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       # taz.de -- Berliner Seen, nein danke: Das große Seegrausen
       
       > Warum nur wollen alle unbedingt zwischen Boomboxgedröhn und
       > Steroid-Mücken auf toten Wurzeln herumliegen? Unser Autor bleibt lieber
       > zu Hause.
       
       Ob ich [1][„mit zum See“] will, quillt es beständig aus allen Kanälen in
       die schwüle Rekordhitze. Was alle daran finden, erschließt sich mir nicht.
       Allein von der Vorstellung bekomm ich Kreislauf. Ja, baden. Schön. Unterm
       Baum sitzen. Auf unebenem Boden, der jegliche Chance auf Bequemlichkeit im
       Keim erstickt, sodass du nach spätestens einer Viertelstunde Rücken hast
       und eigentlich nur noch Liegen kannst.
       
       Auf Stock, Stein und ungünstig gelegenen Grashubbeln, sehr geil. Von allen
       Seiten krabbeln Insekten in deine Körperöffnungen und -Ritzen und von den
       Berlin-Brandenburgischen Steroid-Mücken fang ich besser gar nicht erst an.
       [2][Weil außerdem die halbe Stadt hier ist,] liegen drei Meter weiter
       irgendwelche Dude-Bros mit beschissener Boombox-Musik und flexen ihre
       Bratwurstmuskeln, damit die Frauen sich verlieben.
       
       Okay, bei 40 Grad im kalten Wasser sein ist schon toll, klar, aber dort
       wirst du nun alle paar Meter von übergriffigen Algen angetanzt, trittst auf
       Steine, manche spitz, oder ein Fisch schwimmt dir blöde zwischen die Beine
       ohne jede Ankündigung. Weiter draußen bist du nur noch ein Kopf, der
       gespenstisch auf der Wasseroberfläche treibt, auf Augenhöhe mit Enten oder
       Schwänen, die plötzlich jedes letzte bisschen Respekt vor dir verlieren.
       
       Also, Leute. Danke, aber keine Chance. Der Preis für dieses erquickende
       Naturerlebnis ist leider zu hoch. Schon der Fahrt im unklimatisierten
       Berliner ÖPNV wegen, um die du als armer Schlucker nicht herumkommst. Macht
       ihr mal, ich bleib zu Hause. Hier habe ich meinen Ventilator, eine Couch,
       ein richtiges Klo, sogar ein Klavier, und der Fisch liegt im Tiefkühlfach
       gleich neben den Eiswürfeln. Letztere lasse ich grinsend in meinen Kaffee
       oder das Gurkenwasser sinken wie auf ’ner fancy Party, bevor ich eure
       liebreizenden Angebote ablehne. Und zur Not ist da immer noch die
       Badewanne.
       
       29 Jun 2026
       
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