# taz.de -- Oasen der Kühle ganz ohne Klimatechnik: Berliner Kirchen bieten sich kühl an
> Kirchen sind kühle Orte, aber nicht immer offen. Denn das braucht
> Personal – und das kostet. Dennoch öffnen immer mehr Gotteshäuser. Eine
> Stippvisite.
IMG Bild: Trinken und Abkühlen in der Katholischen Kirche St. Josef in Weißensee
[1][Katholische] und Evangelische Kirche in Berlin und Brandenburg
appellieren gemeinsam an ihre Mitgliedsgemeinden, „nach Möglichkeit ihre
geeigneten Kirchenräume niedrigschwellig als Oasen der Kühle zur Verfügung
zu stellen.“ Denselben Appell richten Senat und mehrere Bezirke an die
Gemeinden. Denn Sakralbauten sind aufgrund ihrer baulichen Besonderheiten
ganz ohne Klimatechnik besonders kühl. Viele Menschen leiden unter der
Hitze und würden sich gern in kühlen Räumen aufhalten.
Nur: Kirchen sind fast immer verschlossen. Als Schutz vor Diebstahl an
historisch wertvollen Schnitzereien, Taufbecken und Heiligenbildern sowie
vor Vandalismus und wegen der Haftung bei Unfällen öffnen viele Gemeinden
ihre Kirchen nur, wenn eine Aufsichtsperson nach dem Rechten sieht. Doch
das erfordert Personalkosten, die viele Gemeinden nicht haben.
Somit können sich die allermeisten Gemeinden nicht nach dem Aufruf ihrer
Landeskirchen und des Senats richten, auch wenn sie es gern wollten. Berlin
hat rund 400 Kirchen und Kapellen, fast alle sind kühl. Doch gerade mal
[2][13 evangelische Kirchen] sind an allen Wochentagen geöffnet, einige
wenige weitere an bestimmten Wochentagen oder ab bestimmten
Außentemperaturen. Bei der Katholischen Kirche sieht es nicht besser aus.
Allerdings: Vor zwei Jahren waren lediglich [3][sechs evangelische Kirchen]
wochentags verlässlich für Hitzegeplagte geöffnet.
Zu den offenen Kirchen gehört beispielsweise die [4][Marienkirche], gleich
neben dem Fernsehturm gelegen. Sie ist allerdings in einer ganz anderen
Situation als die allermeisten Gemeinden: Hierher kommen mehrere hundert
Touristen pro Tag, die auch die Kollekte füllen, sagt Pfarrer Michael
Kösling. Von dem Geld kann die Gemeinde einen hauptamtlichen Kirchenwart
anstellen. Somit finden hier Kösling zufolge auch soziale Randgruppen Ruhe
und Schutz: verwirrte Menschen, Alkoholkranke, Obdachlose. „In diesem Jahr
beginnen wir, für diese Menschen Trinkwasser anzubieten. Mal sehen, ob das
angenommen wird.“
## „Das mit dem Hitzeschutz muss sich erst rumsprechen“
Geöffnet ist auch die eher kleine und versteckte [5][Wichern-Kirche] im
Norden von Spandau. „Anwohner nutzen das für Gespräche und nette
Begegnungen, für stille Einkehr“, freut sich Pfarrerin Thea Voß. Dass hier
besonders viele Hitzegeplagte kommen, hat sie aber noch nicht beobachtet.
„Eher kommen im Winter mehr Gäste, die hier Schutz vor Kälte suchen. Das
mit dem Hitzeschutz muss sich erst rumsprechen.“
Sehr gern würde ihre Gemeinde auch die Lutherkirche tagsüber öffnen, die in
der Spandauer Neustadt und damit in einem sozialen Brennpunkt liegt. Hier
wäre der Bedarf an Hitzeschutz sicher viel höher, meint die Pfarrerin.
„Aber das können wir nicht leisten. Wir haben sogar bei geschlossenen
Kirchentüren mit Vandalismus zu kämpfen.“
Auch die [6][Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg] ist das ganze Jahr über
täglich geöffnet, möglich wird das durch ehrenamtliches Engagement der
Gemeindemitglieder und anderer Menschen aus dem Kiez, die nicht alle
Christen sind. An dem Kirchgebäude prangt ein Transparent „Kühler Raum“.
Das hat der Bezirk bezahlt genau wie an anderen kühlen Räumen in
Tempelhof-Schöneberg.
In der Kirche verbringen viele Menschen aus dem Kiez ihre Mittagspause, um
zur Ruhe zu kommen, oft auch um zu meditieren, sagt Pfarrerin Martina
Steffen-Elis. Dass es so schön kühl ist, sei in diesen Tagen besonders
willkommen. Die Diakonie stellt einen Trinkwasserspender.
Transparent und Trinkwasserspender – die finanziellen Mittel, die Gemeinden
bekommen, um ihre Kirchgebäude bei Hitze zu öffnen, sind bescheiden. Von
Kirchen wird ehrenamtliches Engagement erwartet. Tatsächlich leisten
Gemeinden viel ehrenamtliche Arbeit. Doch das hat Grenzen, insbesondere,
weil die Zahl der Kirchenmitglieder immer kleiner wird. Ohne finanzielle
Unterstützung von außen können Gemeinden ihre kühlen Sakralbauten nur
öffnen, wenn sich genug Ehrenamtler finden. Und das wird tendenziell eher
seltener.
Die Opposition kritisiert, dass der Senat zu wenige kühle Orte schafft.
Tobias Schulze, Co-Fraktionsvorsitzender der Linken, sagt: „Der Senat hat
es nicht vermocht, gezielt Kirchen und Einkaufszentren anzusprechen oder
Bibliotheken und Stadtteilzentren entsprechend auszurüsten, um Menschen
aufzunehmen, wenn ihre Wohnungen zu heiß sind.“ Und Werner Graf,
Co-Vorsitzender der Grünen-Fraktion, fordert, bei Hitze Kunstmuseen und
Ausstellungshäuser kostenfrei für alle zu öffnen, da diese ohnehin gekühlt
sind.
28 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Marina Mai
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