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       # taz.de -- Nahost-Konflikt: Israel will im Südlibanon bleiben
       
       > Während Israel in Washington verhandelt, greift es im Süden des Libanons
       > trotz vermeintlicher Waffenruhe weiter an. Iran fordert Israels Rückzug
       > aus dem Gebiet.
       
   IMG Bild: Hanan Qubaisi begutachtet ihr durch israelische Luftangriffe zerstörtes Haus in Nabatiyeh im Südlibanon
       
       Am Mittwoch hat die israelische Armee zum zweiten Mal binnen weniger
       Stunden im von ihr völkerrechtswidrig besetzten Südlibanon einen Angriff
       gestartet. Nach eigenen Angaben griff sie im Gebiet des Gebirgskamms Ali
       al-Taher aus der Luft ein Fahrzeug an, in dem sie Mitglieder der Hisbollah
       vermutete. Erst am Dienstag hatten israelische Soldaten in der Gemeinde
       Nabatiäa al-Fauka nahe eines Bulldozers, der eine Straße räumte, auf eine
       Gruppe von Menschen geschossen und dabei zwei Menschen getötet.
       
       Auch hier behauptet das israelische Militär, seine Soldaten hätten auf vier
       Hisbollah-Mitglieder geschossen, die mit einem Bagger und einem Motorrad in
       eine von Israel erdachte Sicherheitszone im Südlibanon „eingedrungen
       seien“. Das seien die ersten Toten durch israelischen Beschuss seit drei
       Tagen gewesen, meldeten der libanesische Zivilschutz und die staatliche
       Nachrichtenagentur NNA.
       
       Israelische Soldaten sollen zudem am Ortsrand von Hadatha auf Einwohner
       geschossen haben, die – begleitet vom libanesischen Militär – auf dem Weg
       zu einer Beerdigung waren, meldet NNA. Auch am Boden gehen die Kämpfe
       weiter – vor allem rund um den strategisch wichtigen Bergrücken Ali
       al-Taher im Südlibanon. Das israelische Militär behauptet, es halte dort
       Hisbollah-Kämpfer in einem ihrer Tunnel gefangen. Die Hisbollah habe unter
       dem Berg eine ihrer größten Untergrundanlagen, sagten auch zwei hochrangige
       libanesische Vertreter der [1][New York Times].
       
       Die israelischen Angriffe und erneuten Gefechte könnten die Verhandlungen
       für ein Ende des Irankriegs gefährden. Ein vollständiger Waffenstillstand
       im Libanon ist Bestandteil des bisherigen Abkommens zwischen USA und Iran.
       Irans Führung droht, den Deal zu brechen, sollte Israel weiter im Libanon
       angreifen. Libanons Regierung möchte mit Israel ein eigenes Abkommen
       abschließen – ohne, dass sich Iran einmischt. Sie hatte Anfang 2026 im
       Dialog mit der Hisbollah eine erste Phase der Entwaffnung der schiitischen
       Miliz im Südlibanon bereits für abgeschlossen erklärt, doch Israel ging es
       nicht schnell genug. Trotz vereinbarter Waffenruhe griff Israel auch danach
       täglich im Libanon an. Mit dem Großangriff der USA und Israels auf Iran
       Ende Februar 2026, bei dem der iranische Religionsführer Ali Chamenei
       getötet wurde, stieg die Hisbollah wieder in den Krieg ein.
       
       ## Mehr als zehntausend zerstörte Orte
       
       Die Folgen für den Libanon sind dramatisch. Durch israelische Angriffe
       wurden dort seit dem 2. März 2026 fast 4.200 Menschen getötet, darunter
       [2][247 Kinder] sowie über [3][176 Rettungssanitäter] und medizinisches
       Personal. Mehr als 12.170 Menschen wurden verletzt, meldet das libanesische
       Gesundheitsministerium. Bei Angriffen der Hisbollah und Irans auf Israel
       wurden [4][67 Menschen getötet] und mehr als 9.150 verletzt. Am Mittwoch
       meldete die israelische Armee, im Süden des Libanon sei ein weiterer
       israelischer Soldat getötet worden. Die Zahl der seit Anfang März im
       Libanon getöteten Israelis stieg damit nach Armeeangaben auf 27, darunter
       26 Soldaten.
       
       Im Süden des Libanons ist die Armee inzwischen weit vorgerückt, sie hält
       dort über 55 Dörfer besetzt. [5][Anwohnende berichten], es werde auf sie
       geschossen, sollten sie versuchen, zurückzukehren. Vergangene Woche, wenige
       Tage vor der nächsten Verhandlungsrunde, kündigte Israels Militär noch
       weitergehende Pläne an: Es wolle bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere
       [6][alles zerstören, um eine Pufferzone zu schaffen]. Israels ultrarechte
       Regierung begründet die Besatzung des Südlibanons damit, dass die
       radikal-islamistische Miliz Hisbollah dort aktiv sei.
       
       Schon jetzt hinterlässt Israel im Südlibanon eine Spur der Zerstörung. Laut
       einem neuen Bericht der Vereinten Nationen hat Israels Armee seit Anfang
       März im Südlibanon mehr als 11.000 Gebäude vollständig zerstört. 2.200
       Gebäude sind teils beschädigt und 9.300 gering beschädigt, meldet das
       [7][UN-Entwicklungsprogramm]. Der Wiederaufbau koste 1,38 Milliarden
       US-Dollar.
       
       ## Die Gespräche gehen weiter
       
       Die Schäden sind tatsächlich jedoch noch viel größer, denn analysiert wurde
       nur der Zeitraum ab April. Bei Israels vorherigem Einmarsch und den
       Bombardierungen zwischen dem 8. Oktober 2023 und dem 20. Dezember 2024
       wurden bereits viele Häuser, Krankenhäuser, Schulen, Felder und Straßen
       plattgemacht. Über 10.000 zerstörte Orte dokumentierte [8][Amnesty
       International] bereits bis November 2024. Israel habe gezielt zivile
       Infrastruktur zerstört, so Amnesty, und forderte, die Angriffe müssten als
       mögliche Kriegsverbrechen untersucht werden. [9][Die Weltbank] schätzte
       schon damals die Wiederaufbaukosten auf elf Milliarden US-Dollar. Viele
       Grenzorte im Südlibanon liegen in Schutt und Asche.
       
       Trotz der Zwischenfälle im Südlibanon gingen die Gespräche in Washington am
       Mittwoch weiter. Eine Einigung wird aber schwer, denn die Hisbollah nimmt
       an den Gesprächen gar nicht erst teil. Libanons Premierminister Nawaf Salam
       hatte bereits im Mai aufgrund des Drucks der Hisbollah seine Teilnahme
       abgesagt. Libanons Verhandlerin, die Botschafterin Nada Moawed, ist mehr
       Ökonomin als Diplomatin. Israels Verhandler, der Botschafter Yechiel
       Leiter, ist ein ultrarechter Siedlungsaktivist. Das bietet wenig Raum für
       eine Annäherung.
       
       Die Positionen liegen weit auseinander: Israels Regierung möchte, dass die
       Hisbollah all ihre Waffen an den libanesischen Staat abgibt. Libanons
       Regierung möchte das im Prinzip auch. Anfang des Jahres hatte sie die
       Entwaffnung der Hisbollah im Südlibanon bereits für abgeschlossen erklärt.
       Doch die zweite Phase ihres Entwaffnungsplans stockte, weil die Hisbollah
       sich weigerte, Waffen im gesamten Land abzugeben.
       
       ## Hin und Her in Washington
       
       Die libanesische Regierung wiederum fordert den Abzug der israelischen
       Truppen und das Ende der israelischen Besatzung im Südlibanon. Israel
       wiederum möchte seine Soldaten nicht abziehen, wie es erst jetzt wieder
       bekräftigte. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am
       Mittwoch, das werde nicht passieren, solange er im Amt sei.
       [10][Verteidigungsminister Israel Katz] bekräftigte ebenfalls am Mittwoch,
       die israelischen Truppen würden sich nicht aus dem Libanon zurückziehen,
       „selbst wenn die USA dies fordern“. Die vertriebenen libanesischen
       Einwohner „werden nicht in ihre evakuierten Häuser zurückkehren“, drohte
       Katz.
       
       Vertretern beider Länder zufolge sprechen die Diplomat*innen in
       Washington über einen von den USA unterstützten Plan, wonach israelische
       Truppen einen Teil der von ihr besetzten Gebiete an die libanesische Armee
       übergeben sollen. Die libanesischen Soldaten würden von den USA ausgebildet
       und überprüft, so israelische Regierungsvertreter. Israel werde jedoch
       seine „militärische Präsenz“ aufrechterhalten.
       
       Am Donnerstag machten widersprüchliche Meldungen zu einem möglichen
       Teilrückzug israelischer Truppen aus dem besetzten Südlibanon die Runde.
       Zuerst erklärte ein Vertreter des ‌US-Außenministeriums, Israel habe als
       Geste des guten Willens gegenüber der libanesischen Regierung aus einem
       Teil der „Pufferzone“ seine Truppen abgezogen. Doch Israel ‌und der Libanon
       ‌wiesen diese Aussage zurück. Ein hochrangiger Vertreter des israelischen
       Verteidigungsministeriums sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Armee
       werde sich nicht zurückziehen. Auch ein ranghoher libanesischer
       Militärvertreter erklärte, die Entwicklungen vor Ort zeigten das Gegenteil
       eines Abzugs. Die Situation ist verfahren und die Verhandlungen kommen
       nicht wirklich voran.
       
       25 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.nytimes.com/2026/06/24/world/middleeast/israel-lebanon-hezbollah-fighters-tunnels.html
   DIR [2] https://news.un.org/en/story/2026/06/1167736
   DIR [3] /Israels-Krieg-im-Libanon/!616516
   DIR [4] https://en.wikipedia.org/wiki/Casualties_of_the_2026_Iran_war#cite_note-Israeli_military_personnel_1-11
   DIR [5] /Christen-in-Suedlibanon/!6176766
   DIR [6] /Waffenstillstand-im-Libanon/!6172171
   DIR [7] https://www.undp.org/lebanon/press-releases/rapid-damage-assessment-estimates-over-usd-138-billion-building-damage-across-south-lebanon
   DIR [8] https://www.amnesty.de/sites/default/files/2025-08/Amnesty-Bericht-Libanon-Israel-Angriffe-August-2025.pdf
   DIR [9] https://documents1.worldbank.org/curated/en/099030125012526525/pdf/P506380-f58e9761-b29e-4d62-97c3-ebf5a511c4e1.pdf
   DIR [10] https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/katz-vows-idf-wont-withdraw-from-south-lebanon-even-if-theres-an-american-demand/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Julia Neumann
       
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