# taz.de -- Pestizid unter Krebsverdacht: US-Supreme-Court urteilt für Bayer in Glyphosat-Streit
> Der Bayer-Konzern siegt im Streit über sein Pestizid Glyphosat vor dem
> obersten US-Gericht. Es ging nicht um Krebsrisiken, sondern um
> Zuständigkeiten.
IMG Bild: Der Supreme Court entzieht Tausenden Glyphosat-Klagen gegen Bayer die rechtliche Grundlage
Der Chemiekonzern Bayer hat im milliardenschweren Rechtsstreit über
mutmaßliche Krebsrisiken seines Pestizids [1][Glyphosat] einen wichtigen
Sieg vor dem Obersten US-Gerichtshof errungen. Der Supreme Court entschied
am Donnerstag mit 7 zu 2 Stimmen, dass die Zulassungsvorgaben der
US-Bundesbehörden Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten haben.
Klagen wegen angeblich unzureichender Krebs-Warnhinweise seien unzulässig,
da sie zusätzliche oder abweichende Anforderungen an die Etikettierung
stellten als von der US-Umweltschutzbehörde EPA verlangt. Damit entzogen
die überwiegend konservativen, zu einem Drittel von US-Präsident Donald
Trump ernannten Richter Tausenden ähnlichen Klagen die Grundlage.
Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Pestizidwirkstoff. Die
Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation
stufte ihn 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – mit der Chemikalie
gefütterte Säugetiere hatten Tumore entwickelt. Mehrere US-Gerichte
verurteilten Bayer zu hohen Schadenersatzzahlungen an KlägerInnen, die ihre
Krebserkrankung auf den Unkrautvernichter zurückführen. Der Konzern dagegen
beruft sich auf Zulassungsbehörden, die Glyphosat als sicher einstufen. Das
Gift tötet so gut wie alle Pflanzen und damit auch Nahrung für Vögel und
Insekten. Deshalb gilt es Umweltschützern als Gefahr für die Artenvielfalt.
In dem Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof ging es nicht um die Frage,
ob Glyphosat Krebs erregt oder nicht. Vielmehr befassten sich die Richter
mit der Frage, ob die Betroffenen sich auf das Verbraucherrecht von
Bundesstaaten berufen dürfen, obwohl die EPA den Stoff unter Trump als
[2][unbedenklich] eingestuft hat. Die beiden abweichenden Richter des
Supreme Courts hatten argumentiert, dass die bloße Zulassung durch die EPA
einen Hersteller nicht von der allgemeinen Pflicht entbinde, vor möglichen
Gefahren zu warnen.
## Bayer-Aktionäre jubeln
Das Urteil werde dazu beitragen, die Rechtsstreitigkeiten nach nahezu einem
Jahrzehnt signifikant einzudämmen, teilte der Leverkusener DAX-Konzern mit.
Es dürfte dazu führen, dass aktuelle Klagen abgewiesen und künftige
verhindert werden, sofern sie auf angeblich fehlenden Warnhinweisen
beruhen.
Bei den Anlegern an der Börse herrschte Erleichterung. Die Bayer-Aktie
schoss um 20 Prozent nach oben auf ein Vier-Monats-Hoch von 47,50 Euro.
Damit steuerte sie auf ihren größten Tagesgewinn seit rund 23 Jahren zu.
Konkret hob der Supreme Court eine Entscheidung aus dem Bundesstaat
Missouri auf. Dort hatte John Durnell im Jahr 2019 geklagt, weil er seine
Erkrankung an einem Non-Hodgkin-Lymphom auf die rund 20-jährige Nutzung
von Roundup zurückführte. Eine Geschworenen-Jury hatte ihm mehr als eine
Million US-Dollar Schadenersatz zugesprochen.
Der Leverkusener Konzern hatte den US-Glyphosat-Hersteller Monsanto 2018
für 63 Milliarden US-Dollar gekauft. Schon damals warnten zum Beispiel
Umweltschützer, dass die Fusion Bayer teuer zu stehen kommen könnte wegen
der Prozessrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat. Der Aktienkurs fiel seit
der Übernahme und den Urteilen gegen Bayer immer weiter. Bereits 2020
musste der Konzern rund 10 Milliarden US-Dollar zahlen, um einen Großteil
der bis dahin anhängigen Klagen beizulegen. Glyphosat verkauft er bis
heute, wenn auch nicht mehr an private Anwender in den USA. (mit rtr)
25 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Schwerpunkt-Glyphosat/!t5008469
DIR [2] https://www.epa.gov/sites/default/files/2019-04/documents/glyphosate-pid-signed.pdf
## AUTOREN
DIR Jost Maurin
## TAGS
DIR Schwerpunkt Glyphosat
DIR Schwerpunkt Bayer AG
DIR Schwerpunkt Pestizide
DIR Social-Auswahl
DIR Schwerpunkt Glyphosat
DIR Schwerpunkt Glyphosat
DIR Schwerpunkt Glyphosat
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Vergleich von Bayer mit US-Krebsopfern: Keine Absolution für Glyphosat
Trotz des Vergleichs bleiben Zweifel an der Sicherheit von Glyphosat.
Lebensmittel lassen sich auch ohne den Pestizidbestseller erzeugen.
DIR Pestizid unter Krebsverdacht: Glyphosat-Klägeranwälte knicken wegen Trump ein
Mehrere Kanzleien einigen sich mit Hersteller Bayer. Sie befürchten eine
Niederlage für an Krebs erkrankte Glyphosatnutzer vor dem Supreme Court.
DIR Pestizid unter Krebsverdacht: Umstrittene Glyphosat-Studie nach 25 Jahren zurückgezogen
Eine zentrale Studie zur Sicherheit des Pestizids ist wegen ethischer
Probleme zurückgezogen worden. EU-Behörden sagen, sie hätten sie nicht
zitiert.