# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Der Kreml gerät wegen Ukraine zunehmend unter Druck
> Immer mehr strategische Objekte in Russland stehen in Flammen, die
> Benzinkrise zieht Kreise. Die Kritik am Kreml wächst. Der reagiert wie
> gewohnt.
IMG Bild: Der Kreml (l.) und das Außenministerium (M., Hintergrund) im Zentrum der Hauptstadt, die zunehmend Ziel von ukrainischen Drohnen wird
dpa | Das in der Nacht zum Sonntag ausgebrochene Feuer in einer Raffinerie
im Gebiet Krasnodar ist für viele Russen inzwischen ein vertrautes Bild.
Allein an diesem Wochenende haben die Ukrainer nach eigenen Angaben drei
Anlagen der russischen Ölindustrie mit Drohnen getroffen. Daneben haben
ukrainische Raketen eine Rüstungsfabrik in der Millionenstadt Wolgograd
stark beschädigt. Die [1][ständigen Einschläge] offenbaren wachsende
Probleme der russischen Kriegsführung.
Mehr als 200 ukrainische Drohnen will das russische Militär in der Nacht
abgefangen haben. Allerdings kamen genügend durch, um einen Großbrand in
der Raffinerie in Slawjansk-na-Kubani anzurichten. Das Feuer in der Anlage
bestätigte Gouverneur Wenjamin Kondratjew, der auf seinem Telegramkanal
auch von einem Todesopfer schrieb. Mehrere Häuser, eine Strom- und eine
Gasleitung seien zudem beschädigt worden, teilte er mit.
## Rauchsäulen zeugen von Schäden in der Raffinerie
Auf den in sozialen Netzwerken verbreiteten Bildern und Videos sind Stunden
später noch kilometerhohe schwarze Rauchsäulen über der Raffinerie zu
sehen. Wegen ihrer Lage in unmittelbarer Nähe zur [2][von Russland
annektierten Halbinsel Krim] haben die Ukrainer die Raffinerie schon
mehrfach attackiert und beschädigt.
Auch andere russische Regionen wie Jaroslawl oder Iwanowo nordöstlich von
Moskau meldeten Drohnenangriffe. Während die russischen Behörden keine
Angaben zu den Folgen machten, erklärte [3][der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj] später, auch in Jaroslawl sei eine Raffinerie
angegriffen worden. Ob es Schäden an der Anlage gegeben hat und wie schwer
sie sind, blieb dabei unklar. Die Ukrainer haben die Raffinerie in
Jaroslawl in der Vergangenheit aber schon mehrfach beschädigt, was zu
teuren Reparaturen und längeren Ausfallzeiten führte.
## Wichtige Rüstungsfabrik getroffen
Einen ebenso empfindlichen Schlag landete Kiew einen Tag zuvor in
Wolgograd. Dort attackierte das ukrainische Militär mit Marschflugkörpern
des Typs Flamingo aus eigener Produktion die Rüstungsfabrik
Titan-Barrikady. „Das ist eine äußerst wichtige Fabrik“, betonte der
unabhängige russische Militäranalyst Jan Matwejew. „Sie stellt
Raketenanlagen und Geschosse für die Komplexe Jars, Sarmat, Iskander sowie
für die Panzerhaubitze Msta her“, sagte er.
Jars (Nato-Code SS-27) und Sarmat (Nato-Bezeichnung Satan 2) sind dabei
strategische Waffen, die prinzipiell auch Atomsprengköpfe tragen können.
Daher sei auch anzunehmen, dass die Fabrik an der Entwicklung der neuen
russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik beteiligt gewesen sei, mutmaßt
Matwejew.
## Krise wird ersichtlich
Während der Einschlag in der Rüstungsfabrik spektakuläre Bilder
produzierte, hat der andauernde Beschuss von Ölanlagen im Alltag der Russen
tiefere Spuren hinterlassen: Die Treibstoffkrise, die auf der 2014 von
Russland annektierten Krim ihren Anfang nahm, hat inzwischen fast sämtliche
Regionen des Landes erfasst. Lange Schlangen bilden sich an den
Tankstellen, die noch Benzin verkaufen. Auf der Krim geben die Tankstellen
derweil Treibstoff gar nicht mehr an Privatpersonen ab.
Nach den Internetabschaltungen ist dies nun das zweite offensichtliche
Zeichen auch für große Schichten der Bevölkerung, dass der 2022 von
Präsident Wladimir Putin befohlene Krieg bei weitem nicht so läuft wie
gedacht. Die Kritik mehrt sich – selbst bei eingefleischten Patrioten.
## Neuer Kritiker erst einmal hinter Gittern
Hatte im April die eigentlich auf Lifestyle-Themen spezialisierte Bloggerin
Viktoria Bonja moniert, dass hohe Beamte aus Angst vor Putin diesem
Probleme verheimlichten, meldete sich nun ein Ex-Frontsoldat zu Wort.
Er forderte auf der in Russland eigentlich verbotenen Plattform Instagram
ultimativ ein Treffen mit Putin, um ihm „die ganze Wahrheit über das, was
bei uns im Land passiert“, zu sagen. An der Front würden Soldaten von ihren
Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt, klagte er. Sollte sich der
Kremlchef weigern, drohte er mit „ernsten Konsequenzen“. Die Armee würde
dann ihre Waffen auf den Kreml richten, sagte er. Wie bei Bonja wurde auch
dieses Video vielfach gesehen und geliked.
Im Gegensatz zu Bonja, auf deren Kritik der Kreml sich zur Versicherung
genötigt sah, die Probleme seien bekannt und in Arbeit, reagierte die
russische Obrigkeit diesmal in bewährter Manier. Die Polizei durchsuchte
das Haus des Militärbloggers und nahm ihn anschließend in Ordnungshaft –
zunächst einmal für elf Tage.
28 Jun 2026
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