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       # taz.de -- Wahlveranstaltungen in Schulen: Soll die AfD bei Diskussionen in Schulen mitdiskutieren?
       
       > Immer wieder gibt es Streit, weil Schulen die AfD zu Podiumsdebatten mit
       > PolitikerInnen einladen. Aula frei für Rechtspopulisten – eine gute Idee?
       
   IMG Bild: Kundgebung gegen einen Auftritt von Beatrix von Storch (AfD) am Coppi-Gymnasium in Karlshorst im Februar 2025
       
       Ja! Bitte, liebe Schulen, lasst auch AfD-Kandidaten bei Euren
       Podiumsdiskussionen vor der Abgeordnetenhauswahl zu! Natürlich hat man die
       Höcke-Partei nicht gern im Haus – aber gerade der Bildungsauftrag gebietet
       es. Weil solch ein Podium eine besondere Gelegenheit ist, für die
       demokratische Mitte zu werben. Wo sonst, wenn nicht direkt vor dem von der
       AfD intensiv beworbenen jungen Publikum, gibt es eine bessere Chance,
       Falschaussagen und Populismus der Partei zu kontern und zu entlarven? Die
       AfD wird SPD, CDU, Grünen und Linkspartei in einer solchen Runde quasi auf
       dem Silbertablett angereicht.
       
       Eine Ausladung oder Nichteinladung würde das Gegenteil provozieren: Die AfD
       würde sich, wie schon so oft, als Opfer vermeintlich unfähiger Altparteien
       inszenieren, die Angst vor ihr haben. Und genau diese Inszenierung würde
       die Schüler via Tiktok und andere unsoziale Netzwerke direkt erreichen –
       ohne die Möglichkeit, dass ein SPDler oder ein CDUler dem coram publico
       widersprechen könnte.
       
       Es bringt auch nichts zu behaupten, radikale AfD-Aussagen auf solchen
       Podien könnten die Schüler verstören. Selbst wenn dem so sein sollte:
       Isolierte AfD-Propaganda auf dem Handy – bei der kaum jemand der AfD einen
       großen Vorsprung abspricht – dürfte weit größeren Schaden anrichten.
       
       Völlig unverständlich ist außerdem, dass diejenigen, die – [1][wie in
       dieser Woche an einer Spandauer Oberschule] – die AfD nicht bei sich sehen
       wollen, ein Grundphänomen bei Kindern und Jugendlichen ignorieren: Was
       verboten ist, ist umso reizvoller. Durch eine Nichteinladung könnte die AfD
       sogar Stimmen sammeln, ohne ein einziges Video verbreiten zu müssen. Dass
       gilt besonders bei dieser Wahl am 20. September, bei der erstmals 16- und
       17-Jährige mitwählen dürfen.
       
       ## Man muss rhetorisch geschult sein
       
       Selbst politikfernste Schüler dürften bei einer AfD-Ausladung merken, dass
       da irgendwer auf dem Podium fehlt, von dem sie zumindest am Rande schon mal
       gehört haben. Denn die Berliner AfD ist ja nicht irgendeine randständige
       Sekte, sondern eine seit 2016 im Abgeordnetenhaus vertretene Partei, die in
       der jüngsten Wahlumfrage mit 18 Prozent auf Platz 2 kam. Und falls diese
       Schüler sich auch in irgendeiner Weise ausgegrenzt oder benachteiligt
       fühlen, liegt Sympathie mit den vermeintlichen Leidensgenossen nahe.
       
       Das mit dem Kontern und Entlarven auf dem Podium setzt natürlich eins
       voraus: Die Vertreter der anderen Parteien müssen es rhetorisch und
       inhaltlich draufhaben. Müssen die entscheidenden Zahlen kennen, von Berlins
       Wirtschaftsleistung über den Landeshaushalt bis hin zur Kriminalstatistik.
       Nur Haltung und „Die sind böse“ reicht zum Gegenhalten nicht aus,
       jedenfalls nicht außerhalb der Antifa-Gruppe der Schule.
       
       Mit echten Argumenten, sicher und nachvollziehbar vorgetragen, lässt sich
       hingegen vor hunderten Schülern AfD-Propaganda auseinandernehmen und so für
       die Politik der demokratischen Mitte werben. Das sollte durchaus können,
       wer ins Abgeordnetenhaus will und dort monatlich 8.161 Euro plus
       Kostenpauschale von rund 3.000 Euro verdient. Das Wort ist die schärfste
       Waffe eines Parlamentsmitglieds, und diese Waffe sollte auch außerhalb des
       Plenarsaals, wo immer möglich, gegen Extremisten und Populisten eingesetzt
       werden. Stefan Alberti
       
       Nein! „Echte Männer sind rechts. Und als echte Männer wollen wir echte
       Frauen haben! Feministinnen sind hässliche, grässliche Gestalten“, so der
       ehemalige AfD-Abgeordnete Maximilian Krah in seiner [2][Aschermittwochrede]
       2024. Krah geht mit seinen rechten Aussagen auf Tiktok viral und richtet
       seine Worte besonders an junge Leute. In einem [3][Video] aus 2025 ruft er
       dazu auf, kein Loser zu sein: „Das kannst du nur erreichen, wenn du nicht
       auf linke Lehrer hörst.“ Im selben Clip impliziert Krah, dass es weder den
       Klimawandel noch ein anderes Geschlecht außer männlich und weiblich gibt.
       
       Aussagen wie diese sind bei der AfD keine Seltenheit. Als [4][gesichert
       rechtsextremistische Partei] macht sie regelmäßig Stimmung gegen
       Migrant:innen, queere Menschen und auch gegen Frauen, die nicht in ihr
       Weltbild passen. Die AfD zu Podiumsdiskussionen an Schulen einzuladen, ist
       daher fahrlässig. Das [5][Neutralitätsgebot an Schulen] ruft
       Lehrer:innen zwar dazu auf, sich parteipolitisch neutral zu verhalten,
       aber auch für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten.
       Diese Aufforderung steht im Widerspruch dazu, der AfD eine Bühne für
       Schüler:innen zu bieten, denn die AfD selbst ist keine Partei, die mit
       der freiheitlich-demokratischen Grundordnung übereinstimmt.
       
       Das Format der Podiumsdiskussion soll Parteien ermöglichen, ihr
       Wahlprogramm vorzustellen, aber auch in den Austausch mit den
       Schüler:innen zu kommen. Die Parteien könnten hier auch aufeinander
       eingehen und eventuelle Falschaussagen widerlegen – aber dann müsste darauf
       Verlass sein, dass andere Parteien, wie die CDU, SPD oder die Grünen, ihre
       Bühne nicht nur für Wahlwerbung nutzen, sondern sich auch aktiv auf ein
       Streitgespräch mit der AfD einlassen und sich von dieser distanzieren.
       
       Immer wieder jedoch werden Stimmen laut, die eine Zusammenarbeit mit der
       AfD nicht komplett ausschließen wollen. [6][Der frühere Stuttgarter
       CDU-Landtagsabgeordnete Reinhard Löffler sagte dem SWR, es könne
       „Schnittstellen“ mit der AfD geben.] „Warum sollte man die nicht nutzen?“,
       fragte Löffler.
       
       ## Keine Diskussion, nur Werbung
       
       [7][Erst am Dienstag hatten sich Schüler:innen des Oberstufenzentrums
       TIEM in Spandau gegen die Teilnahme der AfD an einer Podiumsdiskussion
       gewehrt]. Die AfD durfte trotzdem auftreten. Zu einem richtigen Austausch
       kam es jedoch nicht, dafür fehlte die Zeit. Die Schüler:innen durften
       nur eine Frage stellen und beklagten anschließend, dass die Veranstaltung
       dadurch wie reine Wahlwerbung verlaufen sei. „Schulen können sachlich
       begründet Politiker:innen von schulischen Veranstaltungen
       ausschließen, zum Beispiel wenn konkrete Äußerungen oder Umstände den
       Bildungsauftrag gefährden“, sagt Felicia Kompio, Vorsitzende der GEW
       Berlin.
       
       Davon sollte Gebrauch gemacht werden. Denn eine Partei, wie die AfD, die
       keinen Hehl daraus macht, dass sie Migrant:innen, queere Menschen und
       Menschen mit Behinderung aus der Gesellschaft ausschließen will, gefährdet
       nicht nur den freiheitlich-demokratischen Bildungsauftrag, sondern greift
       explizit betroffene Schüler:innen mit ihren Aussagen an.
       
       Wenn Schulen die AfD von Podiumsdiskussionen ausladen, setzen sie ein
       klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und signalisieren: Mit
       Rechtsextremen reden wir nicht. Und das ist auch gut so. Ann Toma-Toader
       
       27 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Podiumsdiskussion-mit-der-AfD/!6189496
   DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=RUwSxGkxvlU&t=1641s
   DIR [3] https://www.tiktok.com/@maximilian_krah/video/7512765273208802582?lang=de-DE
   DIR [4] /AfD-gesichert-rechtsextrem/!6085522
   DIR [5] /Lehrerin-ueber-Rassismus-an-Schulen/!6132954
   DIR [6] https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-afd-vorschlaege-aus-prinzip-ignoriert-cdu-politiker-sieht-totale-ablehnung-als-grund-fuer-afd-erfolg-100.html
   DIR [7] /Podiumsdiskussion-mit-der-AfD/!6189496
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stefan Alberti
   DIR Ann Toma-Toader
       
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