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       # taz.de -- Spielwissenschaft: Warum wir auch als Erwachsene noch spielen sollten
       
       > Eine Freundin hat sich zum Geburtstag gewünscht, dass wir den Tag mit
       > Spielen verbringen – ungewöhnlich für Erwachsene. Aber sehr gesund!
       
   IMG Bild: Leichtes Spiel: Zwei Leute können mit den Armen gut ein Herz formen
       
       Jeder zieht eine [1][Spielkarte], dann haben Team Herz, Pik, Kreuz und Karo
       zehn Minuten Zeit, um sich eine Choreografie auszudenken. Es ist das erste
       von zahlreichen Mini-Games bei denen wir in Teams gegeneinander antreten.
       Eine Freundin hat sich zum Geburtstag gewünscht, dass wir den Tag mit
       Spielen verbringen.
       
       Wie kann sich Team-Karo in einer kurzen Choreografie präsentieren? Unsere
       Körper könnten ein Karo bilden oder unsere Füße? Wir springen erst
       zusammen, dann auseinander, werfen die Karten in die Luft und rufen
       „Karooo“. Team Herz gewinnt die erste Challenge – mit Abstand. Zwei Leute
       können mit den Armen aber auch wirklich gut ein Herz formen.
       
       Ein anderes Spiel heißt Memory-Extreme. Einige Meter entfernt liegen
       Fotopaare umgedreht auf dem Boden. Ein Spieler rennt los und sucht ein
       Paar. Im Team kann man sich Tipps geben, wo das zweite Foto sein könnte,
       auf dem A. am Strand liegt. Wir schreien, „liinkss, nein weiter oben“ und
       jubeln, wenn wir ein Paar finden. Als seien es 100 Euro, die da auf der
       Straße liegen, nicht zwei identische Fotos.
       
       Das hier ist kein [2][Kindergeburtstag]. Wir sind längst erwachsen. Aber
       wir freuen uns, als wäre es 2002 und wir auf Schnitzeljagd. Warum ist das
       so? [3][Warum spielen wir immer noch?]
       
       ## Spiele sind konsequenzfreie Räume
       
       Für diese Frage rufe ich Jens Junge an. Er ist Direktor des Instituts fürs
       Ludologie, wie Spielwissenschaft auch heißt. Nicht nur wir Menschen würden
       spielen, sagt Junge, Tiere auch. „Spielen ist ein Grundphänomen des
       Lebens.“ Kinder könnten gar nicht lernen, ohne zu spielen. Grob- und
       Feinmotorik, auch die Sprache erlangten Kinder so. Wie Kinder sich
       entwickeln, hänge deshalb viel mit spielen zusammen.
       
       „Spielen ist ein konsequenzfreier Erfahrungsraum“, sagt Junge. So habe ich
       noch nicht darüber nachgedacht. Wenn wir dreimal hintereinander beim
       gleichen Mitspieler ziehen, wird er sauer. Wenn wir uns hämisch freuen,
       weil die Mitspielerin eine Extrarunde drehen müssen, schlägt sie bestimmt
       zurück. Freuen wir uns aber über den Sieg der anderen, ist das großzügig.
       All das können wir im Spiel fühlen, ohne direkt ernsthafte Konsequenzen
       fürchten zu müssen. Magic Circle nennt Junge diesen Raum, der von Spielen
       geschaffen wird.
       
       Und warum sollte ich als Erwachsene spielen? Jens Junge lacht, als sei das
       eine absurde Frage. „Wer viel spielt, ist resilienter und optimistischer“,
       sagt er. Im Spiel merken wir, dass es immer eine nächste Chance gibt, eine
       nächste Partie, in der man nach einer Niederlage gewinnen kann. Wir würden
       lernen, negative Emotionen zu händeln. „Im Leben hat man ständig mit
       Verlust zu tun“, sagt Junge, „beim Spielen trainiert man, damit umzugehen.“
       
       Auch für das Teamgefühl sei es hilfreich zu spielen, sagt Junge. Man lerne,
       wann man sich zurücklehnen kann und wann man gebraucht werde. Und es
       stimmt, jedes Spiel eines Mini-Game-Turniers bringt die unterschiedlichen
       Talente in den Teams hervor. Die einen können Lieder schon nach drei Tönen
       erraten, andere sind besonders gut darin, kleine an einer Schnur hängende
       Brezeln mit dem Mund zu schnappen.
       
       Wer spielt, bleibt kreativ, denke ich – und nimmt sich selbst
       wahrscheinlich nicht allzu ernst. Wie auch, wenn die Aufgabe darin besteht,
       Wasser von einem Eimer in einen meterweit entfernten zweiten Eimer zu
       transportieren, nur mithilfe eines Strohhalms. Die Hände bleiben dabei
       hinter dem Rücken. Probieren Sie das mal aus.
       
       13 Jul 2026
       
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