# taz.de -- NSU-Aufklärung in Hamburg: Antifa hilft Bundesanwaltschaft auf die Sprünge
> Hamburger Bündnis gegen Rechts veröffentlicht Akten, die die
> Bundesanwaltschaft nicht herausrücken will. Dabei hängt davon die
> Aufklärung ab.
IMG Bild: Wird vom Generalbundesanwalt ausgebremst: Forscherteam zur Aufarbeitung des NSU-Mordes mit Bürgerschaftspräsidentin Veit (Mitte)
Seit Monaten blockiert der Generalbundesanwalt (GBA) die wissenschaftliche
Aufarbeitung der Ermordung Süleyman Taşköprüs durch den
Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Hamburg. Jetzt sorgt das
Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) dafür, dass die Aufklärung
vorankommt. Anlässlich des 25. Todestags will das Bündnis der Bürgerschaft
Kopien der verweigerten Akten übergeben.
Geplant ist die Übergabe am Dienstagabend gegen 17 Uhr mit einer Kundgebung
vor dem Hamburger Rathaus. „Wir werden einen Datenträger überreichen“,
kündigte Felix Krebs vom HBgR an. Darauf seien 196 Ermittlungsakten mit
Tausenden Seiten. Krebs zufolge hat Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit
(SPD) zugesagt, den Stick entgegenzunehmen. Dabei löste die Ankündigung bei
der Bürgerschaftskanzlei eher Fragen als Erleichterung aus: Wo kommen die
Akten her? Wäre deren Verwendung strafbar?
Die Akten umfassen die NSU-Ermittlungen des Landeskriminalamts (LKA) und
der Staatsanwaltschaft in Hamburg sowie Akten der bundesweiten
Ermittlergruppen. Sie reichen über den gesamten Zeitraum von der Ermordung
Taşköprüs am 27. Juni 2001 bis zur Selbstenttarnung des NSU am 4. November
2011.
An jenen Tag erschoss Uwe Mundlos zuerst Uwe Böhnhardt nach einem
gescheiterten Banküberfall in Eisenach und dann sich selbst. Beate Zschäpe
setzte zeitnah die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand und versandte
eine Bekenntnis-DVD mit Aufnahmen der Ermordeten. In den [1][Akten des
Bündnisses, die die taz einsehen konnte], finden sich erst nach der
Eigenenttarnung Hinweise auf das NSU-Kerntrio. Das LKA stellte fest, dass
die Täter Taşköprü nach dessen Ermordung aufnahmen.
## Strukturelle Ignoranz
Das von der taz gesichtete Material erhärtet zudem, was frühere
Informationen nahelegten: eine strukturelle Ignoranz der Behörden bei
Hinweisen und Aussagen zu einem möglichen rechtsextremen Tatmotiv. Gleich
nach der Tat hatte Taşköprüs Vater ausgesagt, große, schlanke Männer im
Alter von 25 und 30 Jahren nahe am Tatort gesehen zu haben. Es seien
„Deutsche“, keine „Türken“ gewesen, die er auf dem Weg zu dem Obst- und
Gemüseladen in der Schützenstraße gesehen habe.
[2][Der Generalbundesanwalt will dem von der Bürgerschaft beauftragten
Forschungsteam um Constantin Goschler die Akten] wegen „laufender
Ermittlungen“ nicht freigeben. Goschler, Professor für Zeitgeschichte an
der Ruhr-Universität Bochum und Leiter des Teams, räumte gegenüber dem NDR
ein: „Wenn wir die Akten nicht bekommen würden, dann wäre das für unsere
Forschung ein großes Problem.“
Die Wissenschaftler:innen und die Stadt Hamburg haben einen Antrag auf
gerichtliche Entscheidung beim Oberlandesgericht Karlsruhe eingereicht.
Ende offen, Terminierung ebenso.
Die wissenschaftlich-interdisziplinäre Aufarbeitung des NSU-Komplexes hatte
in der Bürgerschaft die rot-grüne Regierungskoalition durchgesetzt. In
allen anderen Bundesländern, in denen der NSU gemordet hatte, wurden
stattdessen parlamentarische Untersuchungsausschüsse eingesetzt.
Taşköprüs Familie betrachtet die wissenschaftliche Aufarbeitung eher als
„Trostpreis“, wie Okan Taşköprü, der Neffe des Ermordeten, sagt. Er selbst
war am Tag der Tat zwar noch ein Baby, weiß aber dennoch, wie belastend die
jahrelangen Ermittlungen gegen die Familie waren.
Die [3][Familie wollte auch kein offizielles Gedenken am Todestag].
Stattdessen verteilte der Neffe auf der Reeperbahn Essen an Bedürftige –
[4][unterstützt von der Mobilen Bullysuppenküche] und Freunden.
29 Jun 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Andreas Speit
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