# taz.de -- +++ Erdbeben in Venezuela +++: Neues Beben erschüttert das Land
> Laut Behördenangaben sind bei der Naturkatastrophe bisher mindestens 920
> Menschen ums Leben gekommen. An der Nordküste Venezuelas haben in der
> Nacht auf Samstag weitere Erdstöße stattgefunden.
IMG Bild: Verwüstung in La Guaira nach dem Erdbeben
## Trump telefoniert mit Interimspräsidentin
dpa | Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez hat zwei
Tage nach dem schweren Doppel-Erdbeben in dem südamerikanischen Land mit
US-Präsident Donald Trump telefoniert. Trump und US-Außenminister Marco
Rubio hätten angerufen und ihr die Unterstützung der USA für Venezuela
angesichts der Katastrophe zugesichert, schrieb Rodriguez auf der Plattform
X.
„Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die
Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für
Notunterkünfte und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien zu
begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und
Zusammenarbeit“, schrieb die Staatschefin.
Bei dem Beben am Mittwoch kamen laut Behördenangaben mindestens 920
Menschen ums Leben. Mehr als 3.300 Menschen wurden verletzt. Die USA sowie
andere Länder, darunter auch Deutschland, haben Rettungsteams nach
Venezuela geschickt. Zahlreiche Menschen befinden sich noch [1][unter den
Trümmern.]
Im Januar hatte eine Spezialeinheit des US-Militärs den langjährigen
Machthaber Nicolás Maduro in Caracas gefangengenommen und in die USA
gebracht, um ihn wegen Drogendelikten vor Gericht zu stellen. Seitdem hat
Maduros einstige Stellvertreterin Rodríguez die Regierungsgeschäfte
übernommen. Trumps Regierung will die großen Ölvorkommen des Landes
zugunsten der USA nutzen und übt inzwischen erheblichen Einfluss auf die
venezolanische Ölindustrie und Politik aus.
## Erneutes Erdbeben erschüttert Nordküste Venezuelas
rtr | [2][Ein neues Erdbeben] hat die Nordküste Venezuelas erschüttert.
Die Erdstöße in der Nacht auf Samstag hatten eine Stärke von 4,9, wie das
europäische Erdbebenzentrum EMSC mitteilte. Zeugen der Nachrichtenagentur
Reuters spürten das Beben unter anderem in der Hauptstadt Caracas und der
nahegelegenen Stadt Maracay. Erst am Mittwochabend hatten zwei schwere
Erdbeben Teile des Landes verwüstet.
In den am schwersten betroffenen Gebieten wie dem Bundesstaat La Guaira
wuchs die Frustration über das schleppende Tempo der staatlichen Hilfe.
Anwohner und Freiwillige gruben Trümmer teils mit bloßen Händen aus, weil
schweres Gerät fehlte. Unterdessen trafen erste internationale
Rettungsteams ein. Die USA kündigten Hilfen im Wert von 150 Millionen
US-Dollar sowie eine Lockerung von Sanktionen an. Die Katastrophe stellt
zudem eine politische Bewährungsprobe für Interimspräsidentin Delcy
Rodriguez dar, die nach der Festnahme ihres Vorgängers Nicolas Maduro durch
die USA im Januar die Regierungsgeschäfte übernommen hatte.
Die Vereinten Nationen (UN) schätzen die direkten Schäden der beiden
ersten Beben mit den Stärken 7,2 und 7,5 auf rund 6,7 Milliarden Dollar.
Das zweite Beben am Mittwoch war das schwerste in Venezuela seit mehr als
einem Jahrhundert. Die für das südamerikanische Land lebenswichtige
Ölförderung sei jedoch nicht beeinträchtigt worden, teilte Ölministerin
Paula Henao mit. Die Naturkatastrophe trifft ein Land, das durch
jahrzehntelange wirtschaftliche und politische Krisen geschwächt ist. Nach
Schätzungen der UN-Migrationsorganisation könnten fast sieben Millionen
Menschen von den Folgen betroffen sein.
## Regierung militarisiert Katastrophenregion
dpa | Angesichts der schweren Schäden im venezolanischen Bundesstaat La
Guaira durch das Doppel-Erdbeben hat die Regierung die Region im Norden des
Landes militarisiert. Die Streitkräfte hätten die Kontrolle übernommen, um
die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Arbeit der
Rettungskräfte zu erleichtern, sagte der Präsident der Nationalversammlung,
Jorge Rodríguez.
Innenminister Diosdado Cabello kündigte die Schließung der Zufahrtsstraßen
nach La Guaira aus humanitären und gesundheitlichen Gründen an. „Es ist
notwendig, dass alles geordnet und entsprechend der aktuellen Lage
abgewickelt wird“, sagte Cabello im Fernsehsender VTV. Damit wolle man
verhindern, dass Menschen dorthin reisten, die dort nichts zu tun hätten.
Ziel sei, gesundheitliche Risiken zu minimieren sowie die Bergungsarbeiten
zu beschleunigen.
Der Bundesstaat nördlich der Hauptstadt Caracas, in dem sich der
internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen Venezuelas befinden,
ist zum Katastrophengebiet erklärt worden. Mehr als 70.000 Familien seien
dort von den Folgen der Katastrophe betroffen, sagte der Innenminister am
Donnerstag.
Bereits im Dezember 1999 wurde La Guaira von einer der schwersten
Naturkatastrophen der modernen lateinamerikanischen Geschichte heimgesucht.
Durch heftige Regenfälle ausgelöste Schlamm- und Schuttlawinen töteten nach
Schätzungen der US-Geologiebehörde USGS bis zu 30.000 Menschen.
## Weitere deutsche Hilfsflüge unterwegs
dpa | Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela mit [3][mehr als 900
Toten] haben sich die ersten Rettungskräfte aus Deutschland auf den Weg ins
Katastrophengebiet gemacht. Weitere Hilfe folgt, wie die Bundeswehr
mitteilte.
An Bord der ersten Transportmaschine befinden sich außer der
Luftwaffen-Crew 26 Angehörige des Technischen Hilfswerks (THW). Dabei
handelt es sich um Bergungsexperten. „Aus Wunstorf werden noch heute drei
weitere Flugzeuge des Lufttransportgeschwaders 62 nach Venezuela starten“,
teilte die Bundeswehr weiter mit.
Zudem sei ein Vorauskommando der Bundeswehr auf dem Weg, um die Lage vor
Ort zu erkunden. „Innerhalb von 24 Stunden haben wir es geschafft, in
Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen vier Maschinen zu planen, zu
beladen und in weiteren 14 Stunden erste Hilfe ins Krisengebiet zu
bekommen“, sagte der Chef des Geschwaders, Oberst Markus Knoll, laut
Mitteilung. Zudem wird die Bundeswehr am Samstag Hilfsgüter der
Organisation Malteser nach Venezuela fliegen.
27 Jun 2026
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