# taz.de -- Nahostkonflikt und die Linke: Wie sich ein autonomes Jugendhaus am Rande Berlins zerlegt
> Im und um das Hausprojekt La Casa in Berlin-Hellersdorf kam es zu
> gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen zwei linken Gruppen. Anlass
> war der Nahostkonflikt.
IMG Bild: Das autonome Jugendhaus La Casa in Hellersdorf – unter dem Fenster stand vorher mal „Gegen jeden Antisemitismus“
Angriffe von Nazis kennt das autonome Jugendzentrum und Hausprojekt La Casa
am östlichen Berliner Stadtrand. Doch vergangene Woche waren es [1][zwei
linke Gruppen, die dort in Hellersdorf gewaltsam aufeinanderprallten]. Ein
Video zeigt Vermummte mit Holzlatten, Steinen und Pfefferspray vor dem
Gebäude. Zu sehen ist, wie sie Barrikaden aus Holzstämmen, Gittern und
Bänken errichten.
Eskaliert war zuvor eine Art Zwangsräumung, mit der eine israelsolidarische
Gruppe versucht hatte, eine Person aus dem Hausprojekt gewaltsam
rauszuwerfen. Sie wollten damit gegen „Antisemiten“ und eine aus ihrer
Sicht antisemitische Vereinnahmung des La Casa vorgehen.
Unterstützer*innen der herausgeworfenen Person wiederum hatten die
erste Gruppe daraufhin massiv belagert und attackiert. Sie prangerten an,
dass alteingesessene Menschen im Hausprojekt junge, queere, migrantische
und palästinasolidarische Menschen vertrieben und ausgebremst hätten.
Das La Casa verstünden sie als einen Ort „antikolonialer,
internationalistischer, palästinasolidarischer Bewegungen“. Die Ressourcen
und Räume dort wollten sie dafür zur Verfügung stellen. Als „New Casa“
kündigten sie für das Wochenende erste Veranstaltungen an.
Seitdem reiht sich ein Statement an das andere, in dem die jeweilige Gruppe
die Gewalt und die Ereignisse einordnet und zu legitimieren sucht und die
andere der Lüge bezichtigt. Mehrere Antifa-Gruppen drückten jeweils ihre
Solidarität mit der einen oder anderen Seite aus und riefen zur
Unterstützung auf. Einige verurteilen deutlich die Gewalt.
## Grundrauschen der Debatte
Die war heftig und hinterlässt einen Schock. Vor dem Grundrauschen der
Debatte über den Israel-Palästina-Konflikt in Berlin haben Akteur*innen
Menschen gewalttätig bedroht und attackiert oder etwa Räume wie [2][die
israelsolidarische Kneipe Bajszel markier]t und angegriffen. Doch diese
massive körperliche Gewalt in der Auseinandersetzung ist neu.
Sie zeigt gleichzeitig, [3][wie scharf und unerbittlich die Linke die
Debatte über Solidarität mit Israel oder mit Palästina inzwischen führt].
An dieser Frage entscheiden sich Zugehörigkeiten und Loyalitäten. Räume, in
denen Fragen ergebnissoffen zur Sprache kommen, sind immer schwerer
herzustellen und zu halten, wenn schon von vornherein klar ist, dass die
eigene Position die moralisch richtige ist und Akteur*innnen sich
entschieden schon im Heute „auf der richtigen Seite der Geschichte“
verorten. Die Frage, wie die jeweils andere Person oder Seite es mit
Palästina/Israel hält, überschattet damit längst viele andere, konkret in
Berlin zu verhandelnde Themen, Konflikte und linke Anliegen.
Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und der Schoah ist es richtig
und wichtig, auch Debatten über Israel/Palästina mitzubehandeln und eine
eigene Position dazu zu finden. Es ist klar, dass Akteur*innen hier in
Deutschland und in Berlin eine Verantwortung tragen, im jetzigen
politischen Handeln vergangene und aktuelle Verbrechen und Genozide
anzuprangern. Doch gelöst werden muss der Konflikt woanders – nicht in
einem Berliner Jugendzentrum und Hausprojekt.
Wenn dort die beiden Gruppierungen den Konflikt um den Konflikt dermaßen
eskalieren, nehmen sie auch in Kauf, dass dieser das Jugendzentrum und
Hausprojekt selbst zerstören könnte.
Hellersdorf ist Teil eines Bezirks im Berliner Osten und grenzt an
Brandenburg. Im Bezirk ist die rechtsextreme Kleinstpartei Der Dritte Weg
aktiv, die AfD war dort bei den vergangenen [4][Wahlen auf Landes]- und
[5][Bundesebene stärkste Kraft]. Das La Casa dort ist wichtig, vor allem
für den Kampf vor der eigenen Tür.
10 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Wegen-antisemitismuskritischer-Besetzung/!6193470
DIR [2] /Nahost-Konflikt-in-Berlin/!6117456
DIR [3] /Nahost-Konflikt-in-der-linken-Szene/!6007672
DIR [4] https://wahlen-berlin.de/wahlen/Be2023/AFSPRAES/agh/ergebnisse_wahlkreis_1003.html
DIR [5] https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99/land-11/wahlkreis-84.html
## AUTOREN
DIR Uta Schleiermacher
## TAGS
DIR Reden wir darüber
DIR Schwerpunkt Stadtland
DIR wochentaz
DIR Nahost-Debatten
DIR Schwerpunkt Antifa
DIR Antisemitismus
DIR Linke Szene
DIR GNS
DIR Schwerpunkt Antifa
DIR Schwerpunkt Stadtland
DIR Schwerpunkt Stadtland
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Linke streiten über Nahost: „Ich dachte, ich bin wieder in Moria“
In einem linken Hausprojekt in Hellersdorf kam es zu einer Eskalation
innerlinker Gewalt. Die taz rekonstruiert, was im La Casa passiert ist.
DIR Antideutsche und Nahostkonflikt: Antifa gespalten
Der linke Stadtteil Connewitz in Leipzig ist auch für seine „antideutsche“
Szene bekannt. Propalästinensische Aktivist*innen gehen gegen sie am
17. Januar auf die Straße.
DIR Antiimperialisten gegen Antideutsche: Linke Orte unter Druck
Der Krieg zwischen Israel und der Hamas lässt alte Konflikte in der linken
Szene wieder aufbrechen. Ein Dialog erscheint so gut wie unmöglich.