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       # taz.de -- Was heute als salonfähig gilt: Die Suche nach der Schnittmenge
       
       > Was vor ein paar Jahren unsagbar schien, sei heute salonfähig, heißt es
       > oft. Aber stimmt das? Zu Besuch bei Friseur Bernd Rzepka im „SalonFähig“
       > in Amberg.
       
   IMG Bild: Früher schnitt ein ganzes Team im Salon Haare, heute ist Bernd Rzepka meist alleine
       
       Der Tag beginnt mit einem Schreck. Das Licht ist weg. „Manche Frisuren kann
       ich mit geschlossenen Augen schneiden“, sagt Bernd Rzepka. „Das wäre dann
       jetzt der Moment, es auszuprobieren.“ Er lacht. Man sollte den Dingen mit
       Humor begegnen, das ist Rzepkas Devise. Der Friseur wird dann aber doch
       schnell wieder ernst, wie er da so im Halbdunkeln hinter dem hölzernen
       Kassentisch steht, das volle Terminbuch aufgeschlagen. Die erste Kundin
       soll gleich um 9 Uhr kommen, die nächste um 9.30 Uhr. Und dann ist auch
       noch die Journalistin zu Besuch, um ihn bei der Arbeit zu begleiten.
       Ausgerechnet an so einem Tag funktionieren die Lampen nicht.
       
       Ein Dienstag im Juni. In Amberg, einer kleinen Stadt in der Oberpfalz
       östlich von Nürnberg, geht es am frühen Morgen noch beschaulicher zu als
       sonst. Wenige Menschen sind auf der Georgenstraße unterwegs, die quer durch
       die von einer mittelalterlichen Stadtmauer eingefasste Altstadt verläuft,
       vorbei an pittoresken Häuserfronten, über den Marktplatz und über das grüne
       Wasser der Vils. Kleidergeschäfte wie Wöhrl und Vero Moda haben noch
       geschlossen. In der Nähe der St. Georg-Kirche, schräg gegenüber von einem
       Barbershop, ist Bernd Rzepkas Salon. Ein verschnörkeltes schwarzes Schild
       hängt an der Fassade, darauf steht in hellen Lettern „SalonFähig“.
       
       Ein Wort, das in letzter Zeit häufiger verwendet wird, wenn es um die
       öffentliche Debatte geht. Was vor Kurzem noch unsagbar schien, sei wieder
       salonfähig geworden, heißt es. [1][„Rechtsaußen wird salonfähig“], warnt
       etwa der Deutschlandfunk. „Es ist wieder salonfähig, [2][gegen Minderheiten
       zu hetzen]“, steht in der taz. [3][„USA machen autoritäre Praktiken
       salonfähig“], sorgen sich die Reporter ohne Grenzen.
       
       Grund genug reinzuhören, worüber in einem Salon wirklich gesprochen wird.
       Was beschäftigt die Menschen dort? Und hat sich das, was im Salon sagbar
       und üblich erscheint, tatsächlich verändert in den vergangenen Jahren? Das
       ließe sich wohl an kaum einem Ort besser herausfinden als im SalonFähig.
       Wenn denn das Licht ginge.
       
       Um 8.55 Uhr läutet das silberne Glockenspiel über der Tür, eine Frau mit
       Koffer eilt herein, die Elektrikerin. Ihr Vater hat bei der Einrichtung des
       Salons die Leitungen verlegt, inzwischen hat die Tochter den Betrieb
       übernommen. Innerhalb von Minuten checkt sie die Sicherheitskästen. Als
       sich die erste Kundin, eine Frau in rosa T-Shirt und Jeans, gerade in den
       Frisierstuhl gesetzt hat, leuchten die Lampen auf. Es kann losgehen. Elf
       Frauen und Männer werden sich an diesem Tag von Bernd Rzepka die Haare
       schneiden lassen.
       
       Wobei er die Kurzhaarfrisur der ersten Kundin wohl auch im Dunkeln
       hingekriegt hätte, so oft war Frau R. bei ihm. Zurzeit ist sie Hausfrau,
       sie hat drei Kinder, eines ist erst anderthalb, erzählt sie. „Deshalb
       brauche ich auch eine Frisur, wo ich nur kurz waschen muss.“ Rzepka rasiert
       ihr die Seiten, das sieht fast punkig aus. Nachrichten schaue sie gar nicht
       mehr, erzählt Frau R., ihr Mann schon. „Der regt sich nur auf. Ich sag, er
       soll sich das nicht mehr anschauen.“ Vor allem über die Politik ärgere sich
       ihr Mann, in letzter Zeit noch mehr als sonst. Ob er die AfD gut findet?
       „Ich glaube schon.“
       
       Amberg hat seit einigen Monaten einen neuen [4][Oberbürgermeister], das war
       ein großes Thema im Friseursalon, auch Frau R. spricht gerne darüber. Ein
       Kandidat der Freien Wähler, ein Polizeibeamter ohne Politikerfahrung, holte
       bei den [5][Kommunalwahlen im März] 14 Prozent und kam in die Stichwahl.
       „Ich hab ihn gewählt, nur um der CSU eins auszuwischen“, sagt Rzepka,
       während er die oberen Haare schneidet. „Ich auch, obwohl ich dachte, er hat
       keine Chance“, stimmt Frau R. ein. Jahrzehntelang hat die CSU das
       Stadtoberhaupt gestellt, der letzte Christsoziale war über zehn Jahre im
       Amt. Der Friseur spricht nur vom „unsichtbaren Bürgermeister“, weil er so
       wenig von ihm mitgekriegt habe. [6][Der Polizist gewann die Stichwahl mit
       55 Prozent]. „A Watschn für die CSU“, nennt Rzepka das.
       
       43.000 Einwohner*innen hat Amberg. Junge Leute kommen in die Stadt, um an
       der Ostbayerischen Technischen Hochschule zu studieren. Der größte
       Arbeitgeber ist Siemens. Den Menschen geht es vergleichsweise gut, das
       Bruttoinlandsprodukt liegt über dem Bundesschnitt. Ab den Zehnerjahren gab
       es einen Zuzug von Migranten, der [7][Ausländeranteil] hat sich fast
       verdoppelt, ist aber immer noch geringer als bundesweit.
       
       Die Amberger*innen wählen mehrheitlich rechts. [8][Bei der Bundestagswahl
       2025] stimmten 40 Prozent für die CSU und 21 Prozent für die AfD. Trotzdem
       ist Amberg die [9][einzige kreisfreie Stadt in Bayern] ohne AfD im
       Stadtrat. „Die haben es nicht auf die Reihe gekriegt, vor der Kommunalwahl
       eine Liste aufzustellen“, sagt Rzepka schadenfroh. Ein großes Glück sei das
       gewesen. „Sonst hätten wir jetzt wahrscheinlich einen
       AfD-Oberbürgermeister. Dann stünden wir wieder stramm an der Straße.“ Er
       deutet eine Armhebung an. Nein, das wolle er nicht, und dazu stehe er auch.
       „Wenn geblökt und geschrien wird auf der rechten Seite, dann muss man
       Contra geben. Das hatten wir schließlich schon mal. Ich will mir nicht
       sagen lassen hinterher, ich hätte nicht den Mund aufgemacht.“
       
       Frau R. vor ihm im Frisierstuhl schweigt. Es ist kein feindliches
       Schweigen. Man kennt sich hier, man hält sich aus, auch wenn der Friseur
       eine andere Meinung vertritt als Frau R.s Mann und möglicherweise auch sie
       selbst. Rzepka föhnt noch ihre Haare. Dann zahlt Frau R., 30 Euro kostet
       der Schnitt.
       
       Beim Rausgehen eine letzte Frage: Kann sie etwas mit dem Wort „salonfähig“
       anfangen? Sie zeigt auf das Schild vor der Scheibe. „So heißt der Salon.“
       Ansonsten kenne sie es nicht.
       
       [10][Der Begriff „salonfähig“] geht auf die adlige Salonkultur zurück, die
       im 18. und 19. Jahrhundert von bürgerlichen Kreisen übernommen wurde. Das
       künstlerisch interessierte Bildungsbürgertum traf sich zu Lesungen,
       Konzerten und Diskussionen in privaten Salons, die häufig von Frauen
       organisiert wurden. Was hier üblich war, galt als „salonfähig“. Bei den
       Treffen mischten sich zwar Adel und Bürgertum, sie standen aber längst
       nicht allen Menschen offen. Das Elitäre, das Bildungsbürgerliche klingt bei
       dem Wort bis heute mit.
       
       Es sei denn, man nutzt es wie Bernd Rzepka für einen Friseursalon, wo jede
       und jeder kommen kann, und gibt ihm so eine demokratische Wendung. Wobei
       sein Laden alle halbe Jahr tatsächlich zu einer Art literarischen Salon
       wird. Dann tauschen Rzepka und seine Freundin die Shampoos in den Regalen
       gegen Weingläser. „Das sieht viel schöner aus, ich sollte es so lassen“,
       scherzt er. Seine Partnerin erzählt an diesen Abenden Märchen, er musiziert
       dazu. Bernd Rzepka führt noch ein zweites Leben, als [11][„Bernd von
       Ammenberg“]: An den Wochenenden tritt er als Musiker für mittelalterliche
       Musik auf, er spielt Drehleier, Dudelsack oder Gambe und singt. Er
       unterrichtet zudem mittelalterlichen Tanz. Nicht nur auf Märkten, auch im
       Salon: Ein Mal im Monat schiebt er die Stühle zur Seite und verwandelt den
       Laden in einen Tanzsalon.
       
       Jetzt kehrt er die Haare zusammen wie nach jedem Termin und geht dann
       zielstrebig nach hinten in den Nebenraum. Er hat einen Fahrradspiegel so
       montiert, dass er die Tür im Blick hat und gleichzeitig sitzen und rauchen
       kann. Früher habe er Filterzigaretten Kette geraucht, heute bevorzugt er
       E-Zigaretten. Vor einiger Zeit hatte er einen leichten Schlaganfall,
       seitdem achtet er etwas mehr auf sich.
       
       Bernd Rzepka hat ein paar Mal gezogen, da klingelt das Telefon, ein
       schwarzer Apparat mit Schnur auf dem Kassentisch. Er eilt nach vorne.
       „SalonFähig, Rzepka, grüß Gott“, sagt er. Beim „o“ von Salon geht er mit
       der Stimme nach unten, der Name wird „Tschepka“ gesprochen. Seine Eltern
       waren Flüchtlinge aus Oberschlesien, er selbst hat – bis auf einen
       Abstecher nach München – immer in Amberg gelebt. Es gebe nur noch Termine
       ab Donnerstag kommender Woche, sagt er in den Hörer, trägt die Person ins
       Buch ein und wünscht zum Abschied: „Halten Sie durch!“
       
       Kaum ist er hinten, läutet das Telefon erneut. Und wieder: „SalonFähig,
       Rzepka, grüß Gott.“ Man versteht, warum er Sportschuhe trägt, so viel wie
       er läuft. Während er Haare schneidet, legt er den Hörer auch mal daneben.
       
       Das silberne Glockenspiel läutet hell, die zweite Kundin ist früh dran.
       „Und was machen wir?“, fragt er. „Nur Stufen und a bisserl kürzer.“ „Mit
       Waschen?“ „Des hob i scho.“ Bernd Rzepka sprüht etwas Wasser aufs halblange
       graue Haar. Auch diese Kundin, eine Gärtnerin im Ruhestand, sagt: „Unsere
       Politik, unsere Regierung in Berlin ist das Hauptthema, weil jeder nur
       unzufrieden ist.“ Nachrichten konsumiere sie kaum noch, man lese ja nur
       Negatives. Sie beklagt vor allem, dass die Leute sich grundsätzlich weniger
       unterhielten als früher. „Alle schauen nur auf das Handy, selbst im
       Wartezimmer beim Arzt.“ Rzepka und sie kommen auf das Personal zu sprechen,
       das fehle, zum Beispiel beim Bäcker nebenan. „Corona hat alle verschluckt“,
       sagt die Kundin.
       
       Geht man hinüber in die Bäckerei, erzählen sie dort, dass eine
       Mitarbeiterin schwanger geworden sei, sie hätten niemanden mehr für den
       Verkauf gefunden. Seit der Pandemie hat die Bäckerei deshalb nur noch bis
       14 Uhr auf. Wo die Menschen sind? „Beim Jobcenter“, glaubt eine
       Verkäuferin. Der Unterschied zwischen den Löhnen und dem Bürgergeld sei zu
       gering, da blieben die Leute lieber zu Hause, als hart zu arbeiten.
       
       Auch die Metzgerei gegenüber hat montags bis donnerstags nur noch bis 14
       Uhr auf. Wer seine Leberkässemmel nicht missen will, muss zeitig kommen.
       Mittags bildet sich eine Schlange vor der Theke. Zwei Vollzeitkräfte seien
       gegangen, erzählt die Chefin. Seitdem haben sie kürzer auf. „Das hätten wir
       sonst nicht stemmen können.“ Das Bürgergeld sei nur ein Grund für das
       fehlende Personal. „Die jungen Leute wollen lieber studieren und reisen und
       nicht von 8 bis 17 Uhr im Laden stehen.“ Es gebe zudem einfach weniger
       junge Leute. Ausländer könne sie wegen der Sprache nicht ohne Weiteres im
       Verkauf beschäftigen. „Die Lage ist echt schwierig“, sagt sie.
       
       [12][Die Ursachen des Fachkräftemangels] sind gut erforscht. Die Älteren
       gehen in Rente, es gibt weniger junge Menschen, und von denen interessieren
       sich nicht genug für eine Ausbildung. Zum Teil übernehmen Migranten die
       Jobs: Die Mehrheit der erwerbstätigen Geflüchteten, die in den Zehner
       Jahren nach Deutschland kamen, übten 2023 [13][eine qualifizierte
       Tätigkeit] aus. Es werden aber noch mehr ausgebildete Leute gebraucht.
       
       Wer meint, Empfänger*innen von Bürgergeld – oder Grundsicherung, wie es
       jetzt heißt – würden lieber auf dem Sofa sitzen als zu arbeiten, der
       suggeriert, dass sie diese Lücke füllen könnten. Das geht aber nicht ohne
       Weiteres. [14][Viele haben keinen Berufsabschluss] oder sprechen nicht gut
       genug Deutsch. Ein Teil stockt auch nur auf, andere haben gesundheitliche
       Einschränkungen oder kümmern sich um Angehörige. Es gibt zwar Arbeitslose,
       die selbst sagen, dass sich ein Job für sie nicht lohnen würde. In einer
       repräsentativen [15][Befragung unter Bürgergeldempfänger*innen] gaben 15
       Prozent an, sie würden nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen, ihre
       finanzielle Lage würde sich dadurch nicht verbessern. Allerdings müssen
       sie, wenn sie sich nicht bewerben, mit Sanktionen des Jobcenters rechnen.
       
       ## Corona als Einschnitt
       
       „Bist du jetzt alleine?“, fragt der dritte Kunde in Rzepkas Salon, ein
       stämmiger Mann mittleren Alters – und schon sind auch sie beim
       Fachkräftemangel. Bernd Rzepka hat im Jahr 2000 seinen Meister gemacht und
       den Salon übernommen, damals mit sechs Angestellten. Die vielen
       Frisiertische mit Spiegel zeugen noch von der Zeit, als ein ganzes Team
       hier Haare schnitt. Rundbürsten in allen Größen stehen in Blumentöpfen, in
       den Regalen liegen Dutzende eingerollte Handtücher.
       
       Während Corona musste Rzepka den Laden zeitweilig schließen. Er hatte keine
       Einnahmen, seinen Mitarbeiterinnen kündigen wollte er aber nicht. „Ich
       schmeiße doch nicht meine Leute raus, nur weil es gerade eine Krise gibt.“
       Er bekam Coronahilfen, die hätten aber nur einen Teil der Schulden gedeckt.
       Die Pandemie habe auch auf Kundenseite viel verändert, erzählt er. Während
       des Lockdowns konnten die Menschen nicht zum Färben kommen, der Ansatz
       wuchs raus. Erst einmal, beim zweiten Lockdown noch mal. Viele Ältere
       hätten danach nicht wieder angefangen zu färben.
       
       Zuletzt hatte Bernd Rzepka zwei Mitarbeiterinnen, eine zog weg, die andere
       ging in Rente und kommt nur noch tageweise in den Salon. Der 58-Jährige
       arbeitet heute viel allein. Er ist zufrieden damit. „Neues Personal findet
       man eh nicht“, sagt er. Der Kunde vor ihm antwortet: „Es sind doch so viele
       Ukrainer hier. Aber die kriegen ja Bürgergeld, dann haben sie genug.“
       
       Nun könnte man feststellen: Es ist in Amberg heutzutage offenbar salonfähig
       zu sagen, dass Arbeitslose – und speziell die Migranten unter ihnen –
       lieber Geld vom Staat beziehen als zu arbeiten. Dass Menschen beim Friseur
       und beim Bäcker so reden, könnte man als Indiz werten für eine Verschiebung
       der öffentlichen Debatte nach rechts. Aber ganz so simpel ist es nicht, wie
       sich an diesem Tag noch herausstellen wird.
       
       Um zu verstehen, was in einer Gesellschaft als salonfähig gilt und was
       nicht, hilft [16][das Modell des Overton-Fensters]. Es geht zurück auf den
       2003 verstorbenen US-amerikanischen Politikberater Joseph P. Overton und
       beschreibt, in welchem Rahmen politische Ideen in einer Gesellschaft
       akzeptiert sind. Was außerhalb des Fensters liegt, gilt als zu radikal, als
       Tabu.
       
       Wenn sich Werte verändern, verschiebt sich das Overton-Fenster. Ein
       Beispiel ist der Umgang mit Homosexualität. Schwule wurden in der
       Bundesrepublik lange kriminalisiert, dabei entsprach das nicht mehr der
       liberaleren gesellschaftlichen Realität, das Overton-Fenster hatte sich
       verschoben. 1994 beschloss das Parlament die [17][Streichung des Paragrafen
       175]. Die Akzeptanz nahm weiter zu, mit ihr verschob sich das Fenster
       weiter, 2017 konnte die [18][Ehe für alle] eingeführt werden.
       
       Laut Overtons Modell unterstützen Politiker*innen Ideen, die sich innerhalb
       des Fensters befinden, weil sie ja gewählt werden wollen. Sie können aber
       auch selbst für eine Verschiebung des Rahmens sorgen. Donald Trump ist ein
       Meister darin. Er sagt ständig, was eigentlich als unsagbar gilt. Wenn er
       behauptet, Migranten aus [19][Haiti würden Hunde und Katzen essen] oder
       wenn er ein Video teilt, in dem die [20][Obamas als Affen] dargestellt
       werden, dann bricht er Tabus. Ein Prozess der Gewöhnung setzt ein, andere
       rassistische Äußerungen wirken im Vergleich dazu nicht mehr so schlimm. Das
       Overton-Fenster verschiebt sich. Auch in Europa nutzen Rechtspopulist*innen
       diese Strategie.
       
       Um kurz nach 11 Uhr betritt der nächste Kunde den Laden, ein Arzt. Als er
       hört, dass eine Journalistin da ist, winkt er ab. Er spricht lieber mit
       Rzepka allein.
       
       Der Friseur unterhält sich gerne mit seinen Kunden. Sie kommen aus allen
       Altersgruppen und Schichten. Mal sprechen sie über Politisches, mal über
       Persönliches. „Meine Scheidung haben sie live miterlebt.“ Eigentlich hätte
       er Buchhalter werden sollen, erzählt Rzepka. Er besuchte eine
       Wirtschaftsschule in Amberg, war beim Friseur und dachte: Das bringt
       bestimmt mehr Spaß.
       
       Als er das Friseurhandwerk lernte, trugen die Frauen noch Dauerwellen und
       die Männer Vokuhila-Frisuren. Heute sieht man Dauerwellen wieder,
       allerdings bei jungen Männern. „Können Sie das denn?“, habe ihn ein Junge
       gefragt, der den Pony gelockt haben wollte und die Seiten kurz.
       „Alpaka-Look“ nennt Bernd Rzepka diese Frisur. „Ich komme aus den 80ern,
       natürlich kann ich das“, habe er geantwortet und Wickler und Flüssigkeit
       bereitgestellt.
       
       Ein paar Minuten vor 13 Uhr läutet das Glockenspiel, eine Frau mit kurzen
       grauen Haaren kommt in den Salon. Wieder eine Frau R., ebenfalls
       Stammkundin. „Besser zu früh als zu spät“, verkündet sie und rollt dabei
       das „r“ wie viele in der Oberpfalz. Sie ist Mitte 50. Lange hat sie in
       einem Laden gearbeitet, aber das geht nicht mehr, wegen der Gesundheit.
       Frau R. hat Probleme mit der Bandscheibe. Leicht gebeugt läuft sie zu einem
       der Sessel.
       
       Bernd Rzepka legt ihr den Umhang um. „Wie geht’s der Katze?“, fragt sie.
       „Gut“, sagt er. Als er im Urlaub war, habe sie im Barbershop gefragt, wie
       viel der Schnitt koste, erzählt sie. 38 Euro hätten die gewollt, weil sie
       eine Frau sei. Dabei habe sie doch kurze Haare, eine Männerfrisur. „Ich
       kann mir auch Frischhaltefolie umbinden, dann ist der Busen weg.“ Was die
       Leute denken, sei ihr egal, sagt sie. „Ich nehme kein Blatt vor den Mund.“
       Es klingt trotzig. Bei Bernd Rzepka kostet Schneiden pur 30 Euro. Sie ließ
       die Haare dran und sitzt nun bei ihm. „Du bist mir immer noch der liebste
       Friseur“, sagt sie.
       
       Frau R. und Bernd Rzepka haben bei vielem verschiedene Meinungen, aber auf
       Barbershops sind sie beide nicht gut zu sprechen. Rzepka schimpft, die
       Barber machten das Friseurhandwerk kaputt, weil ihnen die Ausbildung fehle.
       Er vermutet auch, dass den Angestellten nicht immer Mindestlohn bezahlt
       wird. Er bemühe sich, keine Ressentiments zu entwickeln, sagt er. „Wo sie
       herkommen, ist mir schnuppe, aber sie sollen sich an die Regeln halten.“ Er
       selbst kämpft gerade mit dem Finanzamt, sie wollten die Terminbücher von
       2021 einsehen, aber die hat er schon weggeschmissen. „Ich werde gegängelt
       und die können machen, was sie wollen.“
       
       Barbershops gibt es inzwischen in vielen deutschen Städten. Sie verändern
       die Branche: Kunden freuen sich über die häufig billigeren Preise. Dank der
       Barber interessieren sich auch mehr junge Männer für eine Ausbildung als
       Friseur.
       
       Viele alteingesessene Friseure sehen die neue Konkurrenz allerdings
       kritisch. Seit einigen Jahren gibt es vermehrt Kontrollen. Dabei werden in
       manchen Läden laut Behörden Verstöße festgestellt, etwa weil kein Meister
       anwesend ist oder wegen Schwarzarbeit. Andere erfüllen aber die Vorgaben.
       Damit jene Barber und Friseure, die sich an die Regeln halten, nicht unter
       Wettbewerbsverzerrungen leiden müssen, hat der Bundestag das
       Friseurhandwerk Ende 2025 [21][in den Katalog der Schwarzarbeitsbranchen]
       aufgenommen. Die Salons sollen so leichter kontrolliert werden können.
       
       ## Der Döner schmeckt nicht mehr
       
       „Die kleinen Einzelhändler, vor allem die Deutschen, die brauchen uns als
       Kunden“, sagt Frau R. „Hier kann ich mich auch auskotzen, wenn mir
       irgendwas nicht passt.“ Auf die Frage, was sie denn beschäftige, beginnt
       sie zu schimpfen. „Es fängt schon mit den Fahrrädern und E-Scootern an, die
       durch die Stadt rauschen.“ Die sollten auf Ältere mehr Rücksicht nehmen.
       Überhaupt ändere sich in Amberg zu schnell zu viel. Sie erzählt vom Döner
       bei einem bestimmten Imbiss, der nicht mehr schmecke. „Sie backen das Brot
       nicht mehr selber. Ich mach mir in Zukunft meinen eigenen Döner.“ Um im
       nächsten Atemzug einen anderen Imbiss zu empfehlen. „Die kenne ich gut, die
       kommen aus Syrien. Die Frau arbeitet im Krankenhaus, die können alle
       Deutsch, gegen die habe ich nichts. Nur gegen die, die Deutschland auf der
       Tasche liegen.“
       
       Sie selbst kriege ja auch nichts, dabei könne sie wegen ihrer Gesundheit
       nicht arbeiten. Warum sie nicht zum Amt gehe? „Ich will mit dem deutschen
       System nix zu tun haben.“ Etwas später sagt sie: „Man müsste die Grenzen
       schließen, und jeder, der sich schlecht benimmt, fliegt raus.“ Dass
       Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU Grenzkontrollen eingeführt
       hat, reicht ihr nicht. „Die kommen doch trotzdem ins Land. Eigentlich
       sollte es in Deutschland wie in der DDR sein, mit einer Mauer drumherum.“
       Auch Bernd Rzepka staunt angesichts dieser Aussage. Die meint sie aber
       nicht ernst. Oder doch? „Das ist Sarkasmus“, sagt sie, dabei lacht sie
       schelmisch.
       
       Die Haarreste rieseln auf den schwarzen Umhang. Rzepka föhnt sie weg, hängt
       den Föhn samt Kabel mit geübter Handbewegung über den Ständer und hält den
       Spiegel an ihren Hinterkopf. Fertig.
       
       Frau R. hinterlässt Eindruck. Wenn es normal ist, dass beim Friseur so über
       Migranten geredet wird, zeigt das, wie weit sich das Overton-Fenster
       bereits nach rechts verschoben hat. Würde man denken. Wäre da nicht die
       Studentin, die eine Stunde später auf dem Frisiersessel Platz nimmt. Eine
       schlanke junge Frau mit schmalem Gesicht, auch sie trägt die Haare kurz.
       
       Frau G. setzt die Brille ab, Bernd Rzepka beginnt zu schneiden. Die
       22-Jährige studiert in Amberg Medientechnik. Sie informiere sich vor allem
       über Instagram und Tiktok, erzählt sie, während sie ohne Brille mit
       verwaschenem Blick Richtung Spiegel schaut. „Das sind die am einfachsten
       zugänglichen Quellen.“ AfD-Inhalte würden ihr da nicht eingespielt. Sie
       bemerke in ihrem Umfeld nicht, dass die Rechten stärker geworden seien. Im
       Gegenteil, sie erlebe in Amberg eher einen zunehmenden Druck von links. Die
       meisten ihrer Freunde seien sehr links ausgerichtet. „Manche feiern das wie
       eine Kirche. Sie reden über nichts anderes mehr.“ „Besser sehr links als
       sehr rechts“, wirft der Friseur ein. „Extrem ist immer schlecht“, entgegnet
       die junge Frau.
       
       Wenn jemand beurteilen kann, ob und wie sich der Rahmen des
       gesellschaftlich Akzeptablen in Amberg tatsächlich verschoben hat, dann ist
       das Bernd Rzepka, schließlich redet er fast täglich mit den Leuten, und das
       seit Jahrzehnten. „Anders als früher brauchen sich die aus der rechten Ecke
       nicht mehr zu verstecken“, sagt er. „Die können öffentlich ihren Müll
       verbreiten.“ Hass und Hetze seien in Amberg nicht üblich gewesen, sagt der
       Friseur. „Es gab früher nur eine kleine Gruppe von Idioten aus der
       Naziszene hier. Mit der AfD blüht das jetzt auf.“
       
       Wie aber passt das mit dem verstärkten Druck von links zusammen, den die
       Studentin G. beschreibt? Nun ist es Zufall, wer an diesem Tag in Rzepkas
       Salon kommt. Dass Frau G. so anders redet als Frau R., weist allerdings auf
       ein gesamtgesellschaftliches Phänomen hin: Die Wahrnehmung der Wirklichkeit
       unterscheidet sich stark, viele leben in ihrer eigenen Bubble.
       
       Das hängt auch mit dem veränderten Medienkonsum zusammen. Von den Kunden,
       die sich an diesem Dienstag die Haare schneiden lassen, schauen manche ab
       und zu noch Nachrichten. Zeitungen lesen die meisten nicht. Weil die
       Meldungen oft negativ sind, kapseln sich einige ganz ab. Die Jüngeren
       informieren sich vor allem über die sozialen Medien. Mit klassischen Medien
       kommen sie, wenn überhaupt, dann vor allem über Podcast-Angebote in
       Kontakt.
       
       Ohne gemeinsame Medien wird es viel schwieriger, sich darüber zu
       verständigen, was gesellschaftlich akzeptabel ist und was nicht. Die
       türkisch-amerikanische Soziologin Zeynep Tufekci hat das bereits in Donald
       Trumps erstem Wahlkampf 2016 [22][in der New York Times beschrieben].
       Jahrzehntelang hätten Journalist*innen als Gatekeeper fungiert. „Sie
       entschieden, welche Ideen öffentlich diskutiert werden durften und was als
       zu radikal galt.“ Das sei vorbei, mit Twitter und Co habe sich eine eigene
       mediale Welt geöffnet ohne Gatekeeper, schrieb sie. Ein alternatives
       Universum, in dem wilde Fake News kursierten. Tufekcis bitteres Fazit: Das
       Overton-Fenster ist zerbrochen.
       
       Das hieße, es gibt gar keinen gemeinsamen Rahmen mehr von Ideen, die als
       gesellschaftlich akzeptabel gelten. Eine vernichtende Analyse. Aber stimmt
       sie auch?
       
       Die US-amerikanische Gesellschaft ist stärker polarisiert als die deutsche.
       Dass die Wahrnehmung der Wirklichkeit auseinander driftet, lässt sich
       allerdings auch hierzulande beobachten. Was als sagbar gilt, unterscheidet
       sich je nach Milieu und Gruppe. Statt daraus zu schließen, dass das
       Overton-Fenster zerbrochen ist, könnte man auch sagen: Es gibt nicht mehr
       nur das eine Fenster, sondern viele. Etliche Rahmen sind sicherlich nach
       rechts gerückt, wie Bernd Rzepka es beschreibt. In anderen Gruppen befindet
       sich das Fenster zeitgleich links. Oder noch mal woanders, wie etwa bei
       Anhänger*innen von Verschwörungsideologien. Auch die kommen zum
       Haareschneiden in Rzepkas Salon und warnen den Friseur vor Impfungen oder
       giftigen Kondensstreifen am Himmel, erzählt er.
       
       ## Radikale Ansichten sind gesellschaftlich akzeptierter
       
       Wie unterschiedlich die Wirklichkeiten sind, in denen Menschen leben, zeigt
       schon das Wort „salonfähig“. Mehrere von Rzepkas Kunden an diesem Dienstag
       wissen nichts mit dem Adjektiv anzufangen, es gehört nicht zu ihrem
       Sprachgebrauch. Den Friseur überrascht das nicht. Er sei schon manchmal
       gefragt worden: „Ach, Sie heißen gar nicht Herr Fähig?
       
       Dass viele das Wort „salonfähig“ nicht kennen, dürfte früher nicht anders
       gewesen sein. Vielleicht ist die Vorstellung, dass es mal eine geteilte
       Wahrnehmung der Wirklichkeit gab, auch eine Illusion. Vielleicht gab es die
       nie, und durch die sozialen Medien wird das jetzt lediglich stärker
       sichtbar. So wie mit den Lockdowns bei vielen die echte Haarfarbe erkennbar
       wurde, so treten die Meinungen im Internet nun deutlich zutage.
       
       Dazu passt die [23][Analyse des Politikwissenschaftlers Vicente Valentim],
       dessen Buch „Die Normalisierung der radikalen Rechten“ im Mai auf Deutsch
       erschienen ist. Seine zentrale These lautet, dass ein Teil der Leute in
       westlichen Demokratien nicht plötzlich radikalere oder rassistischere
       Meinungen hat, denn solche Einstellungen änderten sich nur langsam.
       Valentim sagt, dass viele ihre Meinungen bisher nur nicht zu äußern
       trauten, weil sie Angst hatten, dafür verurteilt zu werden. Mit der
       Normalisierung rechtspopulistischer Aussagen und Parteien ändere sich das.
       Der Erfolg der AfD kommt also laut Valentim nicht aus dem Nichts, sondern
       zeigt, dass bereits vorhandene radikale Ansichten gesellschaftlich
       akzeptierter geworden sind.
       
       Die Frage ist, ob es zwischen den verschiedenen Overton-Fenstern, zwischen
       den verschiedenen Rahmen des heute Sagbaren noch eine Schnittmenge gibt.
       Einen Ausschnitt, durch den viele schauen, auf den sich ein Großteil der
       Gesellschaft noch verständigen kann. Auf dessen Grundlage man weiter
       miteinander sprechen und Dinge aushandeln kann.
       
       Hört man den Menschen in Amberg zu, dann ist das am ehesten die Akzeptanz
       des demokratischen Systems. Keine der Kund*innen an diesen Tag stellt es
       infrage. Ein sportlicher junger Mann, ein angehender Motoringenieur, sagt
       das ganz explizit. „Die Leute lehnen die Demokratie an sich nicht ab. Sie
       sind nur unzufrieden damit, wie Politik gemacht wird.“ Dass etwa Dorothee
       Bär den Bafög-Satz nicht erhöhen will, habe viele in seinem Freundeskreis
       sehr enttäuscht. Seine Einschätzung entspricht den [24][Ergebnissen einer
       Studie der Bertelsmann-Stiftung]: Demnach befürworten 82 Prozent die
       liberale Demokratie, auch wenn die Umsetzung häufig kritisch gesehen wird.
       
       Letztlich ist auch der Laden in der Georgenstraße in Amberg eine
       Schnittmenge: Auf Bernd Rzepka können sich all die unterschiedlichen
       Kund*innen einigen. Er ist Zuhörer, Moderator, Gatekeeper in seinem
       Geschäft. „Ich komme mit jedem klar, außer mit Nazis, die will ich nicht im
       Laden haben“, sagt er. Und wie tickt er selbst politisch?
       
       In der Pause erzählt der Friseur bei der E-Zigarette im Nebenraum, dass er
       früher SPD gewählt habe, auch mal die Grünen. Deren Programm finde er am
       besten. „Aber für grüne Visionen verdiene ich zu wenig. Ich habe kein Geld
       für eine neue Heizung.“ Die Politik erlebe er zunehmend als arrogant und
       weltfremd. „Ich werde nie ein Nazi, aber ich bin auch nicht zufrieden.“
       
       Bernd Rzepka wurde mit den Protesten gegen die
       [25][Atomwiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf] politisiert, das liegt
       rund 30 Kilometer südöstlich von Amberg. „Schwarz wählt man nicht, das war
       klar“, erzählt er. Trotzdem habe er bei der letzten Wahl für Friedrich Merz
       gestimmt. Er traue keiner Partei mehr etwas zu, sagt er, und Merz stellte
       immerhin die Abschaffung der aus seiner Sicht nervigen Bonpflicht in
       Aussicht, also dass er nach jedem Haarschnitt einen Kassenbeleg ausstellen
       muss.
       
       Woher aber kommt die große Unzufriedenheit, die an diesem Tag im Salon
       immer wieder durchklingt? Viele in Amberg haben ein Auto, ein Eigenheim,
       ein Auskommen. Eigentlich geht es ihnen gut. Das Problem liegt
       möglicherweise mehr in der Zukunft als im Jetzt. Was fehlt, ist eine
       sichere Perspektive. Die Wirtschaft schwächelt, das alte
       Aufstiegsversprechen gilt nicht mehr. Die Welt der Trumps und Putins ist
       unberechenbar geworden, und dass die Bundesregierung an diesen Dingen etwas
       ändern könnte, glauben viele nicht.
       
       Das kommt nicht von ungefähr. Der Handlungsspielraum von Merz und Co ist
       angesichts der globalen Probleme ja tatsächlich begrenzt. Pandemie, Kriege,
       Klimakrise – daneben wirkt die deutsche Regierung einigermaßen ohnmächtig.
       Wenn Schwarz-Rot sich dann auch noch öffentlich streitet und fragwürdige
       Entscheidungen – wie etwa die Krankschreibung ab dem ersten Tag – trifft,
       der Bafög-Satz stagniert, die Abschaffung der Bonpflicht auf sich warten
       lässt, wenn der Bäcker schon um 14 Uhr schließt oder der Döner nicht mehr
       schmeckt, dann ist der Frust groß. Hetze verfängt dann leichter und die
       richtet sich nicht gegen die Starken, etwa gegen Überreiche, sondern gegen
       die Schwächeren der Gesellschaft.
       
       ## Der rechte Spuk
       
       Das silberne Glockenspiel läutet, die letzte Kundin an diesem Tag kommt
       herein, eine junge Frau in rosa Jacke mit Blumenmuster und weißen
       Turnschuhen. Sie arbeitet in einer Bank und studiert nebenbei. Manche ihrer
       Bekannten überlegten tatsächlich, die AfD zu wählen, erzählt sie, während
       Rzepka ihre langen dunklen Haare schneidet. „Protestwählen finde ich
       komisch“, sagt sie. Sie müsse in letzter Zeit öfters an ein Video von
       Margot Friedländer denken, das ihr bei Instagram eingespielt wurde. Da sagt
       die verstorbene Holocaustüberlebende: „Damals hat es genauso angefangen.“
       
       Ob die Bekannten der jungen Frau die AfD wirklich aus Protest wählen
       würden? Oder haben sie schon länger eine radikale Einstellung und trauen
       sich jetzt erst, sie zu äußern, wie Vicente Valentim wohl vermuten würde?
       Von den Antworten auf solche Fragen hängt auch ab, ob sich der rechte Spuk
       bald wieder verflüchtigen könnte. Oder ob er bleibt.
       
       17.30 Uhr, Feierabend. Der Friseur zählt das Geld in der Kasse. 258 Euro
       hat er an diesem Dienstag eingenommen, für Bernd Rzepka ein
       durchschnittlicher Umsatz. Er schlüpft gerade pfeifend in seine Jacke, da
       klingelt das Telefon. „Leute, es ist zu“, ruft er Richtung Apparat. Er
       macht das Licht aus. Für heute waren es genug Kundengespräche. Morgen wird
       er wieder zur Stelle sein.
       
       11 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.deutschlandfunk.de/21-09-2023-rechtsaussen-wird-salonfaehig-dlf-0a2846ad-100.html
   DIR [2] /Antiziganismus-Beauftragter/!6156992
   DIR [3] https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/82/usa-machen-autoritare-praktiken-salonfahig
   DIR [4] https://www.br.de/nachrichten/bayern/amberg-polizist-und-patchwork-vater-wird-oberbuergermeister,VHRNacz
   DIR [5] https://wahl.amberg.de/2026/ergebnisse_ob.html
   DIR [6] https://wahl.amberg.de/2026/ergebnisse_stichwahl_ob.html
   DIR [7] https://www.bundeswahlleiterin.de/europawahlen/2024/strukturdaten/bund-99/land-9/kreis-9361.html
   DIR [8] https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99/land-9/wahlkreis-231.html
   DIR [9] https://www.onetz.de/oberpfalz/amberg/einmalig-bayern-amberg-einzige-kreisfreie-stadt-ohne-afd-beteiligung-rat-id5333579.html
   DIR [10] https://www.zdl.org/wb/wortgeschichten/Salon
   DIR [11] https://www.von-ammenberg.de/
   DIR [12] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/alexander-burstedde-jurek-tiedemann-2028-fehlen-768000-fachkraefte.html
   DIR [13] https://doku.iab.de/kurzber/2023/kb2023-13.pdf
   DIR [14] https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Focus_Paper_Buergergeld_01.pdf
   DIR [15] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2025/buergergeldempfaenger-viele-sind-krank-die-haelfte-sucht-keinen-job-und-jobcenter-bieten-zu-wenig-stellen-an
   DIR [16] https://www.mackinac.org/OvertonWindow
   DIR [17] /Legalisierung-von-Homosexualitaet/!6023643
   DIR [18] https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2017/kw26-de-ehe-fuer-alle-513682
   DIR [19] /Satire-Song-zum-US-Wahlkampf/!6037457
   DIR [20] /Obama-ueber-Trumps-Affen-Video/!6154764
   DIR [21] https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung?id=973
   DIR [22] https://www.nytimes.com/2016/03/31/opinion/campaign-stops/adventures-in-the-trump-twittersphere.html
   DIR [23] https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-48037-0
   DIR [24] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/zustimmung-zur-liberalen-demokratie-in-deutschland-bleibt-sehr-hoch
   DIR [25] /30-Jahre-nach-den-Wackersdorf-Protesten/!5265313
       
       ## AUTOREN
       
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