# taz.de -- Antifa im TV: Selten mehr als ein Klischee
> Wenn Antifaschist*innen in Fernsehkrimis zu sehen sind, dann ist das
> Ergebnis oft cringe. Doch ein Film zeigt, dass es auch anders geht.
IMG Bild: Szenenbild aus dem Film: Rom, offene Stadt von 1945: Fast wahnsinnig vor Angst will die junge Witwe Pina – Anna Magnani – den SS-Soldaten entkommen
Eines kann man dem deutschen Fernsehkrimi der Gegenwart nicht vorwerfen: Er
versucht immer wieder, sich auf die Geschehnisse da draußen in der Welt
einzulassen.
Etwa mit rechtsextremistischen Gruppen oder Parteien – wie im
Köln-Klassiker „Odins Rache“ von 2004, für den der Autor bei
Aussteigerprogrammen recherchierte, oder „Dunkle Zeit“ mit Wotan Wilke
Möhrings raubeinigem Kommissar Thorsten Falke von 2017, in dessen Zentrum
eine „euroskeptische Professorenpartei“ steht, die sich zu einem rechten
Sammelbecken entwickelt hat. Kommt einem irgendwie bekannt vor.
Die Welt im Fernsehkrimi bleibt dabei aber meistens schön und geordnet: Ja,
es gibt sie, die Bösewichte, aber nach plus/minus neunzig Minuten ist das
Gleichgewicht der Welt zumindest weitestgehend wiederhergestellt. Natürlich
floss vermutlich ein bisschen unschuldiges Blut, aber der gute Herr
Wachtmeister kommt, klärt und räumt dann auch auf. Und zum Schluss können
wir alle wieder in Sicherheit und Ruhe leben.
Nur: Die Welt da draußen ist nicht so einfach wieder ins Lot zu bringen wie
im Fernsehkrimi. Das zeigt sich etwa darin, wie sehr es sich die
Programmverantwortlichen bei der ARD dann doch zu Herzen nehmen, wenn sich
reale rechtsextremistische Akteure über „Tatorte“ und „Polizeirufe“
echauffieren.
Etwa, weil sie sich in Narrativen über fiktionale rechtsextremistische und
korrupte Parteien überraschend wiedererkennen (huch!), oder weil mal für
Sekunden im Post-DDR-„Polizeiruf“ „Für Janina“ (2018) ein Antifasymbol und
Sticker mit der Aufschrift „FCK NZS“ und „FCK AFD“ zu sehen sind. Die
Konsequenzen? Neben den typischen „Staatsfunk“-Vorwürfen sorgte die
Stickeraffäre für Anfragen im sächsischen Landtag und natürlich dafür, dass
der [1][NDR einknickte und eine retuschierte Version des Films ins Netz
stellte].
## Sicherlich gut gemeint
Cringe. Aber mit Cringe kennt sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen ja
ganz gut aus. Zum Beispiel [2][immer wieder dann, wenn
Antifaschist*innen in Fernsehkrimis auftreten]. Wenn in besetzten
Häusern und linken Milieus recherchiert wird und dafür die ganze Palette
der Klischees von „ACAB“-Graffiti bis radikalisierte Flinta*-WG ausgepackt
wird, wie etwa in einem anderen Möhring-„Tatort“, „Schattenleben“ von 2022.
Aber wir wollen mal nicht zu streng sein mit Thorsten Falke, der dann doch
meist irgendwo das Gute in linken Aktivist*innen findet. Auch
international läuft es selten besser, denkt man an Filme wie das
wohlmeinende, aber konfuse „Battle in Seattle“ von 2007. Der Film handelt
von den Protesten gegen die Konferenz der Welthandelsorganisation 1999, die
für eine Renaissance der anarchistischen und linksautonomen Bewegung in den
USA gesorgt hatten. Gedreht wurde er von dem mittlerweile in der Versenkung
verschwundenen irischen Schauspieler Stuart Townsend.
Charlize Theron, Andrew 3000, Channing Tatum und Woody Harrelson schlüpften
in die Rollen verschiedener Protagonist*innen. Alles irgendwie sicherlich
gut gemeint, aber holzschnittartig ausgeführt. Antifaschist*innen als
ganze Menschen mit Tiefe begreifen? Daran scheinen Filmemacher*innen
immer wieder zu scheitern.
Aber es geht! Der Beweis lief bis vor Kurzem in der Mediathek von Arte:
Rossellinis „Rom, offene Stadt“ von 1945. [3][Eine neorealistische Elegie
über Widerstand] gegen den Faschismus, Solidarität, Liebe und Verrat. Dem
deutschen Publikum war der Film über italienische
Widerstandskämpfer*innen und folternde SS-Soldaten lange nicht
zugänglich – man befürchtete nichts Geringeres als „völkerverhetzende
Wirkungen“ und hatte Sorge um die europäische Völkerverständigung.
Oder vielleicht eher: die Gefühle des deutschen Publikums. Erst 2024
erschien eine ungekürzte und unzensierte Version des Films in Deutschland.
Man möchte ihn deutschen Fernsehkrimiautor*innen zur Pflichtschau
aufzwingen.
4 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Aida Baghernejad
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