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       # taz.de -- Vereinbarung zwischen Israel und Libanon: 14 Punkte und keine Beruhigung der Lage
       
       > Trotz eines Rahmenabkommens für einen möglichen Frieden gehen die Kämpfe
       > im Südlibanon weiter. Israel will sich vorerst nicht zurückziehen.
       
   IMG Bild: Rückkehr-Versuch: Libanes:innen auf dem Weg in die Grenzdörfer im Südlibanon nach Bekanntwerden einer Waffenruhe im Iran-Krieg
       
       Israelische Drohnen surren weiter über Beirut. Hisbollah-Anhänger
       protestieren vor dem Regierungssitz und verbrennen Fotos des
       Ministerpräsidenten. Vertreter aus dem Libanon und Israel haben am Freitag
       in Beisein des US-Außenministers Marco Rubio in Washington ein
       Rahmenabkommen geschlossen, es soll als Vorbereitung dienen für ein
       Friedensabkommen. Beide Länder bekräftigen „ihr gemeinsames Ziel,
       dauerhaften Frieden und Sicherheit zu erreichen“.
       
       Die 14 Punkte sorgen im Libanon aber keinesfalls für Ruhe – im Gegenteil.
       Die Hisbollah sieht darin Verrat, weil das ausgehandelte Abkommen Israels
       Rückzug an die Entwaffnung der Schiiten-Miliz knüpft. Libanons Regierung
       stellt den Deal hingegen als einen ersten Schritt für einen israelischen
       Abzug und einen nachhaltigen Waffenstillstand dar.
       
       Die Bevölkerung im Libanon ist gespalten über den Abkommenstext. Die einen
       sehen es als Befreiungsschlag vom Iran, der die Hisbollah unterstützt und
       [1][ein Friedensabkommen mit den USA seinerseits an eine dauerhafte
       Waffenruhe im Libanon knüpft.] Die andere Hälfte der Libanes:innen
       sieht darin eine Legitimierung der Besatzung von Grenzdörfern durch die
       israelische Armee.
       
       Israels Regierung unterschrieb, „dass sie im Libanon keine territorialen
       Bestrebungen hat“. Doch die militärische Besatzung im Südlibanon wird trotz
       Abkommen weitergehen. Lediglich in zwei „Pilot-Zonen“ will sich Israels
       Militär zurückziehen. Vollständig abziehen werden sie nur dann, wenn
       Libanons Militär die Hisbollah im ganzen Land entwaffnet hat.
       
       ## Ein ähnliches Abkommen gab es 2024 schon einmal
       
       Solch eine Einigung gab es bereits im November 2024: Israel sollte die
       Besatzung beenden, Libanons Regierung versprach, die Hisbollah zu
       entwaffnen. Eine erste Phase im Süden hatte die Regierung für abgeschlossen
       erklärt. Die Hisbollah schoss damals keine Raketen auf Israel, Israel griff
       hingegen täglich an und hielt fünf Gebiete weiterhin besetzt. Die zweite
       Phase stockte, weil die Regierung auf Dialog mit der Hisbollah setzte – um
       keinen Bürgerkrieg zu riskieren.
       
       Die Hisbollah weigert sich, alle Waffen abzugeben. Hisbollah-Chef Naim
       Qassem sagte, das Abkommen sei „null und nichtig“. Iran und die verbündete
       Hisbollah hatten erneut auf das Iran-USA-Abkommen verwiesen, das Libanon
       mit einschließt.
       
       Die Iran-USA-Waffenruhe ist derweil gefährdet. Am Wochenende soll Iran
       einen Öltanker in der Straße von Hormus mit Drohnen angegriffen haben. Das
       US-Militär hatte am Sonntag erklärt, zehn militärische Ziele im Iran
       angegriffen zu haben. Danach attackierte das iranische Militär nach eigenen
       Angaben acht Einrichtungen der US-Armee in Kuwait und Bahrain.
       
       Auch die israelischen Angriffe gehen ungeachtet der Erklärung in Washington
       weiter. Ein Kampfflugzeug habe in Deir Serjan and Tajbeh angegriffen,
       meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA am Sonntag. Ein israelischer
       Soldat sei am Sonntag bei Kämpfen im Südlibanon getötet worden, teilte
       wiederum die israelische Armee mit. Am Samstag tötete ein israelischer
       Angriff in Nabatiäa drei Menschen, so das libanesische
       Gesundheitsministerium. Am Montag soll eine israelische Drohne zwei
       Blendgranaten in den Hof eines Hauses in Braschit geworfen haben, als die
       Familie gerade ihr Haus inspizierte, so die Zeitung L’Orient Le-Jour.
       
       ## Das Recht auf Selbstverteidigung
       
       Das Abkommen schreibt beiden Ländern das Recht auf Selbstverteidigung zu.
       Israel kämpft allerdings nicht gegen das libanesische Militär, sondern
       legitimiert die Angriffe mit dem Kampf gegen die Hisbollah.
       
       Präventive Selbstverteidigung verbietet das Völkerrecht. Staaten dürfen
       sich nur gegen unmittelbar bevorstehende Angriffe wehren. Israels Militär
       höhlt dieses Selbstverteidigungsrecht aus: Unter dem Vorwand, Terroristen
       zu töten, hat es [2][großflächig zivile Infrastruktur im Libanon zerstört]:
       Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Kirchen, Friedhöfe,
       Solarpanele und Strommasten.
       
       Völkerrechtlich gesehen ist Punkt 13 des Washingtoner Abkommens heikel.
       Beide Seiten schließen rechtliche Schritte gegeneinander vor
       internationalen Gerichten aus. Das verhindert zum einen die Strafverfolgung
       der Raketen-Angriffe auf zivile Infrastruktur und Zivilist:innen in
       Israel seitens der Hisbollah. Aber auch Israels völkerrechtswidrige
       Besatzung könnte dann nicht verfolgt werden. Dazu gehört die Zerstörung
       ziviler Infrastruktur und das Töten von mehr als 170 Rettungssanitätern und
       medizinischem Personal, Journalist:innen und über [3][247 Kindern] im
       Libanon seit dem 2. März.
       
       „Es ist beschämend, dass Libanons Regierung, angeführt vom ehemaligen
       Präsidenten des Internationalen Gerichtshofs, die Rechte der Opfer von
       Kriegsverbrechen auf Gerechtigkeit missachtet“, kritisiert Ramzi Kaiss,
       Libanon-Referent bei Human Rights Watch.
       
       Von den über eine Million Binnen-Vertriebenen im Libanon können die
       wenigsten zurück in ihre Dörfer. Israels Militär droht in den Grenzdörfern
       mit Beschuss. Über [4][11.000 Gebäude] und ganze Ortschaften liegen
       komplett in Trümmern.
       
       28 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Verhandlungen-zwischen-USA-und-Iran/!6189914
   DIR [2] /Krieg-im-Libanon/!6164421
   DIR [3] https://news.un.org/en/story/2026/06/1167736
   DIR [4] https://www.undp.org/lebanon/press-releases/rapid-damage-assessment-estimates-over-usd-138-billion-building-damage-across-south-lebanon
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Julia Neumann
       
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