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       # taz.de -- WM und kleine Staaten: Turnier der Underdogs
       
       > Diese WM ist ein bisschen anders als die früheren. Vor allem, weil jetzt
       > kleine Staaten mal im Rampenlicht stehen – und ihre Teams gewinnen.
       
   IMG Bild: Das Match Marokko – Haiti endete zwar 4:2, aber wer hätte das gedacht?
       
       Wer wünscht sie sich nicht bei jeder Weltmeisterschaft, die große
       David-gegen-Goliath-Geschichte? Bei der der Underdog das große Wunder
       vollbringt. Und man das Gefühl hat, es gibt sie noch, die Fußballmärchen.
       Bei dieser [1][WM in Nordamerika] hat man dieses Gefühl: Diesmal kommen die
       Kleinen ganz groß raus. Wenn das kleine Kap Verde, auf Weltranglistenplatz
       67, Topfavorit Spanien kein einziges Tor gönnt. Und das, obwohl manch
       spanischer Spieler allein den gleichen Marktwert hat wie das kapverdische
       Team zusammen. Wenn eine [2][haitianische Exilmannschaft es schafft, ihrem
       Land für ein paar Tage Hoffnung und Freude] zu schenken – abseits von
       politischer Instabilität und Bandenkriminalität. Wenn Ecuador und Bosnien
       unter den Freudentränen ihrer Fans in die K.-o.-Runde einziehen. Ja, Länder
       wie Usbekistan und Curaçao überhaupt in Erscheinung treten dürfen. Da muss
       selbst die größte Infantino- und Mega-WM-Kritikerin zugeben, dass man sich
       der Begeisterung nicht entziehen kann.
       
       Diese WM ist tatsächlich ein bisschen eine der Underdogs. Aber eben nur ein
       bisschen. Es sind nämlich genau diese Geschichten, die die aufgeblähte WM
       legitimieren sollen. Und von Trumps menschenverachtender Politik, den
       Folgen fürs Klima, den übertriebenen Ticketpreisen ablenken soll. Aber es
       ist nun mal eben kein Wunder, dass auch das eine oder andere kleine Land
       bei einer WM spielt, für die sich mehr denn je qualifizieren konnten.
       
       Eigentlich fängt die Fußballweltmeisterschaft mit dem Sechzehntelfinale
       jetzt erst richtig an. 32 Mannschaften sind übrig, so viele wie bei der
       letzten WM 2022 in Katar überhaupt qualifiziert waren. Sollte es in den
       kommenden Tagen [3][die DR Kongo], Kap Verde, Bosnien oder Paraguay
       tatsächlich ins Achtel- oder gar ins Viertelfinale schaffen, dann kann man
       tatsächlich von Wundern sprechen.
       
       Viel wahrscheinlicher indes ist, dass sich in wenigen Wochen niemand mehr
       für die Kleinen interessiert. Höchstens, wenn es um den nächsten Urlaub auf
       Kap Verde geht. Oder bei der nächsten globalen Krise.
       
       28 Jun 2026
       
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