# taz.de -- Gemeinderatswahl in Österreich: Graz bleibt dunkelrot
> Die Kommunistin Elke Kahr bleibt Bürgermeisterin von Graz, ihre Partei
> legt sieben Prozentpunkte zu. Wie kommen Österreichs Linke auf solche
> Werte?
IMG Bild: Erfolg! Die Grazer KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr (r.) nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse
Als der ORF am späten Sonntagnachmittag die erste Hochrechnung der Grazer
Gemeinderatswahlen einblendet, geht ein kurzes und heftiges Jubeln durch
die Reihen. Die Luft im Cafe „Parkhouse“ im Stadtpark am heißesten Tag des
Jahres ist heiß, das Bier kühl, die Menge jung. „[1][GanzGraz]“, ein neuer
Lokalnewsletter der Stadt, hat zur Wahlparty eingeladen. Jemand verteilt
Popcorn in Pappbechern.
Aufatmen beim Publikum. Man hat es geahnt, aber jetzt ist da Gewissheit:
[2][Die Kommunistin Elke Kahr] bleibt Bürgermeisterin. Ihre KPÖ hat mit
35,8 Prozent im Vergleich zu 2021 sieben Prozentpunkte und drei Mandate im
Stadtsenat dazugewonnen. Wie zum Teufel schaffen diese Grazer Genossen es,
in Zeiten von Rechtsruck und Politikverdrossenheit solche Rekordwerte
aufzustellen? „Im Rest Österreichs scheinen manche zu glauben, jemand würde
den Grazer:innen etwas ins Wasser mischen“, schrieb Der Standard.
Müsste man den kommunistischen Erfolg auf zwei Schlagwörter
herunterbrechen, würden diese lauten: Integrität und Bezahlbarkeit.
Bezahlbares Wohnen und soziale Absicherung sind die Themen, die die Leute
bewegen und die die KPÖ seit zwei Jahrzehnten im Stadtrat glaubwürdig
vertritt, ohne sich selbst zu bereichern. Sie sind auch das Feld, auf dem
ein Sieg gegen die Rechte möglich wurde. Und dann ist da die Person selbst:
Elke Kahr, 64 Jahre alt, die auf Fragen nach Versprechen regelmäßig
antwortete, von Wahlversprechen würde sie nicht viel halten.
Die anderen Parteien kamen weniger gut weg: Die konservative ÖVP landete
zehn Punkte hinter der KPÖ mit 25,3 Prozent auf Platz zwei und verlor
leicht, die Grünen kamen auf 14,8 Prozent. Die rechtsradikale FPÖ gewann
1,6 Prozentpunkte hinzu und erreichte 12,2 Prozent – etwas mehr als bei der
letzten Wahl, aber weniger als befürchtet. Ein historisches Tief erfuhr die
sozialdemokratische SPÖ mit nur noch 5,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag
bei ernüchternden 51,9 Prozent.
## Die deutsche Linke schaut auf die KPÖ
Weil Kommunisten und Grüne alleine bisher keine Mehrheit für eine Koalition
hatten, regierten sie mit Unterstützung der SPÖ im Gemeinderat, die selbst
aber wenig ausrichten konnte. Dank der gewonnenen Mandate kommen die KPÖ
und die Grünen jetzt auf eine eigene, knappe Mehrheit. Dabei hatte das
Grünen-Thema Verkehr für Konflikte gesorgt: ÖVP und FPÖ hatten der
Vizebürgermeisterin immer wieder ihre autofeindliche Politik vorgeworfen.
Kahr blieb von dieser Kritik verschont.
Ein paar Gehminuten von der Wahlparty im „Parkhouse“ weg steht Elke Kahr
mit Handfächer im Rathaus, sie hat ihren Sohn und die Enkelin mitgebracht.
Die Stimmung ist locker, man scherzt und lacht. Auch aus Deutschland ist
Besuch da: Die Vorsitzende der Linken, [3][Ines Schwerdtner,] ist
angereist, um ihren Lebensgefährten Robert Krotzer zu unterstützen, der
auch Stadtrat in Graz und Kahrs designierter Nachfolger ist.
## Linke-Chefin Schwerdtner ist auch da
„Wer Kahr wählt, bekommt Krotzer“, hatte die Opposition im Wahlkampf
getrommelt und versucht, damit Stimmung gegen die KPÖ zu machen. Standhaft
hielt sich das Gerücht, Kahr werde wegen ihres Alters nach der halben
Amtsperiode an den weniger charismatischen Gesundheitsstadtrat Krotzer, 39,
abgeben. Bei der Pressekonferenz bestätigte Kahr aber: „Solange ich gesund
bin, mache ich weiter – und sonst höre ich früher auf.“ Ihr Mann, selbst
langjähriger Parteisekretär, scherzte gegenüber einer Regionalzeitung, er
würde weiterhin „das Leben einer vernachlässigten Hausfrau führen“.
Erst vor Kurzem war eine Delegation der Berliner Linkspartei nach Graz
gereist, um aus den Erfolgen der KPÖ zu lernen, schon seit Längerem nehmen
sich die Deutschen die KPÖ mit ihren Konzepten von günstigem Gemeindebau
und [4][Gehaltsdeckeln für Mandate] ausdrücklich zum Vorbild. Auf dem
Parteitag in Potsdam Mitte Juni wurde nach heftiger parteiinterner
Diskussion schließlich ein Kompromissantrag beschlossen, [5][der eine
Begrenzung der Abgeordnetendiäten auf ein „Durchschnittsgehalt“
beschlossen], der Rest soll in einen Sozialfonds eingezahlt werden.
Aber eine gutbürgerliche Stadt mit 300.000 Einwohner:innen als Vorbild
für ganz Europa – funktioniert das?
Ja, sagt Krotzer. „Es gibt eine große Sehnsucht bei vielen Menschen nach
einer anderen Form der Politik, die sich abkehrt vom Betrieb, der in erster
Linie für sich selbst da ist. (…) Greifbar sein für Leute, sie nicht mit
ihren Sorgen alleinlassen, die konkrete Verbindung von Dasein im Alltag und
den großen Fragen unserer Zeit.“ Die jüngsten Erfolge linker Bewegungen in
Ländern wie den Niederlanden, wo sich eine [6][grün-rotes Parteienbündnis
gegen Rechts zusammengeschlossen] hat, und in Deutschland, wo [7][die
Linkspartei gerade bei jungen Menschen im Aufwind] ist, aber auch die
[8][Bürgermeisterwahl in New York]: Sie geben ihm recht. Mitarbeit: Adrian
Engel
Transparenzhinweis: Die Autorin Marina Klimchuk gehört zum Team des
Lokalnewsletters GanzGraz.
29 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://ganzgraz.at/
DIR [2] /Gemeinderatswahl-in-Graz/!6190565
DIR [3] /Linken-Chefin-Ines-Schwerdtner-vor-Wahl/!6069392
DIR [4] /Diaetendeckel-Debatte-in-der-Linkspartei/!6188678
DIR [5] https://www.tagesschau.de/inland/linke-gehaltsdeckel-100.html
DIR [6] /Neues-Linksbuendnis-in-den-Niederlanden/!6186565
DIR [7] /Mitgliederstudie-der-Linkspartei/!6125408
DIR [8] /Amtseinfuehrung-von-Zohran-Mamdani/!6142182
## AUTOREN
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österreichischen Graz. Sie hat ein Faible für unkonventionelle Lösungen.