# taz.de -- taz🐾lage: Nach den Küken kieken
Seit ein paar Tagen sitzt eine brütende Taube vor der Glaswand im zweiten
Stock des taz-Hauses, da, wo die Berlin-Redaktion arbeitet, und sorgt für
Aufregung. Das hat eine Taube so schon mal vor ein paar Jahren so gemacht.
Die Taube schaut dich direkt an, wenn man ihr – durchs dicke Glas getrennt
– doch recht nahe kommt. Auf dem schmalen Balkon, ein stabiler Gitterrost,
der ums ganze Haus läuft, traut sich jetzt niemand mehr. Kolleg:innen
anderer Ressorts eilen herbei und machen Fotos. Jemand hat eine Untertasse
mit Wasser rausgestellt.
Der dem Vogel am nächsten sitzende Redakteur meint am Mittwoch, es sind
wohl drei bis vier Eier, die das Tier ausbrütet. Am Donnerstagnachmitag
aber machen Gerüchte die Runde, es gäbe schon ein paar Küken. Sehen kann
man sie aber nicht.
Vielleicht eine Verwechslung? Bei der kollektiven Taubenschau stellt sich
heraus, dass es im fünften Stock eine weitere Taube gibt, die schon fertig
hat und fünf Küken das Leben schenkte. Die Recherche ergab: nur zwei Küken.
Und beide tot. Am Montag war eine Krähe da und hat sie sich geholt,
erzählen die Kolleg:innen.
Leider, so weiß es Wikipedia, liegt die Jungensterblichkeit bei
Stadttauben bei bis zu 90 Prozent im ersten Lebensjahr. Und auch die
Taube, die vor Jahren vor den Fenstern der Berlin-Redaktion ihr Nest baute,
hatte Pech. Eine Krähe schnappte sich den Nachwuchs. Das war traurig (egal,
ob man Tauben mag oder hasst). Die durchschnittliche Lebenserwartung einer
Stadttaube beträgt nur zwei bis drei Jahre. Gönnen wir der Taube doch das
Glück des Brütens. (heg)
26 Jun 2026
## AUTOREN
DIR Andreas Hergeth
## ARTIKEL ZUM THEMA