# taz.de -- Schüsse in Jugendeinrichtung: Motiv für Tode in Stade vermutlich Sorgerechtsstreit
> Bei Schüssen in einer Jugendeinrichtung in Stade westlich von Hamburg
> sind mehrere Menschen gestorben. Die Polizei spricht von einer
> „Familientragödie“.
IMG Bild: In Stade westlich von Hamburg sind mehrere Menschen durch Schüsse gestorben. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen
## Tatverdächtiger von Schusswaffenangriff in Stade ist 45-jähriger
Deutscher
Bei dem festgenommenen Tatverdächtigen zum Schusswaffenangriff in einer
Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade mit sechs Toten handelt
es sich um einen 45-jährigen Deutschen. Der Mann aus dem Raum Hannover sei
am Montag im Zusammenhang mit einer „Sorgerechtssache“ in der Einrichtung
gewesen, in der seine dreimonatige Tochter und die Kindsmutter
untergebracht gewesen seien, sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin
Kathrin Schuol vor Journalisten in Stade.
Zum Tatverdächtigen sagte Schuol darüber hinaus: „Es liegen zu ihm
polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich Bedrohung,
aber er galt bisher nicht als absolut gewalttätig in unserem polizeilichen
System.“
Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei unklar, woher der mutmaßliche Täter
die Waffe hatte und ob es mehrere Waffen gab. Sicher sei, dass der
Tatverdächtige keine Erlaubnis zum Führen der gefundenen Waffe hatte.
Bei den sechs Toten handelt es sich um vier Mitarbeiterinnen und zwei
Mitarbeiter des privaten Trägers der Jugendhilfeeinrichtung und des
Jugendamts. Das Kind des Verdächtigen und die Kindsmutter blieben
unverletzt, wie Schuol weiter sagte.
Der mutmaßliche Schütze wurde kurz nach der Tat festgenommen. Er war in
einem von einer Frau gesteuerten Auto auf der Flucht, als er von Polizisten
gefasst wurde. Auch die mutmaßliche Fahrerin wurde festgenommen. Sie stammt
nach ersten Erkenntnissen der Ermittler aus dem erweiterten Bekannten- oder
Familienkreis des Manns. (afp/dpa)
## Niedersachsens Innenministerin Behrens: Gewalttat von Stade „extrem
kaltblütig“
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hat den
Schusswaffenangriff in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade mit sechs
Toten als „extrem kaltblütige Gewalttat“ bezeichnet. Die Tat habe keine
„politischen oder wirtschaftlichen Hintergründe“, betonte Behrens am Montag
in Stade vor Journalisten. Dahinter stünden vielmehr „familiäre Motive“.
Die Ministerin sprach von einem „entsetzlichen Tag für Stade und für ganz
Niedersachsen“. Sechs Menschen seien „auf brutale Weise aus dem Leben
gerissen“ worden, erklärte sie. Das verursachte Leid sei „schwer zu
begreifen und noch schwerer in Worte zu fassen“. Die Tat werde Stade „lange
beschäftigen“ und „Spuren hinterlassen“. Behrens sprach allen Betroffenen
ihre Anteilnahme aus. (afp)
## Ministerpräsident Lies: Keine voreiligen Schlüsse ziehen
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat nach den tödlichen
Schüssen in Stade vor „voreiligen Schlüssen“ gewarnt. Es sei „jetzt die
Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für
Spekulationen und Verunsicherung“, sagte Lies einer Mitteilung der
Staatskanzlei zufolge.
In Stade waren nach Angaben der Polizei bei Schüssen in einer
Jugendhilfeeinrichtung fünf Erwachsene getötet worden – eine weitere Person
starb später im Krankenhaus. Mehrere Menschen wurden zudem zum Teil schwer
verletzt. Die Hintergründe des Verbrechens waren zunächst unklar.
„Die Vorkommnisse in Stade sind erschütternd und machen die gesamte
Landesregierung tief betroffen“, hieß es weiter. Er bitte alle darum,
„jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen
Raum zu geben“, sagte Lies. (dpa)
## Sechs Menschen getötet in Stade
afp/dpa | Bei Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen
Stade sind fünf Erwachsene getötet worden. „Es gibt mehrere Menschen, die
zum Teil schwer verletzt wurden“, sagte eine Polizeisprecherin der dpa. Wie
die Polizei mitteilte, erlag eine sechste Person im Krankenhaus ihren
Verletzungen.
Anfänglich hieß es, die Ermittler hätten zwei Verdächtige festgenommen,
darunter auch den mutmaßlichen Schützen. Am frühen Montagabend präzisierte
die Polizei ihre Angaben. Festgenommen worden sei eine Person, nämlich der
mutmaßliche Schütze, so ein Polizeisprecher. Zwei weitere Personen befänden
sich in polizeilichen Maßnahmen, seien aber nicht festgenommen worden. Sie
würden vernommen und gegebenenfalls einer Spurensicherung unterzogen.
Welche Rolle sie gespielt haben könnten und in welcher Beziehung der
mutmaßliche Schütze zu den Opfern stand, sei Gegenstand der Ermittlungen.
Bei dem Schusswaffenangriff hat es sich nach Polizeiangaben um eine
„erweiterte Familientragödie“ gehandelt. Es gehe „nicht in Richtung Femizid
oder auch politischer Hintergrund“, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg
am Montag der Nachrichtenagentur afp.
## Noch viele Fragen offen
Zu dem Tötungsdelikt kam es nach Polizeiangaben in einer
Jugendhilfeeinrichtung. Dort sind Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht.
Nähere Angaben zu der Identität der Toten machten die Ermittler zunächst
nicht. Die Identität des mutmaßlichen Haupttäters war zunächst nicht
bekannt. Ob die beiden Personen, die sich in polizeilichen Maßnahmen
befinden, an der Tat beteiligt waren, wird laut Polizei noch ermittelt.
Wieso es zu der Tat kam, ist nicht bekannt. „Die Hintergründe der Tat sind
derzeit Gegenstand der Ermittlungen“, sagt ein Polizeisprecher am
Nachmittag am Tatort. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler gibt es
jedenfalls keinen Zusammenhang zur sogenannten Clankriminalität.
## Keine Gefahr für Kita, Grundschule und Bevölkerung
Polizei und Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot im Einsatz. Sie
riefen Menschen auf, den betroffenen Bereich weiträumig zu verlassen und
den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen. „Aktuell besteht keine weitere
Gefahr für die Bevölkerung“, betonte die Polizeisprecherin.
Auf Bildern von der Umgebung des Tatortes waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge
und Rettungskräfte zu sehen. Auch Kriminaltechniker in weißen Overalls
waren vor Ort.
Ein Sprecher der Stadt Stade sagte, für eine Kindertagesstätte und eine
Grundschule in der Nähe der Jugendhilfeeinrichtung habe keine Gefahr
bestanden. Die Stadt habe nach den ersten Meldungen umgehend Kontakt zu den
Einrichtungen gesucht. Die Kita-Kinder seien zum Zeitpunkt der Schüsse im
Gebäude gewesen, sagte der Stadtsprecher. Eltern konnten ihre Schulkinder
inzwischen abholen.
Die Stadt kündigte eine Stellungnahme zu der Gewalttat für den Lauf des
Nachmittags an. Stade hat knapp 48.700 Einwohner, gehört zur Metropolregion
Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten
zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Hansestadt liegt rund
40 Kilometer von Hamburg entfernt.
29 Jun 2026
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