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       # taz.de -- Blockaden und Demonstrationen: Zehntausende wollen gegen AfD-Parteitag protestieren
       
       > Gegen den AfD-Parteitag am Wochenende in Erfurt mobilisiert Widersetzen
       > zu Blockaden. Die Behörden reagieren mit einem Versammlungsverbot.
       
   IMG Bild: Gegenproteste zum Bundesparteitag der AfD in Riesa am 11. Januar 2025
       
       Mehrere Bündnisse haben zum Protest gegen den geplanten AfD-Bundesparteitag
       in Erfurt am kommenden Wochenende aufgerufen. Bunte Veranstaltungen in der
       Stadt plant das Bündnis Zusammenstehen. Das Bündnis Widersetzen hat
       angekündigt, den Parteitag mittels Blockaden zu verhindern. Beide haben
       bundesweit nach Erfurt mobilisiert. Insgesamt rechnen die Behörden mit
       Zehntausenden Demonstrant:innen.
       
       Busse mit Aktivist:innen werden aus etwa 60 Städten erwartet, erklärt
       Widersetzen der taz auf Anfrage. Das Ziel sei, mit so vielen
       Aktivist:innen zu protestieren, dass die „Polizei uns nicht mehr
       stoppen kann“. In einem vom [1][Bündnis veröffentlichten Strategiepapier]
       ist von „Massenblockaden und technischen Blockaden“ die Rede. Sie sollen
       „gleichzeitig, flexibel organisiert und zu unübersichtlich für eine
       schnelle Räumung durch die Polizei sein“. Das habe sich bei früheren
       Protesten bewährt.
       
       Schon bei den vergangenen großen AfD-Veranstaltungen organisierte das
       Bündnis nach eigenen Angaben „ungehorsame Massenaktionen“. Laut Behörden
       verzögerten Tausende Menschen mit 23 Blockaden auf [2][Zufahrtsstraßen im
       Januar 2025 den AfD-Bundesparteitag] im sächsischen Riesa um zwei Stunden.
       Ähnlich lief es wenige Monate später im November im hessischen Gießen, als
       sich die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gründete. An
       diesem Wochenende plant das Bündnis, alle Zufahrtswege [3][zum
       AfD-Parteitag in der Messehalle] zu blockieren.
       
       Am Montag hat das Landesverwaltungsamt Thüringen vor diesem Hintergrund
       Kundgebungen und Demonstrationen zwischen Messehalle und der nahegelegenen
       Autobahn untersagt. Das Bündnis hat angekündigt, dagegen juristisch
       vorzugehen oder sich über das Verbot hinwegzusetzen.
       
       ## Größte Versammlung auf dem Messeparkplatz
       
       Insgesamt sind laut Stadtverwaltung mehr als 30 Versammlungen in Erfurt
       angemeldet. Die größte ist eine Kundgebung des Bündnisses Zusammenstehen ab
       6 Uhr auf dem Parkplatz der Messe mit voraussichtlich 15.000
       Teilnehmer:innen.
       
       Den Aufruf von Zusammenstehen haben rund 190 Organisationen und
       Einzelpersonen unterschrieben. Mit dabei sind mehrere DGB-Gruppen,
       Parteien, Omas gegen rechts, der evangelische Jugendbund in
       Mitteldeutschland und Vereine wie der Kinoklub Erfurt. [4][Online bewirbt
       Zusammenstehen rund 70 Veranstaltungen] für das Wochenende, darunter
       „Kaffeetrinken wie bei Oma“ am Freitagnachmittag, eine antifaschistische
       Stadtführung am Freitag sowie eine familienfreundliche Kundgebung auf dem
       Theaterplatz.
       
       Hinzu kommen an dem Wochenende noch zwei Konzerte auf dem Domplatz: am
       Freitag Roland Kaiser und am Samstag der Erfurter Musiker Clueso. Beide
       sprachen sich zuletzt gegen die AfD aus.
       
       ## Kritik an Blockaden von links
       
       Die breiten Proteste hat die autoritär nationalradikale Partei vergangene
       Woche selbst im Thüringer Landtag auf die Tagesordnung gesetzt. In einem
       Antrag forderte sie unter anderem, die Landesregierung solle ein
       Sicherheitskonzept für den AfD-Bundesparteitag vorlegen und sich nur
       neutral dazu äußern. Mit „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ sei in Erfurt zu
       rechnen. [5][Innenminister Georg Maier (SPD)] stachle die Proteste auf,
       behauptete unter anderem der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.
       
       Dabei hatte sich [6][derselbe Innenminister Maier in den Wochen] zuvor
       immer wieder öffentlich an Aktivist:innen gewandt und gegen Blockaden
       positioniert. Er verstehe, dass Menschen gegen eine Partei demonstrieren
       wollten, die sie für verfassungsfeindlich halten. Aber dabei sollten sie
       nicht gegen das Versammlungsrecht verstoßen. „Das macht den Protest
       unglaubwürdig und nützt [7][letztendlich nur der AfD]“, wiederholte Maier
       vor einer Woche im Landtag.
       
       Kurz danach forderte auch der ehemalige Ministerpräsident von Thüringen,
       Bodo Ramelow (Linke), einen friedlichen Protest. Gegenüber dem
       Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erklärte er, am Samstag sollten sich
       Demokrat:innen unterhaken.
       
       Ähnlich äußerte sich laut RND Jens-Christian Wagner, Leiter der
       KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Zwar sagte er: „Gegen eine antidemokratische
       Partei wie die AfD ist auch ziviler Ungehorsam legitim.“ Aber die
       angekündigten Blockaden erzeugten voraussichtlich Bilder von „einer
       [8][angeblich gewalttätigen und undemokratischen Linken]“, genau solche
       Bilder, die sich die AfD herbeisehne.
       
       Der Historiker Wagner wies noch darauf hin, dass vor 100 Jahren die NSDAP
       ihren ersten Parteitag nach dem Parteiverbot im wenige Kilometer entfernten
       Weimar abgehalten hat. „Ich glaube der AfD nicht, dass dieses Datum und
       dieser Ort Zufall sind“, so Wagner.
       
       Ramelow und er gehören zu den Unterzeichner:innen des Demo-Aufrufs von
       Zusammenstehen. Mit dabei sind auch der SPD-Landesverband, dem Georg Maier
       als Landeschef vorsteht, und das Bündnis Widersetzen selbst.
       
       Am Montag erklärte Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner, Blockaden in der
       Öffentlichkeit seien ein absolut legitimer Protest. Es sei möglich, ohne
       Gewalt zu blockieren. Das unterstütze die Linke. Bei der AfD handle es sich
       um „Demokratieverächter, und dagegen kann man dann auch auf die Straße
       gehen“.
       
       Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Geschäftsführer der
       Kampagnenorganisation Campact, Christoph Bautz, erklärten [9][dem Spiegel],
       dass sie an den „friedlichen Sitzblockaden“ von Widersetzen teilnehmen
       wollen. Die Zivilgesellschaft müsse sich gegen Angriffe auf die Verfassung
       wehren, erklärten die beiden demnach und verwiesen auf [10][ein
       wissenschaftliches Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte]. Das
       kommt zu dem Ergebnis: Die AfD ist nachweislich verfassungswidrig.
       
       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://widersetzen.com/wp-content/uploads/2026/04/StrategieVorschlagErfurt.pdf
   DIR [2] /Protest-gegen-AfD-Parteitag/!6058447
   DIR [3] /Ulrich-Siegmund-und-Co/!6187384
   DIR [4] https://www.zusammenstehen.org/lageplan/
   DIR [5] /Thueringens-Innenminister-ueber-Parteiverbot/!5899221
   DIR [6] /Protest-gegen-AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6189326
   DIR [7] /Polizeieinsatz-in-Giessen/!6134956
   DIR [8] /Pruegelei-beim-AfD-Treffen-in-Giessen/!6139896
   DIR [9] https://www.spiegel.de/politik/luisa-neubauer-will-an-sitzblockaden-teilnehmen-um-den-afd-parteitag-so-lange-wie-moeglich-aufzuhalten-a-d2cdee03-4689-4c07-8193-b5f7a30eb253
   DIR [10] https://afd-gutachten.de/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR David Muschenich
       
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