# taz.de -- Entwicklungspolitik im Globalen Süden: Streitbare Demokratin
> Laura Chinchilla, Ex-Präsidentin von Costa Rica, soll die
> entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission leiten – gemeinsam mit Kanzler
> a. D. Olaf Scholz.
IMG Bild: Kann bestimmt auch gut mit Ex-Kanzlern: Die Ex-Präsidentin von Costa Rica, Laura Chinchilla
Zuletzt war Laura Chinchilla Miranda wieder als Netzwerkerin gefragt. Als
Präsidentin des Club de Madrid, wo sich mehr als 100 Ex-Präsident:innen für
die Stärkung der Demokratie engagieren, war sie aktiv und warnte vor der
„demokratischen Rezession“, die weltweit zu beobachten sei. Ein typischer
Einsatz für die 67-jährige Ex-Präsidentin von Costa Rica (2010–2014), die
auch die Demokratie in ihrem Heimatland in Gefahr sieht. Statt
demokratische Institutionen zu stärken, sei das Gegenteil in der gesamten
Region zu beobachten, sagte Chinchilla.
Der Staat und seine Institutionen werden geschwächt, teilweise übernommen
und instrumentalisiert, kritisierte Chinchilla. Parallel dazu sei [1][die
organisierte Kriminalität auf dem Vormarsch]. Das ist auch in Costa Rica
nicht zu übersehen, denn die Hauptstadt San José zählt nicht mehr wie
früher zu den sichersten Städten in der Region, sondern wartet mit einer
Mordquote auf, die früher undenkbar war.
Dafür macht Chinchilla [2][ihre politischen Nachfolger verantwortlich, die
sich eher „bekämpfen als nach Kompromissen suchen“], schrieb sie vor Kurzem
auf der Plattform X. Populismus sei nicht nur in Lateinamerika auf dem
Vormarsch, für die Bekämpfung der Ursachen von Kriminalität und
Bandenpräsenz werde zu wenig getan. Sicherheits-, aber auch Klimapolitik
gehören zu den Fachgebieten der Politikwissenschaftlerin mit juristischem
Staatsexamen.
## Internationale Jobs ergattert
Ihre fundierte Ausbildung und ihre Vielseitigkeit haben früh dafür gesorgt,
dass die Tochter des obersten Rechnungsprüfers von Costa Rica, Rafael Ángel
Chinchilla, international Jobs ergatterte. Sie arbeitete als Beraterin für
Justiz- und Sicherheitsfragen sowohl für internationale Organisationen in
Lateinamerika als auch in Afrika. Als Sprecherin von internationalen Foren
zu öffentlicher Sicherheit und Polizeireformen sammelte sie Erfahrungen und
internationale Kontakte.
Nun wird Chinchilla – gemeinsam mit einem gewissen Kanzler a. D. Olaf
Scholz – ab Dienstag der 20-köpfigen entwicklungspolitischen
Nord-Süd-Kommission vorsitzen. Die soll im Wesentlichen Möglichkeiten der
Zusammenarbeit zwischen dem Globalen Süden und der Nordhälfte der Erdkugel
ausloten. „Wenn Deutschland auch in Zukunft global mitgestalten will,
brauchen wir stabile Partnerschaften mit Ländern des Globalen Südens“,
hatte Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) der von der
Bundesregierung eingesetzten Kommission mit auf den Weg gegeben.
## Bestens vernetzt
Chinchilla ist jedenfalls bestens vernetzt: Von 1994 bis 1996 war sie
Vizejustizministerin in Costa Rica, später Ministerin für öffentliche
Sicherheit in der Politik. 2006 dann, unter Friedensnobelpreisträger Óscar
Arias, Vizepräsidentin.
2010 kandidierte sie für das höchste Staatsamt und wurde schließlich mit 47
Prozent der Wähler:innenstimmen zur ersten Präsidentin des
mittelamerikanischen Landes gewählt. Unter ihrer Regie wurde die
gleichgeschlechtliche Ehe in Costa Rica ermöglicht; auch als Umwelt- und
Klimaschützerin erwarb sich die Präsidentin des mittelamerikanischen Landes
internationale Expertise.
Das hat Laura Chinchilla, die verheiratet ist und einen Sohn hat, nach
ihrem Ausscheiden aus der Politik ihres Landes auf internationaler Ebene
immer wieder Jobs eingebracht. Dabei agiert sie als streitbare Demokratin,
die für ein liberales Wirtschaftsmodell eintritt und in der Lage ist,
Kompromisse auszuhandeln – nicht die schlechteste Eigenschaft für ihren
neuen Job, der auf multilaterale Partnerschaften setzt. Ein Ansatz, der in
der aktuellen Geopolitik der Stärke zuletzt etwas aus der Mode geraten ist.
29 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Knut Henkel
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