# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Krim ruft nach ukrainischen Angriffen Ausnahmezustand aus
> Die Behörden auf der russisch annektierten Halbinsel Krim rufen den
> Ausnahmezustand aus. Die EU will indes wehrfähigen Ukrainern die Flucht
> vor dem Krieg erschweren.
IMG Bild: Immer wieder kommt es zu Großbränden nach ukrainischen Luftangriffen auf Moskau, wie hier am 17. Mai 2026
## Ukraine und Russland tauschen hunderte Kriegsgefangene aus
dpa | Russland und die Ukraine haben hunderte Kriegsgefangene ausgetauscht.
„Heute haben wir 160 Soldaten zurückgeholt“, teilte der ukrainische
Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. Sie seien seit 2022 in
Gefangenschaft gewesen. Unter ihnen seien neben regulären Soldaten auch
Angehörige der Nationalgarde und der Grenztruppen.
Zuvor hatte die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf
Angaben des Verteidigungsministeriums die Rückkehr von 160 russischen
Kriegsgefangenen gemeldet. Die russischen Soldaten befinden sich demnach in
Belarus und werden nach medizinischer Versorgung nach Russland gebracht.
Vermittler waren demnach die Vereinigten Arabischen Emirate.
Moskau und Kyjiw [1][tauschten nach ukrainischen Angaben bereits 76 Mal
Kriegsgefangene aus]. Zuletzt kehrten Anfang Juni jeweils 185 Gefangene
zurück. Es ist das einzige Feld, in dem der Dialog zwischen den beiden
Konfliktparteien mehr als vier Jahre nach Beginn des von Kremlchef Wladimir
Putin befohlenen Kriegs funktioniert.
## Ausnahmezustand auf der Krim nach ukrainischen Angriffen
afp | Nach den jüngsten ukrainischen Angriffen haben die Behörden auf der
von Russland annektierten Halbinsel Krim den Ausnahmezustand ausgerufen.
„Es ist eine Entscheidung getroffen worden … Dekrete zu unterzeichnen, mit
denen der Ausnahmezustand auf regionaler Ebene in der Republik Krim und der
Stadt Sewastopol erklärt wird“, teilte der von Russland eingesetzte
Gouverneur Sergej Aksjonow am Freitag im Onlinedienst Telegram mit. Am
Vortag hatte er Stromausfälle auf der Krim infolge der ukrainischen
Angriffe gemeldet.
In der Nacht zum Freitag schoss die russische Luftabwehr nach Angaben des
russischen Verteidigungsministeriums 660 ukrainische Drohnen ab, die unter
anderem Ziele auf die Krim und in der Region Moskau ansteuerten. Am Sonntag
war auf der Krim infolge der ukrainischen Attacken der Verkauf von
Treibstoff eingestellt worden. Russland hatte die Halbinsel 2014
annektiert.
## Ukraine immer erfolgreicher bei Isolierung der Halbinsel Krim
afp | „An Schlaf ist nicht zu denken“, sagt Julia über die ukrainischen
Luftangriffe auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim. Die
23-Jährige lebt in der Krim-Hauptstadt Simferopol und macht seit Tagen kein
Auge mehr zu. „Jede Nacht gibt es Drohnen und Sirenen.“
In ihrem Verteidigungskrieg gegen die russische Armee tut die Ukraine
gerade alles, [2][um die Krim von Russland zu isolieren]. Sie attackiert
russische Nachschubwege, die Energie-Infrastruktur und Militärfahrzeuge und
hat damit nicht nur Moskaus Truppen in Bedrängnis gebracht, sondern auch
die Menschen auf der Schwarzmeer-Halbinsel – und das mitten in der
Urlaubssaison, in der normalerweise russische Touristen die Straßen und
Stände füllen.
Das zeigt sich zum Beispiel an den Stromabschaltungen, die der von Moskau
eingesetzte Gouverneur am Donnerstag aufgrund der beschädigten
Energie-Infrastruktur ankündigte. Außerdem wurde der Verkauf von
Kraftstoffen an Privatpersonen und für Fahrzeuge von Unternehmen
eingestellt.
Die Folgen bekommt auch Julia zu spüren. Die Taxipreise „sind in die Höhe
geschossen“, sagt sie. Einigen ihrer Freunde im Baugewerbe seien die
Aufträge ausgegangen.
Die ständigen Attacken machen auch Swetlana zu schaffen, die in Feodossija
im Osten der Halbinsel lebt. Sie habe gedacht, sterben zu müssen, erzählt
sie in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. „Wir hatten Angst,
nie wieder wach zu werden. Wir haben die ganze Nacht gebetet. Am Himmel sah
es aus wie bei ‚Star Wars‘.“
Für den Kreml und insbesondere Präsident Wladimir Putin sind die
ukrainischen Angriffe ein Problem. Zum einen unterhält das russische
Militär zahlreiche Stützpunkte auf der Krim. Und zum anderen hatte die
Annexion der Halbinsel für Putin auch immer symbolische Bedeutung.
Selbst seine Unterstützer sehen die Lage kritisch. Der Künstler Wadim
Zyganow, der den Einmarsch in der Ukraine immer lautstark verteidigt hat,
klagt über die Machtlosigkeit der russischen Armee gegen die ukrainischen
Drohnenangriffe. „Den Russen stehen harte Zeiten bevor“, warnt er.
Das spielt dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in die Hände,
der die Angriffe eine „sorgfältig kalkulierte Strategie“ genannt hat. Mit
ihr wolle die Ukraine Bedingungen schaffen, „[3][die Russland dazu zwingen,
sich für den Frieden zu entscheiden]“. Zuletzt waren die Gespräche unter
Vermittlung der USA ins Stocken geraten; ein von Selenskyj ins Spiel
gebrachtes Treffen mit Putin kam nicht zustande.
„Selenskyj tut alles, um zu zeigen, dass die territorialen Gewinne
Russlands brüchig sind“, erklärt Tatiana Kastoueva-Jean, Leiterin des
Zentrums für Russland und Eurasien am Französischen Institut für
Internationale Beziehungen (Ifri). Allerdings könne auch bald wieder eine
russische Angriffswelle folgen, „um den Willen der Ukraine zu brechen“.
Schließlich habe der Kreml keineswegs die Absicht, „nachzugeben“.
Stéphane Audrand vom Ifri-Institut fügt hinzu, dass die Ukraine den „Wert“
der Krim für die russische Armee zwar zunichtemachen könne, wenn diese von
dort aus keine Angriffe mehr ausführen kann. Es bleibe aber fraglich, ob
Kyjiw über „Kapazitäten für Bodenoffensiven verfügt, um diesen Vorteil zu
nutzen“.
## Russland meldet massive ukrainische Angriffe auf Moskau
afp | Die Ukraine hat nach russischen Angaben in der Nacht zum Freitag
massive Drohnenangriffe auf Moskau gestartet. Innerhalb von etwa einer
Stunde seien mindestens 28 auf Moskau zusteuernde Drohnen zerstört worden,
erklärte der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin.
„Spezialkräfte der Rettungsdienste sind an den Orten im Einsatz, an denen
Trümmerteile niedergegangen sind“, schrieb Sobjanin auf Telegram mit Blick
auf die nach seinen Angaben zerstörten Drohnen.
Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Monaten [4][Russland verstärkt
mit Langstreckendrohnen angegriffen]. Dabei wurde insbesondere
Energie-Infrastruktur wie Raffinerien, Öldepots und Häfen ins Visier
genommen. Kyjiw sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen
Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der
Ukraine zu reduzieren. In der vergangenen Woche hatte ein ukrainischer
Angriff einen Großbrand in einer Raffinerie im Südosten Moskaus verursacht.
## Russland will in der Nacht 660 ukrainische Drohnen abgeschossen haben
afp | Die russische Luftabwehr hat nach Angaben des russischen
Verteidigungsministeriums in der Nacht zum Freitag 660 ukrainische Drohnen
abgeschossen. Drohnen seien über mehr als einem Dutzend Regionen zerstört
worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Betroffen gewesen
seien unter anderem die Region Moskau und die annektierte Halbinsel Krim.
Die Zahl ist eine der höchsten seit Beginn des Konflikts.
Nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin wurden mindestens 47
auf die russische Hauptstadt zusteuernde Drohnen abgefangen. „Spezialkräfte
der Rettungsdienste sind an den Orten im Einsatz, an denen Trümmerteile
niedergegangen sind“, schrieb Sobjanin im Onlinedienst Telegram mit Blick
auf die nach seinen Angaben zerstörten Drohnen.
Ein „massiver“ Drohnenangriff traf nach Angaben des örtlichen Gouverneurs
Dmitri Miljaew auch die Region Tula. Diese liegt rund 180 Kilometer südlich
von Moskau.
Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Monaten Russland verstärkt mit
Drohnen mit großer Reichweite angegriffen. Dabei wurde insbesondere
[5][Energie-Infrastruktur wie Raffinerien, Öldepots und Häfen ins Visier
genommen]. In der vergangenen Woche hatte ein ukrainischer Angriff einen
Großbrand in einer Raffinerie im Südosten Moskaus verursacht.
## Justizministerin Hubig zu erstem Besuch in Kyjiw eingetroffen
dpa | Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ist erstmals seit ihrem
Amtsantritt zu Gesprächen mit ukrainischen Regierungsvertretern in das von
Russland angegriffene Land gereist. Die SPD-Politikerin traf am Morgen mit
dem Nachtzug in der Hauptstadt Kyjiw ein, um an einer Konferenz zum 30.
Jubiläum der ukrainischen Verfassung und anderen Terminen teilzunehmen. Die
1996 wenige Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion beschlossene
Verfassung sei „eine Wegmarke in Richtung Demokratie“ und Europa gewesen,
sagte Hubig.
Als sie auf die geplante Änderung der EU-Aufnahmeregeln für ukrainische
Flüchtlinge in Europa angesprochen wurde, zeigte die Ministerin Verständnis
für die Idee, [6][wehrpflichtige Männer davon künftig auszunehmen]. Sie
sagte, es sei wichtig, dass die Ukraine wehrfähig bleibe.
Ihr Ministerium hat die Förderung der Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine
vor dem Hintergrund des laufenden EU-Beitrittsverfahrens ausgeweitet –
durch Beratung, gemeinsame Fachkonferenzen und Studienreisen. Grundlage für
die Zusammenarbeit ist ein mit dem ukrainischen Justizministerium im
November 2022 vereinbartes Arbeitsprogramm, das jetzt fortgeschrieben
werden soll. Zu den Themen gehören Korruptionsbekämpfung und Unabhängigkeit
der Justiz.
Deutschland steht der Ukraine seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 bei der
Verteidigung gegen die Angriffe der russischen Armee zur Seite. Daran werde
sich auch künftig nichts ändern, versprach die Justizministerin.
Hubig war bereits nach den sogenannten Euromaidan-Protesten auf dem
gleichnamigen Platz in Kyjiw gewesen, bei denen sich Demonstranten für eine
Annäherung der Ukraine an die Europäische Union eingesetzt hatten. Damals
war die SPD-Politikerin Staatssekretärin im Bundesjustizministerium.
Die Ukraine hat aktuell eine kommissarische Justizministerin, Ljudmyla
Suhak. Ihr Amtsvorgänger, Herman Haluschtschenko, hatte im November infolge
von Korruptionsvorwürfen seinen Posten verloren. Der Skandal wurde auch in
anderen EU-Staaten aufmerksam verfolgt, die die Ukraine in ihrem Kampf
gegen den russischen Angriffskrieg mit Milliardenhilfen unterstützen.
## EU will wehrfähigen Ukrainern Flucht vor Krieg erschweren
dpa | Ukrainische Männer sollen sich einem Einsatz im Krieg gegen Russland
künftig schwerer entziehen können und nicht mehr so einfach Zuflucht in
Deutschland oder anderen EU-Staaten finden. 23- bis 60-Jährige, die von der
Ukraine keine Ausreiseerlaubnis bekommen, sollen nach einem Vorschlag der
Europäischen Kommission von den vereinfachten Aufnahmeregeln für
Flüchtlinge ausgenommen werden.
26 Jun 2026
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