# taz.de -- Trotz Sieg vor höchstem US-Gericht: Viele Glyphosat-Klagen gegen Bayer laufen weiter
> Fehlende Warnhinweise des Chemiekonzerns sind zwar jetzt als Klagegrund
> ausgeschlossen – nicht aber andere Ansprüche wegen Krebs durch das
> Pestizid.
IMG Bild: Glyphosat-Gegner: „Der Krieg ist noch lange nicht vorbei“
Wer seine Krebserkrankung auf das Pestizid [1][Glyphosat] zurückführt, kann
in den USA auch künftig gegen den Hersteller Bayer/Monsanto klagen. [2][Das
Urteil des obersten US-Gerichtshofs vom Donnerstag] in der Sache schließe
nur fehlende Warnhinweise als Klagegrund aus, sagte George Kimbrell,
juristischer Direktor der US-Verbraucher- und Umweltorganisation Center for
Food Safety, dem Portal [3][The New Lede].
„Es werden viele Tausend, sogar Zehntausende Verfahren weitergeführt
werden, die sich auf andere bundesstaatliche Anspruchsgrundlagen wie etwa
Produktfehler stützen, die von der heutigen Entscheidung nicht betroffen
sind“, so Kimbrell.
Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Pestizidwirkstoff. Die
Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation
stufte ihn 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – unter anderem
hatten mit der Chemikalie gefütterte Säugetiere Tumore entwickelt.
Mehrere US-Gerichte verurteilten Bayer zu hohen Schadenersatzzahlungen an
KlägerInnen, die ihre Krebserkrankung auf den Unkrautvernichter
zurückführen. Der Konzern dagegen beruft sich auf Zulassungsbehörden, die
Glyphosat als sicher einstufen. Das Gift tötet so gut wie alle Pflanzen und
damit auch Nahrung für Vögel und Insekten. Deshalb gilt es
UmweltschützerInnen als Gefahr für die Artenvielfalt.
## Glyphosat-Gegner: „Der Krieg ist noch lange nicht vorbei“
In dem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Obersten Gerichtshofs ging
es nicht um die Frage, ob Glyphosat Krebs erregt oder nicht. Vielmehr
befanden die Richter, dass die Betroffenen sich nicht auf das
Verbraucherrecht von Bundesstaaten berufen dürfen, wenn die
US-Umweltbehörde EPA den Stoff unter US-Präsident Donald Trump als
[4][„wahrscheinlich nicht krebserregend“] eingestuft hat.
Monsanto habe diese Schlacht gewonnen, „aber der Krieg ist noch lange nicht
vorbei“, sagte Kimbrell. The-New-Lede-Chefredakteurin Carey Gillam, die
früher für die Nachrichtenagentur Reuters über Monsanto berichtet und dann
für pestizidkritische Recherche- und Umweltorganisationen gearbeitet hat,
ergänzte, die Entscheidung erschwere es, „diese Verfahren in bestimmten
Punkten weiterzuverfolgen“. Sie nehme den Klägern einen Anspruchsgrund, mit
dem sie vergleichsweise leicht hohe Schadenersatzsummen zugesprochen
bekamen. Andere Vorwürfe wie Fahrlässigkeit dagegen seien nicht betroffen.
## Konzern nennt keine konkreten Zahlen
Insgesamt sind in den USA laut Medienberichten rund 67.000 Verfahren gegen
Bayer/Monsanto in Sachen Glyphosat anhängig. Bayer erklärte auf Anfrage der
taz nicht, wie viele Klagen auch oder ausschließlich andere Gründe als
fehlende Warnhinweise geltend machen. Ein Sprecher schrieb nur: „Die
allermeisten Klagen beruhen auf angeblich fehlenden Warnhinweisen.“
Konkrete Zahlen zu Klagen gebe der Konzern nicht mehr an.
Der von Bayer angestrebte Sammelvergleich decke auch Klagen ab, die auf
anderen Begründungen beruhen. Zusammen würden das Urteil des Obersten
Gerichtshofs und der Vergleich „die Rechtsstreitigkeiten signifikant
eindämmen.“ Allerdings: Bisher ist offen, ob der Vergleich überhaupt
endgültig in Kraft treten kann.
Der Leverkusener Konzern hatte den US-Glyphosat-Hersteller Monsanto 2018
für 63 Milliarden US-Dollar gekauft. Schon damals warnten zum Beispiel
Umweltschützer, dass die Fusion Bayer teuer zu stehen kommen könnte wegen
der Prozessrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat.
Der Aktienkurs fiel seit der Übernahme und den Urteilen gegen Bayer immer
weiter. Bereits 2020 musste der Konzern rund 10 Milliarden US-Dollar
zahlen, um einen Großteil der bis dahin anhängigen Klagen beizulegen.
Glyphosat verkauft er bis heute, wenn auch nicht mehr an private Anwender
in den USA.
27 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Schwerpunkt-Glyphosat/!t5008469
DIR [2] /Pestizid-unter-Krebsverdacht/!6190887
DIR [3] https://thenewlede.substack.com/p/in-monsanto-case-the-war-is-far-from
DIR [4] https://www.epa.gov/ingredients-used-pesticide-products/glyphosate?utm_source=chatgpt.com
## AUTOREN
DIR Jost Maurin
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