# taz.de -- Russlands Rückkehr auf die Fußballbühne: Raus aus der Nische
> Russland ist im Weltfußball außen vor. Zu einer Art Jugend-WM im Oktober
> wird das Land nun eingeladen. Es könnte das Ende der Sanktionen
> einleiten.
IMG Bild: Russlands letzter Fußballstar: PSG-Keeper Matwei Safonov bei der Siegerehrung nach dem Champions-League-Finale in Budapest
Es war eine Nachricht, die mitten im WM-Trubel nur für kleine Schlagzeilen
gut war. Am Freitag wurde bekannt, dass der Internationale Fußballverband
alle 211 Mitgliedsverbände zu einem Turnier für U15-Teams einladen wird.
Auch Russland ist bei dem Event, das im Oktober in Aserbaidschan
stattfindet und sich „World Cup and Festival“ nennt, ausdrücklich
willkommen. Seine Teilnahme wäre eine Premiere nach mehr als vier Jahren
Bann. Russische Mannschaften waren kurz nach dem Überfall Russlands auf die
Ukraine im Februar 2022 von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen
worden.
Seitdem ist Russland nicht mehr als ein Zaungast im Weltfußball. Auch wenn
es immerhin noch einen russischen Superstar gibt: Matwei Safonow. Der hat
für den größten Erfolg des russischen Fußballs in der jüngeren
Vergangenheit gesorgt. Als [1][Paris Saint-Germain am 30. Mai in Budapest
das Finale der Champions League gegen den FC Arsenal gewonnen] hat, stand
der Russe im Tor der siegreichen Elf. In seiner Heimat wird er seitdem
beinahe ununterbrochen gefeiert, ist gern gesehener Gast in den größten
TV-Shows des Landes.
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Nachricht über den Keeper
durch die russischen Sportportale gejagt wird. Unter anderem fragte ein
WM-Reporter von sports.ru Fans der brasilianischen Nationalmannschaft in
den USA, ob sie schon einmal etwas von Safonow gehört hätten.
Natürlich kennen die ihn. Er sei ein Held für sie. „Wir hassen Flamengo und
wir lieben Russland“, sagt einer. Als PSG im vergangenen September gegen
Flamengo Rio de Janeiro um den Interkontinental Cup spielte, habe Safonow
im Elfmeterschießen vier Schüsse gehalten und Paris den Pokal beschert.
Viel mehr gibt es in diesen Tagen der WM nicht über den russischen Fußball
zu berichten. Das soll sich nun ändern.
Für den russischen Sportminister Michail Degtjarjow ist die Zulassung eines
russischen Teams zum U15-Turnier in Aserbaidschan [2][nur der erste Schritt
zur vollständigen Wiedereingliederung des russischen Verbands] in die
Fußballfamilie. Bis Jahresende sollte das erreicht sein, meinte er in einem
von der staatlichen Nachrichtenagentur Tass verbreiteten Statement zum
Jugendturnier der Fifa. „Die Fifa bewegt sich in die richtige Richtung“,
wird er da zitiert. Man sei bestens mit ihr vernetzt. „Wir stehen in
ständigem Kontakt mit der Fifa“, so Degtjarjow.
## Nur Testspiele
Bald also könnte auch die russische Nationalmannschaft der Männer wieder
die Nische verlassen, in die man sie verbannt hat. Seit 2022 darf sie nur
noch Testspiele bestreiten. Aber weil sie nun fast nur Siege gegen oft
zweitklassige Gegner wie jüngst Trinidad und Tobago einfährt, steht die
Auswahl aktuell auf Platz 34 der [3][Fifa-Weltrangliste] – genau einen
Platz hinter der Ukraine übrigens.
Das ist nur eines der Zeichen dafür, dass Russland nie ganz ausgeschlossen
war aus der Fußballfamilie: Auch wenn die europäische Fußballunion Uefa
gerade erst beschlossen hat, auch in der kommenden Spielzeit 2026/27 keine
russischen Teams zu internationalen Wettbewerben zuzulassen, wurden auf
Funktionärsebene immer Kontakte gepflegt.
Schon 2023, lange bevor das Internationale Olympische Komitee im Dezember
vergangenen Jahres empfahl, Nachwuchsathlet:innen aus Russland und
Belarus [4][wieder zu internationalen Wettkämpfen zuzulassen], wollte
Uefa-Präsident Aleksander Čeferin den Bann für Jugendteams aus Russland
außer Kraft setzen. Weil aber Verbände ankündigten, nicht gegen russische
Teams antreten zu wollen, wurden die Pläne wieder beerdigt.
## Europäischer Jugendaustausch mit Russland
Abseits der großen Aufmerksamkeit haben Teams aus den Jugendakademien der
großen russischen Profiklubs aber ohnehin immer wieder an Turnieren in
Europa teilgenommen. Der Sieg einer Mannschaft vom Nachwuchsleitungszentrum
von Spartak Moskau über die Jungs von Atalanta Bergamo bei einem Turnier in
Ungarn, schaffte es in Russland mangels anderer internationaler Erfolge auf
die Nachrichtenseiten der Sportmedien, anderswo in Europa interessiert sich
kaum jemand dafür. Für die Uefa sind derartige Begegnungen ein Mittel, um
Abseits der großen Öffentlichkeit in Kontakt mit dem russischen Fußball zu
bleiben.
Auch wenn offiziell also keine russischen Teams an Wettbewerben oder
Qualifikationsspielen für große Turniere teilnehmen durften, so wurden sie
doch regelmäßig zu Veranstaltungen unter dem Dach der Uefa eingeladen. Erst
im April spielte eine russische U16-Mannschaft bei einem sogenannten
Development-Turnier des europäischen Verbands gegen Aserbaidschan,
Kasachstan und Pakistan. Was die Fifa nun als Neuigkeit verkündet, wird in
Europa also schon länger praktiziert.
Dennoch platzen die russischen Sportmedien beinahe vor Stolz über die
Einladung zu einem Fifa-Turnier, bei der ein echter „World Cup“ vergeben
wird. Die Sehnsucht nach der Rückkehr der Nationalmannschaft ins
Wettbewerbsgeschehen ist groß. Nur allzu gern wüsste man in Russland, wo
der Fußball des Landes steht. [5][Nationaltrainer Waleri Karpin] hatte vor
dem Turnier in den USA gesagt: „Eins kann ich ganz bestimmt sagen: Wenn wir
mit unserer Mannschaft bei der WM mitspielen könnten, wir wären voll und
ganz konkurrenzfähig.“ Darüber wird nun eifrig diskutiert in Russland.
Wirklich überprüfen lässt sich die Aussage ja nicht. Noch nicht.
30 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /PSG-gewinnt-die-Champions-League/!6182953
DIR [2] https://www.sports.ru/football/1117266880-degtyarev-o-vozmozhnom-uchastii-rossii-u15-v-turnire-fifa-rasschityvae.html
DIR [3] https://inside.fifa.com/de/fifa-world-ranking/men
DIR [4] /Rueckkehr-russischer-Juniorenteams/!5959947
DIR [5] https://www.sports.ru/football/blogs/3415112.html
## AUTOREN
DIR Andreas Rüttenauer
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