sich ergeben, wenn Themen von
der Straße über Künstler*innen und Kulturinstitutionen ins Feuilleton
und auch wieder auf die Straße zurückwandern.
Während viele debattieren, ob Kulturinstitutionen mit politischen Themen
Geld machen oder Künstler*innen sich mit Ästhetiken, die aus dem
Aktivismus kommen, nur profilieren wollen, erkennen Konservative und
Rechte, wie sehr ihre Politik durch freie Kunst, eine vielfältige
Kulturlandschaft und eine lebendige Kunstszene bedroht wird.
Kulturabbau ist Teil von Demokratieabbau. [2][Die aktuellen Kürzungen] sind
kulturkampfbedingt. Ist uns das klar? Wenn wir als Künstler*innen und
Kulturproduzent*innen wirklich verstanden hätten, welche Wirkung
unsere Arbeit hat, hätten wir sie nicht früher und lauter verteidigt? Vor
allem ginge es dann mehr Kolleg*innen darum, beispielsweise die Freie
Szene als Ganzes zu retten, statt nur die eigenen Schäfchen ins Trockene zu
bringen. Und die Stadt- und Staatstheater würden rebellische Stoffe auf den
Spielplan setzen und ihre Diversitätsprogramme ausweiten.
Aktivist*innen würden mehr Verbindung zu Kulturarbeiter*innen
suchen und linke Parteien hätten Kulturpolitik viel weiter oben auf ihrer
Agenda.
Selbst im Wahlkampf in der Kulturstadt Berlin hört man wenig darüber, wie
die Künste gesichert und gestärkt werden sollen. Und das müssen sie –
ideell und finanziell. Je mehr die Kultur angegriffen wird, desto stärker
müssen wir sie schützen.
26 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Simone Dede Ayivi
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