# taz.de -- EU-Schutzstatus für Ukrainer: Schutz für Wehrpflichtige wird erschwert
> Die EU verlängert zwar den Schutzstatus für ukrainische Geflüchtete um
> ein Jahr. Nur wehrpflichtige Männer sollen nicht mehr einfach kommen
> können.
IMG Bild: Ukrainische Wehrpflichtige verlieren in der EU ihren Schutzstatus und werden gegen ihren Willen in den Krieg geschickt
Die Ankündigung klang harmlos: EU-Innenkommissar Magnus Brunner werde einen
längeren Schutz für geflüchtete Ukrainer ankündigen, hieß es in Brüssel.
Tatsächlich wird der besondere Schutzstatus, den nur Ukrainer, nicht aber
Syrer, Afghanen und andere Flüchtlinge in der EU genießen, um ein weiteres
Jahr bis März 2028 verlängert. Allerdings gibt es eine Ausnahme:
wehrpflichtige Männer.
Sie sollen sich einem Einsatz im Krieg gegen die russischen Angreifer
künftig schwerer entziehen können und nicht mehr so leicht wie bisher
Zuflucht in Deutschland oder anderen EU-Staaten finden. 23- bis 60-Jährige,
die von der Ukraine [1][keine Ausreiseerlaubnis] bekommen, sollen nach
einem Vorschlag der EU-Kommission von den vereinfachten Aufnahmeregeln für
Flüchtlinge ausgenommen werden.
Man werde künftig ukrainisches Recht anwenden und dafür sorgen, dass die
Männer ihren „militärischen Verpflichtungen“ nachkommen, sagte ein
EU-Beamter. Dabei flüchten immer mehr Wehrpflichtige – nicht zuletzt, weil
sie von den Häschern des Militärs verfolgt werden. Berichte über die
„Busifizierung“ – die gewaltsame Rekrutierung – reißen nicht ab, sie sind
natürlich auch in Brüssel bekannt.
Doch die EU-Kommission ging darauf mit keinem Wort ein. Auch die Bedenken
des Europarates in Straßburg, der nichts mit der EU zu tun hat, wischte sie
vom Tisch. Michael O’Flaherty, der beim Europarat für Menschenrechte
zuständig ist, hatte noch am Donnerstag vor einer pauschalen Einschränkung
der Schutzrechte gewarnt. Das [2][Recht auf Kriegsdienstverweigerung] müsse
gewahrt werden.
## Die Ukraine mobilisiert 34.000 Mann monatlich
Dies sei jedoch kein Grund für automatische Anerkennung, erklärte der
EU-Beamte. Die EU habe den besonderen Schutzstatus für Ukrainer nach der
sogenannten [3][Massenzustromrichtlinie] selbst geschaffen. Sie könne ihn
daher auch verändern. Wie die Umsetzung in der Praxis aussehen soll, blieb
jedoch unklar. Brüssel wartet offenbar noch auf Instruktionen aus Kiew, von
wo die Initiative ausgegangen war.
EU-Kommissar Brunner sagte, das Thema sei ausführlich mit der ukrainischen
Seite besprochen worden. „Unser Vorschlag trägt den sich wandelnden
Verteidigungs- und Wiederaufbaubedürfnissen der Ukraine Rechnung.“ Nach
Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mobilisiert die Armee monatlich
bis zu 34.000 Mann. Das reicht jedoch nicht, um die massiven Verluste an
der Front auszugleichen.
Deshalb wurde nun der Marschbefehl aus Brüssel fällig. Er könnte sehr
schnell kommen. Zwar müssen die EU-Innenminister noch grünes Licht geben.
Doch das könnte schon beim nächsten Treffen Anfang Juli erfolgen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat bereits Zustimmung
signalisiert. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte schon 2025 striktere
Ausreiseregeln für junge Männer gefordert.
Ukrainische Männer, die bereits in Deutschland und in der EU leben, seien
von der Neuregelung nicht betroffen, hieß es in Brüssel. Sie sollen, wie
Frauen und Kinder, von der Verlängerung des Schutzstatus bis März 2028
profitieren. Wie es danach weitergeht, ist aber offen. Brunner kündigte ein
freiwilliges Rückkehrprogramm an. Denkbar ist aber auch, dass der Schutz
2028 ausläuft.
## Derzeit 4,4 Millionen Ukrainer im Schutzprogramm
Die neuen Planungen passen schlecht zu den jüngsten Bemühungen um eine
Friedenslösung für die Ukraine. Beim [4][EU-Gipfel vor einer Woche] hatte
es noch geheißen, dass man sich auf Verhandlungen mit Russland vorbereiten
wolle. Nun trifft die EU Vorbereitungen für einen Krieg bis ins Jahr 2028.
Außerdem stellt sich Brüssel auf eine längere Zusammenarbeit mit den
ukrainischen Wehrbehörden ein.
Die Regierung in Kyjiw fahndet derzeit nach über zwei Millionen Männern,
die sie an die Front schicken will. Wie viele zusätzliche Soldaten die neue
EU-Regelung bringen soll, ist unklar. Derzeit profitieren rund 4,4
Millionen Ukrainer vom EU-Schutzprogramm. Darunter sind etwa 27 Prozent
erwachsene Männer. Deutschland hat seit Kriegsbeginn mehr als 1,1 Millionen
Menschen aufgenommen.
Die Fraktion der Linken im Bundestag protestierte gegen die EU-Pläne.
Brüssel stelle die Europäische Menschenrechtskonvention infrage, sagte die
stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clara Bünger. „Das universelle Recht
auf Kriegsdienstverweigerung existiert in der Ukraine nicht mehr.“ Nun
werde es auch in der EU ausgehöhlt.
26 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Eric Bonse
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