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       # taz.de -- Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig: Werben um private Investoren für den Wiederaufbau der Ukraine
       
       > 518 Milliarden Euro benötigt die Ukraine geschätzt für den Wiederaufbau.
       > EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigt Beginn der
       > Auszahlung des Milliarden-Darlehens an.
       
   IMG Bild: Ursula von der Leyen bei der Eröffnungssitzung der zweitägigen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (URC) 2026 in Danzig
       
       afp | Politische Unterstützung für Kyjiw und Werben um private Investoren
       für die Ukraine: Bei der Wiederaufbaukonferenz für das Land im polnischen
       Danzig hat die Bundesregierung am Donnerstag für internationale
       Investitionen in der Ukraine geworben. Öffentliche Finanzierung werde
       „niemals ausreichen, um ein Land wiederaufzubauen, das solch eine massive
       Zerstörung erlitten hat“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in
       Danzig. In ihrem Streit um die Weltkriegsvergangenheit schlugen die
       [1][Regierungschefs von Polen und der Ukraine unterdessen versöhnliche Töne
       an].
       
       „Wir wollen umfangreiche private Investitionen in strategischen Bereichen
       der ukrainischen Wirtschaft mobilisieren, in Infrastruktur, Energie,
       Industrie, Logistik“, sagte Merz in seiner Rede. Damit werde die Botschaft
       vermittelt: „Wir glauben an die Zukunft der Ukraine in der europäischen
       Familie.“
       
       Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) erklärte: „Unsere
       Botschaft ist klar – die Partnerinnen und Partner der Ukraine stehen fest
       an der Seite der Ukraine, politisch und mit konkreten Investitionen in den
       Wiederaufbau.“
       
       Merz betonte zugleich, für Investitionen sei Vertrauen notwendig, das
       wiederum auf starken Institutionen beruhe. Deshalb seien der anhaltende
       Kampf gegen Korruption und die Stärkung der Rechtssicherheit wichtig.
       
       ## 518 Milliarden Euro für den Wiederaufbau nötig
       
       Die Ukraine benötigt für ihren Wiederaufbau laut Schätzungen von Weltbank,
       Vereinten Nationen und EU rund 588 Milliarden Dollar (518 Milliarden Euro).
       Angesichts fehlender Fortschritte in den US-geführten Gesprächen über ein
       Ende des von Russland begonnenen Krieges ist es schwierig, Investoren von
       einer Unterstützung für Kyjiw zu überzeugen. Die ukrainische
       Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko wollte nach eigenen Worten in Danzig
       „eine Reihe wichtiger Vereinbarungen mit internationalen Partnern
       unterzeichnen, vor allem zur Stärkung unseres Energiesektors“.
       
       Bundeskanzler Merz erinnerte an die [2][russischen Angriffe auf die
       ukrainische Infrastruktur im vergangenen, außerordentlich kalten Winter].
       „Wir müssen die Ukraine jetzt für den nächsten Winter vorbereiten“, mahnte
       er.
       
       Wiederaufbau, Investitionen und nachhaltige Entwicklung seien langfristig
       nur in einem sicheren Umfeld möglich, sagte Merz weiter. Deshalb bleibe die
       militärische Unterstützung für die Ukraine stark, etwa durch die Lieferung
       eines Luftabwehrsystems.
       
       Merz verwies dabei auch auf Innovationen durch die Zusammenarbeit deutscher
       und ukrainischer Rüstungsunternehmen. Als Europäer „stehen wir Seite an
       Seite mit der Ukraine“, um die Freiheit auf dem Kontinent zu verteidigen,
       versicherte Merz.
       
       ## Von der Leyen kündigt Auszahlungsbeginn des Darlehens an
       
       Die Wiederaufbaukonferenz im Danzig markiere einen Moment der Hoffnung,
       sagte Merz. Die Ukraine sei in einer neuen Position der Stärke und es
       „beginne die Dämmerung über Moskau“. Er betonte: „Russland wird diesen
       Krieg nicht gewinnen.“ Es sei „die Zeit gekommen, in Verhandlungen
       einzutreten, den Frontverlauf einzufrieren und das Töten zu beenden“.
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in Danzig den
       Beginn der Auszahlung des Milliarden-Darlehens an die Ukraine an. „Heute
       zahlen wir die erste Tranche aus diesem Kredit aus, (…) es handelt sich
       dabei um exakt 3,2 Milliarden Euro“, sagte von der Leyen. In den kommenden
       Tagen werde die EU mit der Auszahlung von weiteren sechs Milliarden Euro
       für die Drohnenproduktion beginnen. Das Darlehen in Höhe von insgesamt 90
       Milliarden Euro soll Kiew dabei helfen, das ukrainische Militär zu stärken
       und Löcher im Haushalt zu stopfen.
       
       Die zweitägige Konferenz in Danzig findet [3][ohne den ukrainischen
       Präsidenten Wolodymyr Selenskyj] statt. Dieser hatte mit der Benennung
       einer ukrainischen Armeeeinheit nach der berüchtigten Ukrainischen
       Aufständischen Armee (UPA) in Polen für Empörung gesorgt. [4][Polens
       Präsident Karol Nawrocki entzog seinem ukrainischen Kollegen deshalb die
       höchste polnische Auszeichnung], den Weißer-Adler-Orden. Die UPA hatte
       zwischen 1943 und 1945 in der Region Wolhynien Massaker an Zehntausenden
       Polen und Juden verübt. Historiker sprechen von bis zu 100.000 Getöteten.
       
       ## Donald Tusk ruft zu „gegenseitigem Respekt“ auf
       
       Polens Ministerpräsident Donald Tusk rief angesichts des Streits um die
       Weltkriegsvergangenheit seine Landsleute und die Ukrainer zu „gegenseitigem
       Respekt“ auf. „Wir können die Zukunft nur auf der Wahrheit, dem
       gegenseitigen Respekt und dem Verständnis der Geschichte aufbauen“, sagte
       Tusk.
       
       Swyrydenko dankte den Polen für ihre massive Unterstützung und die
       Bereitschaft, für die Ukraine „eine gemeinsame Zukunft“ in der Europäischen
       Union zu schaffen. Sie war wegen des diplomatischen Streits zwischen Kyjiw
       und Warschau anstelle von Selenskyj nach Danzig gereist.
       
       Das Gebiet um das Danziger Konferenzzentrum wurde von zahlreichen
       Polizisten abgeriegelt, wie AFP-Journalisten berichteten. Eine
       ultranationalistische Partei hatte zu einer Demonstration gegen die Ukraine
       aufgerufen.
       
       Im fünften Jahr des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine rief Tusk
       die Verbündeten Kyjiws auf, daran zu „glauben“, „dass die Worte ‚nach dem
       Krieg‘ eines Tages wahr werden“. Die Ukraine werde „aus den Trümmern
       auferstehen“ wie seine im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Heimatstadt
       Danzig.
       
       Die Ukraine-Wiederaufbaukonferenz war in den Vorjahren in [5][Rom],
       [6][Berlin] und Lugano ausgerichtet worden. Polen gehört zu den wichtigsten
       Unterstützern der Ukraine in deren Verteidigungskrieg gegen Russland.
       
       26 Jun 2026
       
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