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       # taz.de -- Berliner Subkultur: Vergangene Nächte, Kunst und Töne
       
       > Am Wochenende schlossen mit dem Aktionshaus und Die Möglichkeit einer
       > Insel zwei Berliner Projekträume. Ganz vorbei soll es aber mit beiden
       > nicht sein.
       
   IMG Bild: Der Blick auf die Stadt vom Aktionshaus aus, auch er wird fehlen
       
       Milla van der Graaf hält eine kleine schwarze Kiste ans Mikro und kurbelt
       immer schneller an ihr herum. Im diffusroten Licht der glasperlenbehängten
       Deckenleuchte erkennt man nicht genau, was die Sängerin und Schlagzeugerin
       der Indie-Band From 2 da hält: „This is an imagination machine“, gurrt sie
       schief ins Mirko, dann ein surrender Sound aus dem Gerät. Aha, es ist also
       ein bisschen egal. Bald ist es Mitternacht, hinten, am Nachthimmel,
       schlagen Blitze ein. Schweißfilme werden gebildet, Schuhe ausgezogen,
       Rückkopplungen pfeifen, stoisch wird an der Baritongitarre gezupft. Unten
       glitzert der Schrottplatz, bewacht vom Fassadenlogo: Zinkpowergroup.
       
       Irgendwo in Tempelhof oder irgendwo in Michigan, auch das egal. Wenn man
       seinen Körper auf der [1][Dachterrasse des Aktionshauses] im achten Stock
       eines Bürogebäudes im Industriegebiet der Gottlieb-Dunkel-Straße ans warme
       Geländer drückt, kann man überall sein, während man nirgendwo anders
       hinwill. Oder wollte. Es ist Samstagnacht.
       
       Drinnen spielt die letzte Band das letzte Konzert. Das kleine
       niederländische Label South of North hat diese, die 100. Aktion, im
       Projektraum oder Musikloch oder im Kunstort oder wie auch immer man das
       hier bezeichnen will, kuratiert. Zuvor spielte schon die Solokünstlerin
       Ugnė Uma. An den Wänden hängen Fotos von JR Wallner, die Finissage der
       Ausstellung am Donnerstag, den 2. Juli, wird die letzte sein, die hier
       stattfindet.
       
       Dann schließen die Betreiber:innen des Raums Charlotte Kehl und Juri
       Bader nach dreeinhalb Jahren die Türen. Abgeschafft wird das Aktionshaus
       deswegen nicht, ebenso wenig wie das schmale, bemerkenswert eigensinnige
       Label Beatbude, das Bader schon seit Jugendtagen betreibt. Vielleicht geht
       es irgendwann woanders weiter.
       
       ## Leise kommen und leise gehen
       
       Trotzdem liegt verlangsamte Melancholie in der Luft. „Letzter Abend? Aber
       ich wusste ja gar nicht …“ sagt da jemand. „Wir sind leise gekommen und
       gehen auch leise.“ Antwortet Bader sanft. Es passt zur Hitze, zum Abschied,
       zum originären Teenagergefühl der krachig-sentimentalen Geräuschband
       irgendwo zwischen den finnischen Tunng, [2][Moldy Peaches] und Mount Eerie,
       aber mit niederländischem Humor.
       
       Anderswo in der Stadt, in den ehemaligen Räumen der Galerie Jörg Johnen,
       verabschiedet sich in der gleichen Nacht ein weiterer Projektraum. Mit
       einer eklektischen Gruppenschau voll ausgedruckter Duplikate und Repliken
       von Werken aller [3][in Die Möglichkeit einer Insel] jemals ausgestellter
       Künstler:innen zieht Künstlerin und Betreiberin Stephanie Kloss hier nun
       schon an externem Ort Bilanz aus fast sieben Jahren.
       
       Die eigentlichen Räumlichkeiten in der DDR-Architektur der Inselstraße sind
       schon geschlossen. Aber auch hier ist noch nichts ganz vorbei, wie Kloss am
       frühen Sonntagabend im kühlen Hof berichtet: Eine Übersichtspublikation
       wird später im Jahr veröffentlicht werden. Traurig ist das alles trotzdem.
       Später in der Hitze denkt man an vergangene Nächte und Kunst und Töne. Dann
       schüttelt man die Schultern. Beide Orte tauchten auf, als Berlin schon
       fünfmal für tot erklärt wurde. Dann surrt die Imaginationsmaschine: Es ist
       ja nicht alles verloren.
       
       29 Jun 2026
       
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