# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Putin lehnt gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe ab
> Trotz vermehrter ukrainischer Drohnenangriffe gibt sich der Kremlchef
> siegessicher. Außerdem läuft eine Krisensitzung zu Treibstoffmangel in
> Russland.
IMG Bild: Das Krisentreffen zur Treibstoff-Versorgungslage am 28. Juni in Moskau
## Putin lehnt ukrainischen Vorschlag zu Stopp von Langstreckenangriffen ab
Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen ukrainischen Vorschlag
für einen gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe abgelehnt.
Russland werde stattdessen an seinem Ziel festhalten, die vier Regionen
Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja vollständig einzunehmen, sagte
Putin am späten Sonntagabend in einem Interview des russischen
Staatsfernsehens. Er werte den Vorstoß aus Kyjiw lediglich als Versuch, den
Druck auf die ukrainischen Truppen entlang der 1.250 Kilometer langen
Frontlinie zu lindern. Eine Rettung der Regierung in Kyjiw gehöre nicht zu
den russischen Plänen. Eine Stellungnahme des ukrainischen Präsidialamtes
lag zunächst nicht vor.
Putin besteht seit langem darauf, dass die Ukraine ihre verbleibenden
Stellungen in der Region Donezk im Donbass aufgibt, und machte dies zur
zentralen Bedingung für jedes Friedensabkommen. Sieben Monate nach dem
Einmarsch im Jahr 2022 annektierte Russland die vier Regionen – die
Regionen Donezk und Luhansk im Donbass sowie Cherson und Saporischschja,
die es nur teilweise kontrolliert. Mit Blick auf die verstärkten
ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Ölindustrie räumte Putin
ein, dass [1][diese zu Treibstoffengpässen in verschiedenen Regionen
geführt] hätten.
Russland habe die Lage jedoch im Griff. Als wichtigste Aufgabe nannte er
einen raschen und deutlichen Ausbau der Produktion von Flugabwehrsystemen.
Zugleich betonte Putin, dass die ukrainischen Angriffe auf die
Infrastruktur [2][keinerlei Auswirkungen auf das Geschehen an der Front]
hätten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Putin in diesem Monat
in einem offenen Brief ein persönliches Treffen vorgeschlagen, was der
russische Staatschef jedoch ablehnte. Zur Beendigung des Krieges erwartet
Putin nun eine Wiederaufnahme der US-geführten diplomatischen Bemühungen.
Sobald die heiße Phase des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran
überwunden sei, rechne er mit einem erneuten Besuch der US-Gesandten Steve
Witkoff und Jared Kushner in Moskau.
Putin bestätigte jüngste Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio,
wonach bei den Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump in Alaska im
vergangenen Jahr zwar US-Vorschläge erörtert worden seien, jedoch keine
formelle Einigung erzielt worden sei. „Niemand hat etwas unterzeichnet,
aber wir haben über bestimmte Möglichkeiten zur Beendigung des Konflikts
in der Ukraine gesprochen“, sagte Putin. Die US-Seite habe dabei um
Kompromisse gebeten. Bei möglichen Friedensverhandlungen könnte Putin
zufolge zudem der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko helfen.
Vorwürfe aus Kyjiw, wonach Russland versuche, das Nachbarland stärker in
den Konflikt hineinzuziehen, ließ er unkommentiert. (rtr)
## Russische Besatzungsbehörden melden Stromausfälle
In den russisch besetzten Teilen der Südukraine gibt es nach Angaben der
von Moskau eingesetzten Behörden Stromausfälle. „Alle Kreise des Gebiets
Cherson sind ganz oder teilweise ohne Strom“, schrieb der Chef der dortigen
russischen Besatzungsverwaltung, Wladimir Saldo, bei Telegram.
Energieversorger und Einsatzkräfte arbeiteten daran, die Stromversorgung in
den Haushalten so schnell wie möglich wiederherzustellen. Auch der von
Russland für das Gebiet Saporischschja eingesetzte Gouverneur Jewgeni
Balizki schrieb in der Nacht von Notabschaltungen und Schäden an
Energieanlagen nach ukrainischen Angriffen auf das Stromnetz. (dpa)
## Chinas Staatschef Xi empfängt belarussischen Machthaber
Chinas Staatschef Xi Jinping ist am Montag in Peking zu Gesprächen mit dem
belarussischen Machthaber und [3][Kreml-Verbündeten Alexander Lukaschenko]
zusammengekommen. Wie der chinesische Staatssender CCTV berichtete, empfing
Xi den seit 1994 in Belarus regierenden Staatschef im Staatsgästehaus
Diaoyutai. „Die Beziehungen zwischen China und Belarus haben den Prüfungen
internationaler Herausforderungen standgehalten“ und „treten in die beste
Phase ihrer Geschichte ein“, erklärte die chinesische Regierung. Xi habe
Lukaschenko gesagt, beide Länder „sollten Ressourcen in allen Bereichen
mobilisieren“, um den Aufbau der chinesischen Investitionsoffensive Neue
Seidenstraße voranzutreiben „und die praktische Zusammenarbeit zu
vertiefen“.
Lukaschenko hatte den russischen Streitkräften 2022 erlaubt, vom
Territorium seines Landes aus die Ukraine anzugreifen, eine direkte
Beteiligung an dem russischen Angriffskrieg jedoch abgelehnt. In Belarus,
das an die Ostflanke der Nato grenzt, sind atomwaffenfähige russische
Oreschnik-Raketen stationiert. China präsentiert sich im Ukraine-Konflikt
stets als neutral, doch werfen die westlichen Verbündeten der Ukraine
Peking vor, in Wahrheit Moskau heimlich zu unterstützen. Zuletzt war
Lukaschenko im September 2025 in Peking zu Gast. Damals nahm er an einer
Militärparade sowie am Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für
Zusammenarbeit (SCO) teil. (afp)
## Ukraine: Fünf Tote bei russischen Angriffen im Süd- und Nordosten
Bei russischen Angriffen im Südosten und Nordosten der Ukraine wurden nach
Angaben örtlicher Behörden mindestens fünf Menschen getötet. In der
südöstlichen Stadt Saporischschja kamen zwei Menschen ums Leben, 16 weitere
wurden verletzt, teilt der regionale Gouverneur Iwan Fedorow auf dem
Kurznachrichtendienst Telegram mit. In der nordöstlichen Grenzregion
Charkiw kam eine Person bei einem Raketenangriff auf die Stadt Smijiw ums
Leben, acht weitere wurden verletzt, darunter zwei Kinder, erklärt
Gouverneur Oleh Synjehubow. Zudem starb nach Polizeiangaben ein Beamter
bei der Evakuierung von Anwohnern in einer anderen Gemeinde der Region.
In der ebenfalls an Russland grenzenden Region Sumy wurde nach Angaben
des dortigen Gouverneurs eine ältere Frau getötet. (rtr)
## Putin fordert mehr Luftabwehr zum Schutz von Ölanlagen
Russlands Präsident Wladimir Putin fordert eine stärkere Luftabwehr gegen
ukrainische Drohnenangriffe auf die Ölinfrastruktur des Landes. Die erste
Aufgabe bestehe darin, die Produktion der am dringendsten benötigten
Systeme schnell hochzufahren, sagt er in einem russischen Fernsehinterview.
Zugleich erklärt Putin, dass Russland mit den Folgen der Angriffe gut
zurechtkomme. Die Schläge gegen diese Anlagen hätten keinerlei Auswirkungen
auf die Lage an der Front. Russland werde sich dadurch nicht von seinem
Vormarsch abhalten lassen. (rtr)
## Selenskyj plant Gedenkstätte für Helden der Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein Gesetzesprojekt zur
Errichtung einer Gedenkstätte für alle herausragenden Persönlichkeiten der
Ukraine ins Leben gerufen. „Ich habe heute den Gesetzentwurf für ein
nationales Pantheon in das Parlament eingebracht“, sagte er bei einer
Veranstaltung zum Tag der Verfassung. „Die Namen aller Helden, die in
verschiedenen Jahrhunderten und Epochen für die Ukraine gekämpft und die
Ukraine inspiriert haben, werden vereint und für immer in unsere Geschichte
eingeschrieben.“
„Niemand wird den Ukrainern jemals wieder vorschreiben, welche Helden sie
verehren, welche Feiertage sie begehen oder welche Geschichte sie lernen
sollen“, fügte sein Präsidialamtschef Kyrylo Budanow hinzu. „Für dieses
Recht auf freie Selbstbestimmung und nationale Unabhängigkeit haben unsere
Vorfahren jahrhundertelang gekämpft, und genau dafür vergießen unsere
Soldaten heute ihr Blut.“ Der Hinweis auf Selbstbestimmung galt auch als
Stichelei in Richtung des Nachbarn Polen, dessen Präsident Karol Nawrocki
in einem Geschichtsstreit Selenskyj einen hohen Orden aberkannt hatte. Die
Gedenkstätte soll in Kyjiw errichtet werden. (dpa)
## Krisensitzung zu russischem Treibstoffmangel
Kremlchef Wladimir Putin hat eine Krisensitzung zu den aktuellen russischen
Versorgungsproblemen mit Treibstoff einberufen. Zuallererst müssten die
Auswirkungen der wiederholten ukrainischen Angriffe gegen Raffinerien und
andere Objekte der Erdölindustrie abgefedert werden. „Wir müssen die Folgen
terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die
Infrastruktur reduzieren“, wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert. An
der Sitzung nahmen Vertreter diverser Ministerien sowie der wichtigsten
Erdölproduzenten Russlands teil.
Die zuletzt verstärkten ukrainischen Angriffe gegen die Erdölindustrie in
Russland haben zu ernsthaften Versorgungsproblemen geführt. „An den
Tankstellen gibt es Warteschlangen, die benötigten Benzinsorten sind nicht
immer vorrätig“, sagte Putin. Er bestätigte, dass bereits über ein
Exportverbot für Diesel-Treibstoff nachgedacht werde. Russland habe
inzwischen begonnen, seine Benzinreserven anzuzapfen. Putin erwartete schon
im Juli eine deutliche Erhöhung der Produktion der wichtigsten
Treibstoffarten. „Die sich stellenden außergewöhnlichen Aufgaben werden
gelöst, und zwar klar, zügig und kompetent im Interesse des Landes und
unserer Bürger“, gab er den Produzenten und Ministerien eine klare
Marschrichtung vor. (dpa)
## Putin spricht von „schwieriger Phase“ für Russland
Der russische Präsident Wladimir Putin hat eingeräumt, dass sein Land
schwere Zeiten durchmache. Moskau werde jedoch alle sozialen
Verpflichtungen den Bürgern gegenüber einhalten, erklärte er am Sonntag bei
einer Konferenz seiner Regierungspartei Geeintes Russland, ohne dabei
direkt auf Angriffe der Ukraine und damit einhergehende Treibstoffengpässe
einzugehen.
Angesichts der „aktuellen Situation“ werde es einige Plananpassungen geben,
„aber alle strategisch wichtigen Entwicklungsprogramme im Inland werden
zweifellos vollständig umgesetzt“. Russland werde weiter Wohnungen und
Straßen bauen, neue, moderne und gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und
heimische Unternehmen unterstützen, sagte Putin. „Wir machen eine
schwierige Phase durch, aber das hat uns einiges gelehrt und erkennen
lassen, was es bedeutet, ein russischer Bürger zu sein.“ (ap)
## Putin beklagt bei Parteikongress Druck des Westens
Trotz aktueller Rückschläge an den Fronten und erheblicher wirtschaftlicher
Probleme gibt sich Russlands Präsident Wladimir Putin kämpferisch. „Dem
Westen gelingt es nicht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, deshalb
versucht er, die politische Lage zu destabilisieren, doch auch das gelingt
ihm nicht“, sagte der Kremlchef beim Kongress der Regierungspartei „Edinaja
Rossija“ (Geeintes Russland) in Moskau. Die Parteiführung war
zusammengekommen, um die Linien für die Parlamentswahlen im September
festzulegen.
Russland sehe sich aktuell einem „beispiellosen Druck“ seitens westlicher
Eliten ausgesetzt, erklärte Putin. Er warf dem Westen vor, die Angriffe
Kyjiws gegen Russland zu ignorieren. „Und gleichzeitig verhängt er gerade
gegen uns immer neue – ich betone: unrechtmäßige – Sanktionen“, sagte er
und wies seinem Land, das seit über vier Jahren einen brutalen
Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, damit eine Opferrolle zu. (dpa)
29 Jun 2026
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