# taz.de -- Israelischer Verhandlungsführer Leiter: Vom Extremisten zum Diplomaten
> Israels US-Botschafter Yechiel Leiter gehörte einer jüdischen
> Organisation an, die in den USA als Terrorgruppe galt. Nun verhandelt er
> über Waffenruhe mit dem Libanon.
IMG Bild: Israels Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, ist israelischer Verhandlungsführer über eine Waffenruhe mit dem Libanon
Sehr aussichtsreich war die Aufgabe des israelischen US-Botschafters,
Yechiel Leiter, von Beginn an nicht: Seit Mitte April soll er in Gesprächen
mit der libanesischen Regierung unter der Obhut Washingtons einen
Waffenstillstand vermitteln. Die eigentliche Kriegspartei, die proiranische
Hisbollah, sitzt jedoch nicht mit am Tisch.
[1][Fast täglich bombardiert Israel trotz mehrerer erklärter Waffenruhen
Ziele im Libanon] und hat mehr als eine Million Menschen vertrieben.
Soldaten und vom Militär beauftragte Privatunternehmen reißen ganze
Ortschaften im israelisch kontrollierten Gebiet nieder. Woche für Woche
werden israelische Soldaten im Libanon durch Angriffe der Hisbollah
getötet.
[2][Seit US-Präsident Donald Trump jüngst die Waffenruhe im Libanon an eine
Absichtserklärung über ein Ende des Irankriegs gekoppelt hat] – ohne die
libanesische oder israelische Führung einzubeziehen –, ist in beiden
Ländern die Hoffnung auf einen Durchbruch noch weiter zurückgegangen.
Israels Führung sträubt sich gegen jeden Rückzug aus dem besetzten Südteil
des Landes. Die libanesische Regierung besteht darauf.
## Radikaler Siedler und rechtsextremer Politiker
Ob der Botschafter selbst das Zeug dazu hat, einen Kompromiss zu finden,
darf zudem bezweifelt werden. Der rechtsextreme Siedler und Sohn
US-amerikanischer Eltern wurde 1959 in Scranton, Pennsylvania, geboren. Er
schloss sich laut der israelischen Zeitung Ha’aretz früh der Jewish Defense
League des Rechtsextremen und später wegen Terrorismus verurteilten Meir
Kahane an. Nach Angaben des FBI war die Gruppe an der Planung und
Ausführung terroristischer Anschläge in den USA beteiligt.
Mit 18 ging er nach Israel und trat der Armee bei. 1984 zog er in eine der
radikaleren israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland in Hebron.
Leiter war Mitglied der heute verbotenen Kach-Partei, die Kahane 1971 in
Israel gründete und die den Aufbau eines rein jüdischen Staates unter
Einsatz von Gewalt anstrebte.
Später stieg der promovierte Politikwissenschaftler und Vater von acht
Kindern in der israelischen Politik auf, unter anderem als Berater des
früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Mitte der 2000er-Jahre wurde er
Stabschef des heutigen Regierungschefs Benjamin Netanjahu, als dieser noch
Finanzminister war. 2008 kandidierte er erfolglos für dessen Likud-Partei
um einen Sitz im israelischen Parlament.
## Mehr Hardliner als Verhandlungsprofi
Auch im Laufe seiner politischen Karriere profilierte sich Leiter kaum als
Verhandler, sondern vertrat vor allem rechtsnationalistische
Maximalforderungen. Er engagierte sich Jahrzehnte für den Ausbau
israelischer Siedlungen und positionierte sich in einem Buch 1994
entschieden gegen die Oslo-Friedensverhandlungen. In einem Artikel 2020
forderte er eine israelische Annexion des besetzten Westjordanlandes.
Rund einen Monat nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023
wurde sein Sohn als Reservist bei einem Einsatz im Gazastreifen getötet.
Seit Januar 2025 vertritt er Israel als Botschafter in Washington. Als
Botschafter gab er sich optimistisch mit Blick auf eine diplomatische
Normalisierung mit Syrien und dem Libanon im Rahmen der Abraham-Abkommen.
## Gespräche in Washington wenig erfolgversprechend
Historisch sind die Gespräche in Washington trotz der trüben
Erfolgsaussichten, sind sie doch der erste offizielle Kontakt von
Botschaftern seit Jahrzehnten. Der Libanon erkennt Israel offiziell nicht
an, beide Länder befinden sich formal seit Israels Gründung im
Kriegszustand.
Rund zwei Monate nach dem Auftakt Mitte April hat jedoch auch der
israelische Verhandlungsführer Leiter seinen anfänglich zumindest
öffentlich gezeigten Optimismus abgelegt. Damals sprach der 66-Jährige noch
davon, dass man mit den Libanesen „auf derselben Seite“ gegen die
proiranische Schiitenmiliz stehe. Kurz vor Abschluss von Runde fünf am
Freitag sagte Leiter, die Verhandlungen stünden kurz davor, „zu
entgleisen“.
Derzeit scheinen sich Israel und Libanon vor allem in einem Punkt einig:
Der Iran soll kein Mitspracherecht bei den Verhandlungen haben. [3][Eben
das aber steht in der Absichtserklärung] zwischen Teheran und Washington.
Es scheint der Preis des iranischen Regimes zu sein, um der US-Regierung
einen Ausweg aus dem selbst initiierten Krieg gegen Iran zu gewähren. Weder
Leiter noch die israelische Regierung zeigen bisher Bereitschaft, das
anzuerkennen.
26 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Felix Wellisch
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