# taz.de -- +++ Hitzewelle in Deutschland +++: Erstmals 41,3 Grad in Deutschland gemessen
> In der Mosel droht ein Fischsterben. Gefängnisinsassen dürfen öfter
> duschen. Der Tierschutzbund verlangt vorübergehenden Stopp von
> Tiertransporten.
IMG Bild: Bis Samstag, 27. Juni 2026, soll es in Deutschland noch heißer werden
## Höchste jemals registrierte Temperatur
afp/dpa | In Deutschland war es am Freitag so heiß wie noch nie in einem
Juni. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat nach vorläufigen Angaben mit 41,3
Grad die höchste Temperatur registriert, die bisher in Deutschland gemessen
wurde. Gemessen wurde der vorläufige Höchstwert um 17.00 Uhr in
Saarbrücken-Burbach im Saarland, wie der Wetterdienst auf Anfrage
mitteilte. Viele Städte sagten angesichts der Gluthitze Veranstaltungen ab,
in der Mosel droht ein Fischsterben.
Bisher waren 39,6 Grad, die 2019 in Bernburg in Sachsen-Anhalt gemessen
wurden, der Juni-Rekordwert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Übertroffen wurde dieser bisherige Rekordwert an zahlreichen Orten,
darunter etwa Bad Kreuznach mit 40,7 Grad oder Trier mit 40,1 Grad.
Insgesamt registrierten 147 Wetterstationen einen lokalen neuen
Juni-Rekordwert.
Die Hitze sollte sich am Samstag noch weiter steigern mit lokal bis zu 42
Grad. Lediglich im äußersten Norden Deutschlands sollte es etwas kühler
sein. Mit der anhaltenden Hitze steigt die gesundheitliche Belastung,
deshalb warnen Mediziner und Behörden. Besonders problematisch sind
vielerorts tropische Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad
sinken.
Am Samstag wurden zudem vom westlichen Mittelgebirgsraum über
Nordrhein-Westfalen bis nach Niedersachsen einzelne kräftige Gewitter, auch
Unwetter, erwartet, in der Nacht zu Sonntag dann im Nordwesten und Norden
einzelne Gewitter mit Unwetterpotenzial. Am Sonntag sollte bei anhaltender
Hitze die Unwetterneigung mit Starkregen, Hagel und Sturmböen allgemein
zunehmen.
An der Mosel droht derweil wegen der anhaltenden Hitzewelle ein
Fischsterben. Im Bereich Palzern an der Obermosel liege die
Sauerstoffkonzentration des Wassers bereits unter der für Fische kritischen
Marke, teilte das rheinland-pfälzische Umweltministerium mit.
Die Gewässertemperaturen an Rhein und Mosel überschritten demnach
mittlerweile die 27-Grad-Marke, die Saar wird diese Marke voraussichtlich
am Wochenende erreichen. Das Land löste die zweite Warnstufe eines
Handlungs- und Informationskonzepts bei hohen Wassertemperaturen aus. Das
vierstufige Warnsystem sieht insbesondere auch Einschränkungen für Firmen
vor, die Wasser in die Flüsse einleiten.
## Hitze im Gefängnis – öfter duschen und Wasserspender
dpa | Angesichts der anhaltenden Wärme passen auch die Berliner Gefängnisse
ihren Tagesablauf an. Freistunden können ausgedehnt und in die kühleren
Morgen- und Abendstunden verlegt werden, wie die Senatsverwaltung für
Justiz auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Inhaftierte
könnten zudem häufiger duschen. Wie das genau geregelt wird, entscheiden
aber jeweils die einzelnen Anstalten selbst.
Das gelte auch für andere organisatorische und technische Maßnahmen, um die
Hitzebelastung für Inhaftierte zu reduzieren, hieß es. Dazu zähle etwa,
dass die Hafträume aufgeschlossen würden, „zur gezielten Querlüftung“.
Zudem seien bestimmte Vorhänge möglich, um die Räume vor den Sonnenstrahlen
zu schützen. Über den Gefangeneneinkauf können sich die Häftlinge zudem
Ventilatoren kaufen.
Auch der Speiseplan wird häufig an die sommerlichen Bedingungen angepasst,
wie es hieß. Zudem gebe es Trinkwasserspender in den Anstalten für Insassen
und Beschäftigte in den Unterbringungs- und Verwaltungsbereichen. In den
Arbeits- und Werkbetrieben wird während der Sommermonate zusätzlich Tee
angeboten.
Um die Temperaturen in den Haftanstalten im Blick zu behalten, setzt die
Justiz auf ein Monitoring mit sogenannten Datenloggern, die Messwerte wie
Temperatur und Luftfeuchtigkeit automatisch speichern. Beschäftigte in den
Gefängnissen, die bei hohen Temperaturen im Freien arbeiten, erhalten laut
Justizverwaltung eine „Schutzausrüstung“, zu der beispielsweise
Schirmmützen mit Nackenschutz, Sonnenbrillen und Sonnenschutzprodukte
zählen.
In Berlin gibt es an 13 Standorten insgesamt 7 Haftanstalten und eine
Jugendarrestanstalt mit zusammen 4.175 Plätzen. Im vergangenen Jahr saßen
in der Hauptstadt nach Justizangaben knapp 8.670 Menschen hinter Gittern.
In den Gefängnissen arbeiten etwa 2.770 Menschen.
## Berliner Philharmoniker lockern Kleiderordnung
dpa | Angesichts der erwarteten Hitze wird die Kleiderordnung bei den
Berliner Philharmonikern gelockert. Das Spitzenorchester spielt am
Samstagabend sein berühmtes Saisonabschlusskonzert in der Waldbühne –
[1][in der Hauptstadt werden bis zu 41 Grad erwartet.] Die Bühne liege
abends glücklicherweise im Schatten, sagte eine Sprecherin des Orchesters.
„Die Herren treten ohne Jackett auf, dafür mit einem schwarzen Hemd als
Oberteil“, sagte die Sprecherin. Die Ärmel dürften auch hochgekrempelt
werden. Das Oberteil der Damen müsse nur bis zum Ellenbogen reichen und
nicht langärmelig sein. Backstage gebe es Getränke und Kühlpacks.
„Wir sind es gewohnt, draußen zu spielen“, sagte die Sprecherin. Die
Philharmoniker nutzen bei Konzerten im Freien in der Regel nicht ihre
besten Instrumente, sondern hätten auch sehr gute Zweitinstrumente. Mit
hohen Temperaturen hätten sie außerdem Erfahrung. So hätten sie etwa 2025
im japanischen Kawaguchiko im Freien gespielt, wo es auch sehr warum und
dazu noch sehr feucht gewesen sei, was für die Instrumente problematischer
sei.
## Glaskuppel des Bundestages bleibt am Wochenende zu
dpa | Wegen der extremen Hitze wird die Glaskuppel des Reichstagsgebäudes
und die Dachterrasse am Wochenende für Besucher gesperrt. Das teilte der
Deutsche Bundestag auf seiner Internetseite mit. Zuvor berichtete der
Tagesspiegel.
Aufgrund der Hitzebelastung können Terrasse und Kuppel am Samstag und
Sonntag ganztägig nicht besucht werden, wie es hieß. Bereits bestätigte
Besuche seien storniert worden. „Generell kann es aus Sicherheitsgründen
bei anhaltend hohen Temperaturen zu Sperrungen der Kuppel und in
Ausnahmefällen auch der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes kommen.“
## Bevölkerungsschutztag mit Dobrindt verschoben
dpa | Der für diesen Samstag geplante Bevölkerungsschutztag mit zentraler
Veranstaltung in Freiburg findet wegen der aktuellen Hitze nicht statt.
„Aufgrund der zu erwartenden Wetterlage am Samstag in Freiburg wird der
geplante Bevölkerungsschutztag 2026 auf dem Messegelände verschoben. Ein
neuer Termin, voraussichtlich im Herbst, wird noch bekanntgegeben“, teilte
eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums der Deutschen Presse-Agentur in
Berlin mit.
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel verwies auf die
steigenden Temperaturen. „Am Samstag erwarten wir den heißesten Tag, mit
einer extremen Wärmebelastung für die Menschen“, sagte der CDU-Politiker
der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er habe sich deshalb gemeinsam mit
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) für die Verschiebung
entschieden.
Beim Bevölkerungsschutztag soll bundesweit über Themen des Zivil- und
Katastrophenschutzes informiert werden, Organisationen und Einsatzkräfte
aus dem Bevölkerungsschutz zeigen ihre Arbeit. Im Südwesten werden für das
Wochenende [2][neue Hitzerekordwerte] erwartet. Laut der Vorhersage des
Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnten die Werte am Samstag auf 37 bis 41
Grad, in der Kurpfalz lokal auf 42 Grad steigen.
## Chefarzt erwartet mehr Patienten in der Notaufnahme
dpa | Mit einem erhöhten Patientenaufkommen angesichts der hochsommerlichen
Temperaturen rechnet der Chefarzt Innere Medizin – Kardiologie der Schön
Klinik Neustadt, Peter Radke. „Man geht davon aus und das sehen wir selber
auch, dass bei solchen Tagen 10 bis vielleicht 20 Prozent mehr Notfälle in
den zentralen Notaufnahmen in Schleswig-Holstein und überall in Deutschland
gesehen werden“, sagte Radke der Deutschen Presse-Agentur. Das seien
insbesondere Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen, Herzrhythmusstörungen
oder Menschen, die nicht genug getrunken hätten.
Der Kardiologe rät vor allem Menschen mit Herzerkrankungen, sich möglichst
wenig in der Hitze zu bewegen. Wer Beschwerden wie Schweißausbrüche,
zittrige Beine und ein Nachlassen der Kraft verspüre und auch Schwindel
oder Übelkeit, solle in den Schatten gehen und die Beine hochlagern, sagte
Radke. Neben viel Wasser würden auch feuchte Tücher helfen. Dann sei es
ratsam, sich die Situation 30 oder 60 Minuten anzuschauen. „Und wenn das
aber nicht besser wird, dann ist die zentrale Notaufnahme schon der
richtige Ort.“
Ein sogenannter Hitzekollaps lasse sich noch selbst oder mit Hilfe in den
Griff kriegen, sagte Radke. In anderen Fällen werde es aber schlechter, die
Körpertemperatur steige auf bis zu 40 Grad an. Die Haut werde trocken, die
Menschen fühlten sich ein etwas duselig. Das sei ein Hitzeschlag und damit
ein Notfall. „Die Temperaturregulation funktioniert einfach nicht mehr. Das
ist problematisch, und da braucht man tatsächlich dann den Rettungsdienst.“
Bei Ohnmacht bräuchten Menschen zudem einen Notarzt.
Bei erwarteten Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius suchen
derzeit viele Menschen eine Abkühlung in Nord- und Ostsee. Wer bei
Temperaturen von 35 Grad und mehr an den Strand will, dem rät der Chefarzt
jedoch vom Sprung ins kalte Wasser ab. „Diese Temperaturdifferenzen sind
problematisch. Deswegen muss man da langsam ins Wasser gehen“, sagte Radke.
Es kämen bereits die ersten Urlauber mit Hitzeerschöpfungen in die Klinik.
Ein erhöhtes Risiko hätten Menschen mit Harnwegsinfekt. „Bei einem
Harnwegsinfekt verliert man ja eh schon mehr Flüssigkeit. Und wenn man dann
sozusagen sich in der Hitze aufhält, dann können die
Kompensationsmechanismen von älteren Herrschaften manchmal nicht mehr
funktionieren. Und dann ist es tatsächlich so, dass die relativ schnell
dekompensieren, also nicht mehr so richtig bei sich sind und die brauchen
dann auch Flüssigkeit über die Vene zum Beispiel.“ Das sei ein typisches
Szenario in der Notaufnahme.
## Tierschutzbund verlangt vorübergehenden Stopp von Tiertransporten
afp | Mit Blick auf die Hitzewelle hat der Deutsche Tierschutzbund einen
befristeten Stopp von Tiertransporten gefordert. „Wir appellieren an die
Bundesregierung und die Bundesländer sowie an die Veterinärämter,
Transportunternehmen und Landwirte, bei dieser extremen Hitze
Tiertransporte auszusetzen“, sagte Präsident Thomas Schröder den Zeitungen
des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Zumindest sollten die Fahrten
auf den späten Abend oder frühen Morgen verlegt werden.
Schröder erklärte, der Körper eines erwachsenen Rindes müsse bei diesen
hohen Temperaturen gegensteuern – etwa durch Schwitzen. „Tiertransporte bei
Hitze werden deshalb schnell zur Qual für die Tiere und sind mit
erheblichen Tierschutzrisiken verbunden“, sagt er. Zugleich fehle es oft an
Wasser, an Platz und an Pausen.
Langfristig dringt der Tierschutzbund auf weitere Maßnahmen. „Wir fordern
von der Bundesregierung mindestens ein Verbot von Langstreckentransporten
in Staaten außerhalb der EU“, nannte Schröder als Beispiel. Insgesamt seien
Maßnahmen nötig, um Tiertransporte möglichst zu vermeiden. Dies könne durch
hofnahe Schlachtungen oder die Erhaltung kleinerer Betriebe erreicht
werden.
In Bayern hatte die Polizei am Mittwoch erst einen Tiertransport mit rund
600 Ferkeln auf der A8 gestoppt. Die Wassertränken der Tiere waren in der
Hitze schon leer, wie die Polizei mitteilte. Die Autobahnpolizei ermittelt
nun wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen den Fahrer und
dessen Auftraggeber.
## Wissenschaftler: „Hitzewelle hängt mit Klimawandel zusammen“
afp | Die Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach
Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. „Der
Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich“, heißt es in einer am
Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World
Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das
Wetterphänomen El Niño spiele hingegen „keine Rolle bei der Steigerung der
Hitze“. Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht
wären den Forschern zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren
„praktisch unmöglich“ gewesen.
Die Wissenschaftler verglichen die aktuelle Lage unter anderem mit der
ebenfalls außergewöhnlichen Hitzewelle von 1976. Eine vergleichbare
Hitzewelle wäre vor einem halben Jahrhundert im Juni tagsüber um 3,5 Grad
und nachts um 2,4 Grad weniger heiß gewesen, berechneten sie.
„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass sich in diesen 50 Jahren, in denen
sich der Planet um 1,1 Grad erwärmt hat, die Wahrscheinlichkeit einer
Hitzewelle wie dieser enorm verändert hat“, erklärte Studienautor Theodore
Keeping vom Imperial College London. „Dieses Ereignis wäre im Juni ohne
Klimawandel nicht möglich gewesen“, sagte er vor Journalisten.
Besonders gefährlich für Menschen sei die Kombination aus hohen
Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.
Westeuropa ist seit mehr als einer Woche von einer extremen Hitzewelle
betroffen. Ursache ist eine große Warmluftmasse aus Afrika, die durch hohen
Luftdruck in der Höhe über Westeuropa gehalten wird. „Das Wettermuster
selbst ist nicht besonders ungewöhnlich, aber die Temperaturen sind es –
oder waren es zumindest vor dem vom Menschen verursachten Klimawandel“,
sagte die deutsche Forscherin und WWA-Mitbegründerin Friederike Otto vom
Imperial College London.
Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. Wissenschaftler
rechnen damit, dass Hitzewellen infolge des Klimawandels künftig häufiger
auch außerhalb des Hochsommers auftreten. Bereits im Mai hatte es in
Mittel- und Westeuropa eine frühe Hitzewelle gegeben.
26 Jun 2026
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Hitze gewappnet.