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       # taz.de -- Landwirtschaft in Argentinien: Prozess wegen rechtswidrigen Einsatzes von Pestiziden
       
       > Ein Gericht spricht zwar 7 von 9 Angeklagten frei, verurteilt aber
       > städtische Angestellte wegen Pflichtverletzung. Diese Perspektive ist
       > neu.
       
   IMG Bild: Maispflanzen wachsen rasch, werden im konventionellen Anbau aber mit zahlreichen Pflanzenschutzmitteln behandelt
       
       Im Prozess um den Einsatz von Pestiziden in unmittelbarer Nähe eines
       Wohngebiets der Stadt Pergamino haben die Geschädigten einen Teilerfolg
       errungen. Sieben Angeklagte wurden vom Vorwurf des rechtswidrigen
       Pestizideinsatzes freigesprochen, zwei ehemalige Mitarbeiter der
       städtischen Umweltbehörde von Pergamino erhielten jeweils eine zweijährige
       Haftstrafe auf Bewährung. [1][Dies hat das Bundesstrafgericht Nr. 2 in
       Rosario am Donnerstag in seinem Urteil verkündet].
       
       Das Gericht begründete die Freisprüche damit, dass die Angeklagten nicht
       mit einem strafrechtlich relevanten Vorsatz gehandelt hätten. Den fünf
       Agrarproduzenten, einem Agraringenieur und einem Sprühtechniker wurde
       vorgeworfen, die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet zu
       haben, weil sie Pestizide versprüht hatten. Während die Staatsanwaltschaft
       Haftstrafen zwischen zwei und fünf Jahren beantragt hatte, forderten die
       Verteidiger Freisprüche.
       
       Im Fall der beiden zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilten
       städtischen Angestellten stellte das Gericht fest, dass die Beschuldigten
       „im völligen Gegensatz zu ihren Pflichten als Amtsträger“ handelten, da sie
       keine „wirksamen Kontrollen“ des Pestizideinsatzes durchgeführt hätten. Das
       Gericht bezeichnete sie als „das unterste Glied“ einer Verantwortungskette
       und ordnete an, die Ermittlungen gegen weitere Amtsträger der Stadt
       auszuweiten. Die drei Richter haben damit einen Präzedenzfall geschaffen,
       da erstmals öffentliche Bedienstete wegen solcher Vergehen schuldig
       gesprochen wurden.
       
       Ausdrücklich erkannte das Gericht an, dass der Einsatz von Pestiziden in
       unmittelbarer Nähe eines Wohngebiets stattgefunden hat. Ebenso, dass das
       Trinkwasser von Pergamino mit 19 verschiedenen Pestizidwirkstoffen belastet
       war und dass Sabrina Ortiz, eine der betroffenen Anwohner*innen und
       Nebenklägerin, sowie ihre Kinder Pestizide im Blut aufwiesen, und zwar in
       Konzentrationen, die bis zu 120-mal über den zulässigen Grenzwerten lagen.
       
       ## Zentrum der Saatgut-Produktion in Argentinien
       
       Die 115.000 Einwohner*innen zählende Stadt Pergamino liegt rund 220
       Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Buenos Aires in der Pampa húmeda, die
       zum Kernland der argentinischen Landwirtschaft gehört. „[2][Jedes Jahr
       werden über drei Millionen Liter Agrochemikalien auf den Feldern rund um
       die Stadt versprüht]“, sagte Sabrina Ortiz in einem Interview mit der taz
       vor zwei Jahren. Dort werden vor allem Soja, Mais und Weizen angebaut.
       
       Pergamino trägt den offiziellen Titel „Nationale Hauptstadt des Saatguts“.
       Zahlreiche Saatgutunternehmen und Forschungseinrichtungen sind hier
       angesiedelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bayer AG, vor allem seit
       der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018. [3][Für Monsanto war Pergamino
       seit den 1970er-Jahren ein wichtiger Standort.]
       
       Während des öffentlichen Verfahrens wurden rund 60 Personen gehört,
       darunter Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen, die mit
       ihren Untersuchungsergebnissen Pestizidrückstände im Wasser, im Boden und
       im menschlichen Körper nachwiesen. Gefunden wurden unter anderem Glyphosat
       und 2,4-D. In einigen Fällen wurden auf den Grundstücken der
       Anwohner*innen höhere Konzentrationen festgestellt als auf den
       Anbauflächen.
       
       Ortiz, die sich als Rechtsanwältin im Prozess selbst vertrat, zeigte sich
       über das Urteil enttäuscht. „Angesichts dieser Straflosigkeit dürfen wir
       nicht aufgeben. Viele der von uns erbrachten Beweise wurden nicht
       berücksichtigt. In unseren Körpern befindet sich Gift, und das ist
       wissenschaftlich bewiesen. Dies ist nur die erste Instanz“, so Ortiz. Nach
       Prüfung der Urteilsbegründung werde sie Berufung einlegen.
       
       26 Jun 2026
       
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