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       # taz.de -- Migration in Südafrika: Warum Südafrikas Ausländerfeinde falschliegen
       
       > Südafrika sei von illegalen Migranten überlaufen, und die seien an
       > wachsenden sozialen Missständen schuld, so der Vorwurf. Forscher
       > widersprechen.
       
   IMG Bild: Zum Sündenbock gemacht: Migranten aus Simbabwe warten vor dem Konsulat, um das Land verlassen zu können
       
       rtr | In Südafrika haben Antizuwanderungsaktivisten alle Ausländer ohne
       gültige Papiere aufgefordert, das Land bis Dienstag zu verlassen. Tausende
       Migranten aus anderen afrikanischen Staaten haben sich aus Angst vor
       Übergriffen auf den Heimweg gemacht oder suchen Schutz in Lagern.
       
       Die Organisation [1][March and March], die hinter den Protesten steht,
       macht Einwanderer für viele soziale und wirtschaftliche Probleme
       verantwortlich. „Die Südafrikaner haben es satt, in Krankenhäusern Schlange
       zu stehen, mit illegalen Einwanderern um Plätze an öffentlichen Schulen
       sowie mit ausländischen Staatsangehörigen um Arbeitsplätze zu konkurrieren,
       und sie haben genug von Nigerianern, die Drogen an die Jugend dieses Landes
       verkaufen“, fasste Musa Hlongwa, Präsident der Bürgervereinigung United
       South Africa, unlängst die Stimmung in der Bevölkerung zusammen.
       
       Umfragen zeigen, dass die fremdenfeindliche Stimmung in der
       südafrikanischen Bevölkerung zunimmt. Einer Untersuchung des [2][Human
       Sciences Research Council] zufolge ist die Ablehnung ‌so hoch wie nie
       zuvor. Lediglich jeder sechste Erwachsene gab an, alle Ausländer willkommen
       zu heißen. Dagegen erklärten 42 Prozent, überhaupt keine Migranten im Land
       haben zu wollen – im Jahr 2021 lag dieser Wert noch bei einem Drittel.
       
       Einer Umfrage von [3][Afrobarometer] zufolge bewerten sieben von zehn
       Südafrikanern die wirtschaftlichen Auswirkungen von Einwanderung negativ.
       Zudem forderten 85 Prozent, die Aufnahme von Flüchtlingen einzuschränken
       oder ganz zu stoppen. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos ermittelte, dass
       fast drei Viertel der Befragten Einwanderern aus anderen afrikanischen
       Ländern überhaupt nicht vertrauen.
       
       ## Wie viele Ausländer leben in Südafrika?
       
       Die Gegner von Einwanderung argumentieren, Südafrika werde von illegalen
       Migranten „überschwemmt“. Daten der [4][nationalen Statistikbehörde
       StatsSA] aus dem Jahr 2023 zeigen jedoch ein anderes Bild: Demnach lebten
       rund 3,1 Millionen Migranten im Land mit einer Gesamtbevölkerung von damals
       rund 63 Millionen. Im internationalen Vergleich ist dieser Wert niedrig. In
       Deutschland haben etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung einen
       Migrationshintergrund, in Großbritannien 17 Prozent, in Kanada 22 Prozent
       und in Australien 30 Prozent.
       
       Kritiker entgegnen, dass die offiziellen Zahlen in Südafrika Einwanderer
       ohne regulären Status nicht vollständig erfassen. StatsSA betont jedoch,
       dass die Methodik der Volkszählung darauf ausgelegt ist, auch diese Gruppe
       zu berücksichtigen. „Es entsteht der Eindruck, dass Massen von Menschen ins
       Land strömen, aber die Daten sprechen eine andere Sprache“, sagte Anthony
       Kaziboni, Forscher an der Universität Johannesburg.
       
       ## Sind Ausländer für Südafrikas Probleme verantwortlich?
       
       Ein weiterer Vorwurf lautet, ‌Ausländer seien für die hohe
       Kriminalitätsrate verantwortlich. Zwar veröffentlicht die Polizei keine
       Statistiken zur Nationalität von Straftätern, doch Zahlen des
       Justizministeriums aus dem Jahr 2017 zeigten, dass damals 11.842 Ausländer
       in südafrikanischen Gefängnissen einsaßen. Dies entsprach etwa sechs
       Prozent der gesamten Häftlinge – von denen 1.380 wegen illegalen
       Grenzübertritts inhaftiert waren. „Alle Belege deuten darauf hin, dass sich
       Migranten überdurchschnittlich gesetzestreu verhalten“, sagte Loren B.
       Landau, Professor für Migrationsforschung an der Universität Oxford. „Die
       meisten ihrer Delikte sind Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht.“
       
       Auch die Behauptung, Migranten nähmen Einheimischen die Arbeitsplätze weg,
       ⁠deckt sich nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Einem [5][Bericht
       der Weltbank aus dem Jahr 2018] zufolge entstehen durch die wirtschaftliche
       Tätigkeit für jeden beschäftigten Migranten etwa zwei Arbeitsplätze für
       Südafrikaner. Einwanderer gäben den Großteil ihres Geldes im Land für
       lokale Waren und Dienstleistungen aus, erklärte Lauren Gilbert vom
       Analysehaus GeoQuant.
       
       Zudem wird Migranten ohne gültige Papiere vorgeworfen, die ohnehin knappen
       staatlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen. Dem Experten Kaziboni zufolge
       ist es jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass Menschen ohne Papiere
       staatliche Krankenhäuser oder Schulen nutzen, da sie dort registriert
       werden ‌und eine Abschiebung befürchten müssten. Dass ‌das Gesundheits- und
       Bildungssystem in Südafrika marode ist, führen Ökonomen vor allem auf
       chronische Unterinvestitionen und Korruption zurück.
       
       ## Wurzeln in der Apartheid
       
       Die Ursachen für die Fremdenfeindlichkeit liegen auch in der Geschichte des
       Landes. Während der Apartheid setzte die weiße Minderheitsregierung gezielt
       billige Arbeitskräfte aus dem afrikanischen Ausland in den ‌Goldminen ein,
       um die Löhne niedrig zu halten und Gewerkschaften zu schwächen.
       
       Heute leidet Südafrika unter einer der höchsten Arbeitslosenraten weltweit;
       rund ‌ein Drittel der Bevölkerung ist ohne Beschäftigung. Die mangelhafte
       staatliche Versorgung führte zudem dazu, dass der regierende Afrikanische
       Nationalkongress (ANC) bei den Wahlen im Jahr 2024 seine absolute Mehrheit
       verlor.
       
       Die soziale Ungleichheit im Land gilt als die größte weltweit. Diese
       Faktoren schüren eine Unzufriedenheit, die sich leicht gegen Migranten
       kanalisieren lässt.
       
       29 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://marchandmarch.org.za/
   DIR [2] https://hsrc.ac.za/
   DIR [3] https://www.afrobarometer.org/
   DIR [4] https://www.statssa.gov.za/
   DIR [5] https://documents.worldbank.org/en/publication/documents-reports/documentdetail/247261530129173904
       
       ## TAGS
       
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