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       # taz.de -- Rüstung oder Rente: Mit diesem Haushalt verspielt die Regierung Vertrauen
       
       > Die Priorität der Bundesregierung liegt bei Waffen, Sozialausgaben werden
       > gekürzt. Perfide wird es dort, wo Kürzungen als Fortschritt verkauft
       > werden.
       
   IMG Bild: Sein Verteidigungsetat liegt bei 109,7 Milliarden Euro, dazu das Sondervermögen der Bundeswehr: Boris Pistorius (SPD)
       
       Eine Botschaft hat die Bundesregierung diese Woche eindeutig klargemacht:
       Ihre Priorität liegt bei Waffen. Fast jeder dritte Euro des Bundeshaushalts
       2027 geht für Panzer, Kampfflugzeuge, Drohnen drauf. Der Verteidigungsetat
       liegt bei 109,7 Milliarden Euro, dazu kommen 30 Milliarden aus dem
       Sondervermögen der Bundeswehr. Auch ohne lästige Saarlandvergleiche ist
       klar, dass es sich hier um einen großen Batzen Geld handelt. Ein
       Rekordwert. Und wenn an einer Stelle geballert wird, wird meist an anderer
       gespart. [1][Im Haushalt der schwarz-roten Koalition ist das vor allem im
       Bereich des Sozialen geplant.]
       
       Also bei denen, die es ohnehin nicht leicht haben: bei Geflüchteten, denn
       für Integrationskurse steht weniger Geld zur Verfügung; bei Armen, denn die
       Einsparungen beim Wohngeld sind so immens, dass alle Beziehenden sie spüren
       werden; bei Eltern, denn sie müssen nicht nur bei Unterhaltsvorschüssen für
       Alleinerziehende oder Kinderzuschlägen, sondern auch beim Elterngeld
       Abstriche hinnehmen; bei Kindern, denn nicht nur Sprach- und Leseprogramme
       werden nicht mehr unterstützt, auch Kitas bekommen weniger Geld; bei Alten
       und Kranken, denn sie werden schlechter versorgt.
       
       Besonders perfide sind die Kürzungen da, wo sie als Fortschritt verkauft
       werden wie bei der [2][Reform des Elterngelds]. Familienministerin Karin
       Prien (CDU) erhöht zwar die monatliche Höchstsumme und den Mindestbeitrag
       minimal, doch dafür wird der Anspruch auf Elterngeld von vierzehn auf zwölf
       Monate gesenkt. Und es wird nur dann in Gänze ausgezahlt, wenn beide
       Partner_innen es jeweils mindestens drei Monate beziehen. Ein Schritt
       Richtung Gleichberechtigung soll das sein, denn Männer werden gedrängt,
       mehr Elternzeit zu nehmen.
       
       In der Realität bedeutet das, dass Heteropaare künftig entscheiden müssen:
       Geht der Mann nach der Geburt sofort wieder der Lohnarbeit nach und lässt
       die Mutter im Wochenbett allein, oder wird das Kind mit zehn Monaten zur
       Eingewöhnung in die Kita gesteckt, damit ab dem elften Monat beide wieder
       arbeiten können? Beides ist unrealistisch. Ersteres lässt die Gesundheit
       der Mutter eigentlich nicht zu. Zweiteres ist durch die [3][Unterversorgung
       mit Kitaplätzen], die immer noch an den meisten Orten herrscht, gar nicht
       möglich.
       
       Diese ausweglose Situation ist der Politik bislang keinen Kommentar wert.
       Leiden werden darunter vor allem Mütter, die sich weniger schonen können
       und gleichzeitig schneller fit für den Arbeitsmarkt sein müssen. Das Ganze
       als Fortschritt zu verkaufen, ist blanker Hohn. Und das ist nur ein
       Beispiel der Maßnahmen, mit denen die Regierung aktuell das Vertrauen der
       Bürger_innen verspielt. Auch weil sie so tut, als sei ihre
       Panzer-statt-Kita-Politik alternativlos. Dabei sind sowohl die Höhe des
       Verteidigungsetats als auch die Frage, woher das Geld dafür kommen sollte,
       diskutabel.
       
       ## Linke Kritik wird pauschal weggewischt
       
       Kaum jemand in diesem Land bestreitet, dass Deutschland mehr Geld als vor
       ein paar Jahrzehnten für seine Verteidigung ausgeben muss. Doch es scheint,
       je umfangreicherer Militarisierung und Aufrüstung werden, desto weniger
       darf darüber gesprochen werden. Linke Kritik an milliardenschweren
       Rüstungsausgaben wird pauschal weggewischt. Wer kritisiert, dass
       Rüstungskonzerne Erfolgsumsätze feiern und die Bundeswehr mit Geld
       zugeschüttet wird, wird wahlweise als naiv oder als Putin-Fan abgestempelt.
       Dabei müssen milliardenschwere Ausgaben erklärt werden, und ein simples
       „Frieden“ reicht hier nicht. Denn wer sagt denn, dass mit 109,7 Milliarden
       Euro Verteidigungshaushalt Frieden sicherzustellen ist, mit weniger aber in
       keinem Fall?
       
       Und warum muss all das auf dem Rücken der Schwachen ausgetragen werden?
       Wieso sollen Alte, Eltern, Kinder, Kranke und Arme für etwas leiden, das
       auch die Reichsten des Landes bezahlen könnten? Eine höhere Reichen- und
       Erbschaftsteuer könnten die Einsparungen im Sozialen verhindern. Und dann
       gibt es noch die geschätzt 200 Milliarden Euro, die sich der Staat jährlich
       durch Steuerkriminalität und Geldwäsche aus der Tasche ziehen lässt.
       
       Dabei könnte genau dieses Geld helfen, dass die Bundesregierung eine ganz
       andere Botschaft verkünden könnte. Nämlich: Priorität ist, dass das Leben
       in diesem Land eines ist, dass sich alle leisten können.
       
       10 Jul 2026
       
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