# taz.de -- AfD-Niederlagen im Kommunalen: Weiter kein AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt
> Im Saalekreis wollte die AfD ihren ersten Landrat stellen, doch es
> gewinnt ein CDU-Mann. Nicht die einzige Niederlage für die Partei.
IMG Bild: Setzte im Wahlkampf auf seine Erfahrung – und besiegte so die AfD: CDU-Kandidat Sven Czekalla
Er wollte der erste Landrat der rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt
werden: [1][Polizist Uwe Arendt]. Am Sonntag stand der 59-Jährige in der
Stichwahl im dortigen Saalekreis gegen CDU-Bewerber Sven Czekalla, nachdem
er den ersten Wahlgang gewonnen hatte. Doch nun unterlag Arendt recht
deutlich: mit 45,6 zu 54,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei niedrigen
44,9 Prozent, wohl auch der Hitze geschuldet.
AfD-Mann Arendt zeigte sich in einer Videobotschaft enttäuscht: „Hat leider
nicht sollen sein.“ Angesichts aller anderen Parteien gegen sich und
„Schmutzkampagnen“ sei das Wahlergebnis aber „in Ordnung“. Wahlgewinner
Czekalla, bisher CDU-Landtagsabgeordneter, bedankte sich bei allen
Unterstützern – auch bei den Parteien von Linken bis FDP, die sich in der
Stichwahl hinter ihn gestellt hatten. „Wir sind Landrat geworden“, sagte
Czekalla kurz nach seinem Sieg laut Mitteldeutscher Zeitung.
Czekalla hatte im Wahlkampf seine politische und wirtschaftliche Erfahrung
betont: Der studierte Volkswirt war bereits Ortsbürgermeister des kleinen
Krumpa, arbeitete früher für eine IT-Firma, warb für Zusammenhalt im
Landkreis. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich seit mehr als 25 Jahren bei
der Freiwilligen Feuerwehr. „Landrat sein ist kein Experiment“, prangte auf
Czekallas Werbebildern.
AfD-Kandidat und Polizist Arendt setzte dagegen auf die Themen Sicherheit
und Familie. „Ohne Kinder sterben wir aus“, erklärte Arendt im Wahlkampf.
Mit Überwachung und „Inkognito-Streifen“ wollte er gegen Graffiti-Sprayer
und Umweltsünder vorgehen, Geflüchtete zu gemeinnütziger Arbeit
verpflichten und das Netzwerk Weltoffener Saalekreis „dichtmachen“.
## Rassistischer Ausfall des AfD-Manns im Polizeidienst
[2][Vor der Wahl hatte die taz enthüllt], dass Arendt im Jahr 2022 im
Polizeidienst bereits rassistisch aufgefallen war: Er hatte Praktikanten
mit Migrationsbiografie als „K*nacken“ bezeichnet. Sein eigener
Vorgesetzter zeigte ihn daraufhin an. Die Ermittlungen wegen
Volksverhetzung wurden später indes eingestellt, weil eine nötige
Öffentlichkeit für dieses Delikt fehlte. Auch eine Disziplinarstrafe von
200 Euro hob ein Gericht später auf, weil sich Arendt einsichtig gezeigt
habe. Die Mitteldeutsche Zeitung hatte zuvor bereits berichtet, dass gegen
Arendt auch aktuell ein Disziplinarverfahren läuft – weil er trotz
monatelanger Krankschreibung Termine für die AfD wahrgenommen haben soll.
Vor der Stichwahl hatte auch [3][Sachsens-Anhalts AfD-Anführer Ulrich
Siegmund] zur Wahl Arendts aufgerufen. „Ihr könnt Geschichte schreiben mit
dem ersten AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt“, warb er um Stimmen. Siegmund
selbst ist AfD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, wo die Partei mit 41
Prozent in Umfragen nah an der absoluten Mehrheit liegt. Für die AfD war
die Wahl im Saalekreis ein letzter Stimmungstest vor der Landtagswahl im
September – und ein Dämpfer.
Sven Schulze, CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, kommentierte den Sieg
seines Parteikollegen entsprechend. „Es zeigt: Wenn man kämpft, bekommt man
andere Ergebnisse als vorhergesagt.“ Zuvor hatte auch der frühere
CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff zur Wahl von Czekalla aufgerufen:
Dieser sei ein Leistungsträger in der CDU-Fraktion, gut vernetzt, und habe
sich immer für den Saalekreis eingesetzt.
## AfD-Niederlagen auch anderswo
Für die AfD war es nicht die einzige Niederlage am Sonntag. In
Sachsen-Anhalt ging auch die Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde
Mansfelder Grund-Helbra für die rechtsextreme Partei verloren. Hier
besiegte der CDU-Kandidat Gerd Wyszkowski den AfD-Bewerber Gunter Wakan in
der Stichwahl – mit 54,6 zu 45,4 Prozent. Auch Wyszkowski hatte seine
Verwaltungserfahrung und seine vielen Kontakte betont. Die SPD hatte sich
hinter ihn gestellt und seine kommunikative Art gelobt – während Wakan „im
vergangenen Jahrzehnt auf allen erdenklichen Ebenen für Stagnation und
Rückschritt eingetreten ist“. Im ersten Wahlgang hatte AfD-Kandidat Wakan
noch vorne gelegen.
Zudem erlitt die AfD eine Niederlage auch in Brandenburg, bei der
Landratswahl in Ostprignitz-Ruppin. Dort gewann Amtsinhaber Ralf Reinhardt
(SPD) mit 60,6 Prozent sehr deutlich vor AfD-Herausforderer Torsten Arndt,
der 39,4 Prozent bekam. Er freue sich „riesig“, sagte Reinhardt dem RBB. Er
versprach, der „Landrat aller Bürger“ zu sein und tritt nun seine dritte
Amtszeit an. Auch CDU und Grüne hatten für den SPD-Mann geworben, die Linke
„keine Stimme für die AfD“ postuliert. Das BSW hatte beide Kandidaten
abgelehnt und zum Boykott der Stichwahl aufgerufen. Mit dem Sieg von
Reinhardt stellt die AfD in Brandenburg weiterhin keinen Landrat.
Zu guter Letzt scheiterte die AfD auch im sächsischen Bernsdorf. Dort wurde
der AfD-Kandidat bereits Ende Mai im ersten Wahlgang nur Drittplatzierter
und trat in der Stichwahl am Sonntag nicht mehr an. Die gewann nun Frank
Jurisch (Freie Wähler), ein Betriebsleiter, mit 60,3 Prozent gegen den
CDU-Kandidaten Thomas Haink. Letzterer hatte im Wahlkampf mit seiner
Erfahrung und Bekanntheit geworben. Jurisch dagegen trat mit dem Slogan
„weniger versprechen, mehr erreichen“ auf, warb für Bürgerentscheide und
absolvierte Arbeitseinsätze in den Ortsteilen.
Für die AfD setzt sich damit eine [4][Niederlagenserie bei Wahlen] zu
Bürgermeister- und Landratsposten in Ostdeutschland fort: Von 32 Wahlen
seit Jahresbeginn konnte die Partei nur zwei gewinnen, in Altenberg
(Sachsen) und in Zehdenick (Brandenburg). Bei allen anderen 30 Wahlen
gewannen die demokratischen Bewerber.
29 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Konrad Litschko
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