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       # taz.de -- Pläne für den Neustart des ICC: Unlauteres Spiel über Bande
       
       > Mit Spannung wurden die Pläne des Senats für die Neunutzung des ICC
       > erwartet. Doch dann die Enttäuschung: Nicht einmal die Finanzierung
       > steht.
       
   IMG Bild: Franziska Giffey und das Modell. Wird es umgesetzt?
       
       Warum ein Fass ohne Boden stopfen, wenn man es auch verschenken kann? Dann
       stopfen andere das Loch, und auch nach anderen Regeln. Keine überforderten
       Ingenieure wie am BER, sondern Enthusiasten. Kulturleute. Alternative
       Projektentwickler. Dann hält das Fass wieder. Und mit ihm kommt so manches
       ins Rollen.
       
       Vielleicht war das ja die Ausgangsidee, als Franziska Giffey, damals noch
       Regierende Bürgermeisterin, im Januar 2023 die vielleicht letzte
       Rettungsinitiative für das zum Lost Place verkommene Internationale
       Congress Centrum ICC verkündet hatte. [1][Sie wolle ein „modernes Centre
       Pompidou für Berlin“, sagte Giffey].
       
       Nach Protesten, unter anderem aus der Kulturszene, war der Senat unter
       Druck geraten, einen Neustart am ICC zu wagen. Wenn schon Sanierung des
       2014 stillgelegten und arg maroden Kolosses, so die Idee, dann nicht durch
       die landeseigene Berliner Immobilien Management GmbH BIM. Sondern durch
       die, die einmal das neue ICC bespielen wollen: Akteure aus Kunst, Kultur,
       Tourismus, Gastronomie.
       
       Am Mittwoch wurde nun das Ergebnis eines Konzeptverfahrens vorgestellt, das
       im Grunde auch eine Art Interessenbekundungsverfahren war. Und das ist, um
       es gleich vorwegzunehmen, ambivalent.
       
       Positiv ist, dass neben klassischen Projektentwicklern wie der MIB AG
       Immobilien auch Entwickler am Start sind, die ein Gefühl haben für einen
       Ort und seine möglichen Nutzerinnen und Nutzer. In Leipzig hat die Coloured
       Fields GmbH mit der Sanierung der [2][Baumwollspinnerei] einen Ort mit
       Mehrwert geschaffen. Aber ist das auch am ICC möglich?
       
       ## Auch was für TU, Philharmonie und ZLB?
       
       Ganz so sicher sind sich die Projektentwickler, die am Mittwoch ihre Pläne
       vorstellen durften, auch nicht. Bevor das Grundstück in Erbpacht an sie
       vergeben wird, sollen weitere zwei Jahre ins Land gehen. Da hört man in
       Berlin schon wieder die Nachtigall trapsen.
       
       Und selbst wenn Franziska Giffey versichert, dass keine öffentlichen Mittel
       aus dem Landeshaushalt in die Sanierung des ICC fließen sollen, reichen die
       Bordmittel der Investoren und die zu erwartende Rendite offenbar nicht aus.
       Also will man sich um Fördermittel bemühen. Hätte man sich das nicht schon
       eher überlegen können?
       
       Das Loch, das im Fass ohne Boden namens ICC zu stopfen ist, ist nicht
       kleiner geworden in der Zwischenzeit. Von 200 Millionen Euro
       Sanierungskosten hat der Senat im Januar 2023 gesprochen. Nun ist von mehr
       als 400 Millionen die Rede.
       
       Kein Wunder, dass da auch allerlei Akteure ins Spiel gebracht werden, für
       die in einem sanierten ICC Platz wäre. Für die Philharmoniker etwa, deren
       Stammhaus ab 2032 saniert werden muss. 354 Millionen Euro sind für einen
       Alternativstandort eingeplant, [3][berichtet der Tagesspiegel].
       
       Und auch von der Zentral- und Landesbibliothek und der TU ist die Rede,
       deren marodes Hauptgebäude weiter geschlossen ist. Sollen also nicht die
       alternativen Projektentwickler das Loch stopfen, sondern Berliner
       Kultureinrichtungen? Es wäre eine Subvention durch die Hintertür, ein
       unlauteres Spiel über Bande. Von wegen kein Cent aus dem Haushalt.
       
       ## Jede Menge Fragezeichen
       
       All das sind schon genügend Fragezeichen, die an den Neustart gehängt sind.
       Das größte ist aber der Bau zweier Hotels, mit denen aus dem Lost Place ein
       Living Place werden soll. Um die Rentabilität der beiden Neubauten, die mit
       jeweils 150 bis 200 Millionen Euro veranschlagt werden, muss sich keiner
       Sorgen machen. Um die der Sanierung des ICC dagegen schon.
       
       Kein Wunder, dass die Berliner Grünen beklagen, dass der Senat die Zukunft
       des ICC einmal mehr vertagt habe. „Wünschen allein reicht nicht“, meint
       deshalb der grüne Stadtentwicklungsexperte Julian Schwarze. „Eine gute Idee
       muss auch realisierbar sein und auf einer soliden Finanzierung stehen.“
       
       Vielleicht kommt es aber noch schlimmer. Was ist, wenn die Subventionierung
       durch die Hintertür scheitert und das ICC ein Lost Place bleibt? Mit dem
       Unterschied nur, dass drum herum dann zwei Hotelhochhäuser stehen. Können
       sich die Investoren dann die Hände reiben, und Franziska Giffey muss den
       Nächsten suchen, der das Fass ohne Boden stopft?
       
       Oder abreißt?
       
       27 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Neues-Konzeptverfahren-fuer-das-ICC/!5906419
   DIR [2] https://www.spinnerei.de/
   DIR [3] https://www.tagesspiegel.de/berlin/zwei-hochhauser-furs-icc-berliner-philharmoniker-konnten-ins-kongresszentrum-ziehen-15750028.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Uwe Rada
       
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