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       # taz.de -- Transformation der Stahlindustrie: Grüner Stahl ist hart, aber schutzbedürftig
       
       > Der Staat solle die Produktion klimafreundlichen Stahls besser
       > unterstützen. Das fordern gewerkschaftsnahe Ökonomen in einer neuen
       > Studie.
       
   IMG Bild: Stahlarbeiter aus dem Saarland protestieren für niedrigere Energiepreise und gegen Änderungen beim grünen Stahl im Juni 2026
       
       Stahl: ein notwendiges, aber gefährdetes Produkt. Aus dem Alltag ist aus er
       nicht wegzudenken, er steckt zum Beispiel in Autos, Zügen, Häusern und
       Maschinen. Ob künftig hierzulande noch genug davon hergestellt wird, steht
       allerdings auf einem anderen Blatt. Deshalb haben die Ökonomen Tom Krebs
       und Patrick Kaczmarczyk von der Uni Mannheim analysiert, wie sich die
       [1][Stahlproduktion] in Deutschland und Europa bewahren ließe.
       
       Ihre Studie im Auftrag der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung sendet
       eine Botschaft an die Bundesregierung: Sie sollte mehr tun, um die
       Stahlindustrie abzusichern. Wenn die Produktion in 20 bis 30 Jahren
       vornehmlich mit klimafreundlichem Wasserstoff laufen soll, dann seien noch
       einige politische Rahmenbedingungen zu erfüllen.
       
       Denn Deutschland und die EU wollen bis 2045 beziehungsweise 2050
       klimaneutral werden, was im Prinzip auch für die Wirtschaft und damit die
       Stahlfirmen gilt. Doch die CO₂-freie Stahlherstellung mit Wasserstoff aus
       Ökostrom ist noch teurer als die konventionelle Schmelze mit Kokskohle.
       Daher sind staatliche Rahmensetzungen und Förderungen hilfreich. Einige
       Maßnahmen existieren bereits, doch Krebs und Kaczmarczyk zufolge reichen
       diese nicht aus.
       
       Da ist zunächst der sogenannte Industriestrompreis. Mit Genehmigung der EU
       will die Bundesregierung die Stromkosten für bestimmte Produktionsfirmen
       auf fünf Cent pro Kilowattstunde heruntersubventionieren. Das hilft, die
       hierzulande vergleichsweise hohen Stromrechnungen zu drücken und Nachteile
       in der internationalen Konkurrenz auszugleichen. Patrick Kaczmarczyk hält
       die Begrenzung des Industriestrompreises auf zunächst drei Jahre aber für
       zu eng. Die Maßnahme müsse länger laufen.
       
       ## Ökonomen fordern Industriewasserstoffpreis
       
       Eine ähnliche Förderung halten die beiden Wirtschaftsexperten bei grünem
       Wasserstoff für nötig. Einen Preis von 12 Cent pro Kilowattstunde solle der
       Staat den Stahlproduzenten garantieren, um die Kosten des neuen Rohstoffs
       kalkulierbar zu machen. Diese politische Diskussion steckt noch in den
       Kinderschuhen.
       
       Als weitere Maßnahme erwähnt die Studie eine staatliche
       Selbstverpflichtung, für öffentliche Bauten klimaneutralen Stahl
       einzukaufen. Das schüfe eine Nachfrage für das neue Produkt. Die
       EU-Kommission diskutiert darüber, so etwas zu ermöglichen. Auch [2][höhere
       Importzölle auf billigen ausländischen Stahl] kommen infrage. Ein solcher
       Schritt tritt ab 1. Juli bereits in Kraft. Das alles könnte dazu dienen,
       die hiesigen Hochöfen abzusichern und das heutige Produktionsniveau von
       ungefähr 40 Millionen Tonnen Rohstahl in die Zukunft zu retten. Krebs und
       Kaczmarczyk haben berechnet, dass bisher erst gut die Hälfte der
       Stahlkapazität auf einigermaßen sicherem Boden steht.
       
       Dass ein solches Unterstützungsprogramm wünschenswert sei, beruht auf
       bestimmten Annahmen. Ein wesentliches Argument ist die
       Technologieführerschaft: Demnach ist die Wasserstoffwirtschaft eine
       Zukunftsbranche, die Deutschland Umsätze, Gewinne und Arbeitsplätze
       bescheren wird – etwa mittels des Verkaufs von Elektrolyseuren, die
       Wasserstoff herstellen. Auch das Produkt grüner Stahl an sich könnte später
       sehr gefragt sein. Zusätzlich geht es um die industrielle Souveränität: Bei
       einem zentralen Produkt wie Stahl dürften Deutschland und Europa nicht zu
       sehr von ausländischer Fertigung abhängig werden. Und schließlich wird
       angeführt, dass es der gesellschaftlichen Stabilität dient, gut bezahlte
       Arbeitsplätze in traditionellen Industrieregionen zu erhalten.
       
       Das kann man alles auch anders sehen. Dann sparte sich der Staat die
       Fördermilliarden zugunsten der Stahlindustrie und nähme in Kauf, dass der
       Rohstoff größtenteils importiert würde. Allerdings fände die
       [3][Wertschöpfung in China], Indien, den USA oder anderen Ländern statt.
       Und die europäischen Maschinen-, Auto- und Flugzeugbauer wären angewiesen
       auf das Wohlwollen dieser Lieferanten.
       
       29 Jun 2026
       
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